Ein Platz zum Leben

Oft passiert es ganz plötzlich, dass die Eltern oder nahe Verwandte pflegebedürftig werden. Man steht vor einer völlig neuen, bisher unbekannten Situation. Selbst ist man berufstätig und die betroffenen Angehörigen wohnen weit entfernt. Und das sind längst nicht die einzigen Probleme. Denn oft mangelt es nicht am Wollen, selbst zu helfen, sondern das eigene Können setzt Grenzen. Wer hat das Fachwissen, pflegebedürftigen Senioren die entsprechenden Hilfen zu geben, wer kann sie am besten medizinisch betreuen? So schwer es den meisten auch fällt, das Pflegeheim ist oft der einzige Weg.

Um so wichtiger ist es, ein Heim zu finden, in dem sich Fachkräfte - im Idealfall unterstützt durch ehrenamtliche Helfer - fürsorglich, liebevoll und kompetent um die ihnen anvertrauten Senioren kümmern. Ein Heim, das mehr bietet als Unterbringung und das Notwendigste an Betreuung. Ein Heim, in dem die Würde der Menschen bis zum Tod respektiert wird, und in dem die elementaren Bedürfnisse der Bewohner nach Wertschätzung, Sicherheit und Geborgenheit zu jedem Zeitpunkt gestillt werden. Was also tun?
go longlife! will dazu beitragen, Einrichtungen zu finden, in denen man seine Angehörigen gut aufgehoben weiß, bei denen man ein gutes Gefühl hat. Deshalb stellen wir laufend vorbildliche Pflegeheime vor und zeigen, worauf bei der Auswahl zu achten ist.
Herzlich willkommen im Seniorenstift Kaufering”. Eine große Tafel mit den Namen aller Bewohnerinnen und Bewohner, Ansprechpartnern sowie einer detaillierten Skizze, die das Zurechtfinden erleichtert, hängt im Eingangsbereich. Es herrscht eine ungezwungen fröhliche, freundliche Atmosphäre.

Zweifelsfrei entstand in der knapp 10.000 Einwohner zählenden oberbayerischen Gemeinde Kaufering im Landkreis Landsberg am Lech eine ganz besondere am Gemeinwesen orientierte Einrichtung. Die vernetzten Angebote reichen von stationärer Pflege, Tages- und Kurzzeitpflege über den ambulanten Pflegedienst und betreutes Wohnen. Eine Besonderheit ist der preiswerte offene Mittagstisch, an dem alle Kauferinger Senioren teilnehmen können.

Die Diözese Augsburg stellte den Baugrund zur Verfügung - zinsfrei für die sozial genutzte Fläche, die rund 70 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Nach der symbolischen Grundsteinlegung 1994 vergingen nur einige Monate bis zum Einzug der ersten beiden Pflegepatientinnen am 4. Dezember 1995. Wenige Wochen zuvor genehmigte das bayerische Staatsministerium des Innern das „Seniorenstift Kaufering“ als Stiftung des öffentlichen Rechts. Damit war auch ein wesentlicher Grundstein gelegt worden, das Ehrenamt einzubinden.



Das architektonische Konzept bewirkt durch viel Licht und fröhliche Farbgestaltung eine heitere Atmosphäre.

Dass im Seniorenstift die Messlatte besonders hoch hängt, war von Anfang an zu erkennen.

Mit Qualitätssicherung, wie sie von den Pflegekassen für alle Einrichtungen der Altenhilfe gefordert wird, gab und gibt man sich hier nicht zufrieden. „Wir wollen uns verbessern“, betonte der jetzt 43-jährige Geschäftsführer und Leiter der Gesamteinrichtung, Diplom-Sozialgerontologe Erich Püttner, schon damals. Im Seniorenstift, dem Haus mit dem höchsten Fachkräfteanteil (60 %) im Landkreis, strebte man die inzwischen erfolgte Zertifizierung nach ISO 9001 an. Beim Aufbau einer weitergehenden Qualitätssicherung zogen Geschäftsführung und Mitarbeiter an einem Strang. Arbeitsgruppen entwickelten und diskutierten in sogenannten Qualitätszirkeln künftige Verfahrensweisen. Einbezogen wurden Bewohner, deren Angehörige, Betreuer und Besucher.
Im Seniorenstift wurde Wert auf ansprechende Farbgestaltung und Helligkeit gelegt.

Die Orientierung in dem großzügig konzipierten Haus wird durch verschiedenfarbige Bereichszonen erleichtert. Große Fenster lassen Licht und Sonne herein. Es ist ein offenes Haus, das von verschiedenen Organisationen genutzt wird. Täglich gehen hier viele Menschen ein und aus und bringen so Leben in die Einrichtung. Kulturell tut sich einiges: Kunstausstellungen, Vorträge und Konzerte bereichern den Alltag der Senioren.

„Das Gemeinwesen und das gesellschaftliche Umfeld sollen durch die Offenheit und die Existenz der Einrichtung erfahren, dass die Achtung und Fürsorge für alte, kranke und sterbende Menschen für jeden von uns von größter Bedeutung ist”.
Gebaut wurde das Seniorenstift, damit besonders die „Kauferinger Bürger die Unterstützung und Hilfen erhalten können, die sie für die Bewältigung ihres Lebensabschnittes „Alter“ benötigen. Dabei kann “Alter” auch als Chance gesehen werden. Püttner: „Es eröffnet ein breites Spektrum an Möglichkeiten und bietet ein Lern- und Erfahrungsfeld, in dem neue Perspektiven eröffnet und Erfahrungen gesammelt werden können.
Daneben ist der alte Mensch für die jüngere Generation eine unschätzbare Quelle an Erfahrungen, Wissen und Geschichtlichkeit.
Er ist die rückverbindende Wurzel zu unserer eigenen Geschichte und Vergangenheit.“



Diplom-Sozial- gerontologe Erich Püttner, der Leiter der Gesamteinrichtung.

Stationäre Pflege

56 Pflegeplätze mit 40 Einzel- und 16 Doppelzimmern stehen zur Verfügung. Ein sogenannter „Beschützender Wohnbereich“ wurde für altersverwirrte Menschen eingerichtet.
Die Zimmer sind sehr wohnlich ausgestattet, mit Balkon und großen Fenstern sowie Toilette und Dusche. Zum vorhandenen pflegetauglichen Bett kann jeder Bewohner seine eigenen Möbel mitbringen, um sich schnell heimisch und wohl zu fühlen.

Anschlüsse für Telefon, Fernsehen und Rundfunk sind vorhanden. Selbstverständlich ist jedes Zimmer über eine Rufanlage mit dem Personal verbunden. Es gibt keine festgelegten Besuchszeiten. Angehörige und Freunde der Bewohner sind zu jeder Zeit herzlich willkommen.



Ob im Bierzelt, beim Ausflug nach Schloß Linderhof oder dem einmal pro Woche stattfindenden Sitztanz - Spaß muss sein.

Tagespflege

Mit dem Ziel, eine sinnvolle Lebensgestaltung zu erreichen steht die Tagespflege alten Menschen mit geistig-seelischen Erkrankungen offen. Auch bei akuten Erkrankungen oder Rehabilitation wird sie gern genutzt. Mit der Tagespflege soll nicht nur eine Verbesserung psychischer und physischer Befindlichkeit durch präventive und rehabilitierende Maßnahmen erreicht werden, auch der Erhalt der gewohnten Umgebung und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte sollen gewährleistet bleiben. Ebenso strebt man eine Verbesserung der Lebenssituation durch Hilfe zur Selbsthilfe an. Das Leben soll trotz Krankheit lohnenswert bleiben.

Pflegenden Angehörigen, die oft selbst unter hohem psychischen Druck stehen, bringt das Angebot nicht nur zeitliche Entlastung, sondern sie erhalten auch fachmännische Hilfestellung. Gefördert wird ein kommunikativer Austausch durch die Organisation von Angehörigengruppen.

Das inhaltliche Konzept sieht vor, bei betroffenen alten Menschen erst einmal die Angst zu verringern, nicht mehr verstanden zu werden. Das fachkompetente Mitarbeiterteam akzeptiert Tagesgäste in ihrer eigenen Realität. Überschaubar sind die Gruppen mit maximal acht Tagesgästen. In wohnlicher Atmosphäre ohne Anstaltscharakter orientiert sich die Art der Tätigkeit an den Gewohnheiten der Tagesgäste und daran, ob deren Ausführung ihnen Erfolgserlebnisse vermittelt. Immer wiederkehrende Tätigkeiten, Aufgaben und Angebote fördern die Orientierung und sind Pfeiler des Tagesablaufes.

Die Aktivitäten der Tagespflege:
dot_blue_r.gif (861 Byte) Seniorengymnastik und Bewegung zum Erhalt
der Mobilität
dot_blue_r.gif (861 Byte) Ergotherapeuthische, krankengymnastische und logopädische Behandlung nach ärztlicher Verordnung in Zusammenarbeit mit Fachkräften
dot_blue_r.gif (861 Byte) Aktivierende Hilfen zur Erhaltung und Förderung der Alltagskompetenz
dot_blue_r.gif (861 Byte) Spiele, Übungen, Gespräche zur Verbesserung von Gedächtnis, Orientierung und Wahrnehmung

Zusätzlich werden Ausflüge unternommen, Angehörigenabende und Selbsthilfegruppen organisiert sowie pflegerische Aufgaben übernommen.

Die Tagesgäste werden von einem Fahrdienst zu Hause abgeholt und abends zurückgebracht. Versorgt werden sie mit Frühstück, Mittagessen (täglich zwei Auswahlgerichte - auch vegetarische Kost) und Nachmittagskaffee.

Das Pflegeteam setzt sich zusammen aus einem Altenpfleger mit Zusatzausbildung zum Altentherapeut (Fachpfleger für Gerontopsychiatrie und -rehabiltation), einer Kunsttherapeuthin, Pflegehilfskräften der Altenpflege und Zivildienstleistenden.

Kurzzeitpflege

Im „Beschützenden Wohnbereich“ stehen Kurzzeitpflegeplätze für altersverwirrte Menschen zur Verfügung. Hier werden Gäste, etwa bei kurzzeitigen Krisenfällen oder Abwesenheit von Pflegepersonen, in komfortablen Einzelzimmern tage- oder wochenweise mit den benötigten pflegerischen Leistungen versorgt und betreut. Selbstverständlich kann der Gast an allen angebotenen Veranstaltungen teilnehmen.
Betreutes Wohnen

Zwei Ziele sollen damit erfüllt werden: Die Möglichkeit, ein eigenverantwortliches Leben zu führen und dabei die Sicherheit zu haben, bei Bedarf Hilfe und Betreuung zu erhalten.

Angeboten werden:
dot_blue_r.gif (861 Byte) Ständige Rufbereitschaft, d.h. bei Tag und Nacht, über die Rufanlage. In Notfällen ist schnelle Hilfe gewährleistet.
dot_blue_r.gif (861 Byte) Der „Guten-Morgen-Ruf“:
Es wird ein Zeitpunkt vereinbart, an dem sich der Bewohner meldet, ansonsten wird in seiner Wohnung nachgesehen.
dot_blue_r.gif (861 Byte) Betreuung und Unterstützung bei allen Problemen
dot_blue_r.gif (861 Byte) Wäsche- und Wohnungsreinigung
dot_blue_r.gif (861 Byte) Kleine Boten-, Begleit- und Betreuungsdienste
dot_blue_r.gif (861 Byte) Kleine Reparaturen
dot_blue_r.gif (861 Byte) Kranken- und Altenpflege
dot_blue_r.gif (861 Byte) Teilnahme am offenen Mittagstisch



Hildegard Birnbaum ist
mit dem Notruf-System im Seniorenstift sehr zufrieden. Das kleine Gerät kann wie eine Brosche, Kette oder Uhr getragen werden.

Notrufsystem für alle Fälle

Viele ältere Menschen, die noch in der eigenen Wohnung leben, sorgen sich: Was ist, wenn ein Notfall eintritt? Wer kümmert sich um mich, wenn ich stürze? Wer holt Hilfe? Hier bietet das Hausnotruf - System Sicherheit. Kernstück dieses Systems ist ein kleiner Taster, der als Kette, Brosche oder wie eine Uhr am Arm getragen wird. Wird im Bedarfsfall der Taster bedient, gelangt der Notruf über die Telefonleitung in eine Notfallzentrale, von der aus sofort weitere Hilfe veranlasst wird. Ohne den Telefonhörer abzunehmen, kann von jedem Punkt der Wohnung mit den Spezialisten in der Zentrale gesprochen werden. Über das Hausnotruf-System werden Fachleute vor Ort verständigt. Die rund um die Uhr erreichbaren Kräfte sind im Notfall in kurzer Zeit in der Wohnung und können sofort qualifiziert helfen oder weitere Maßnahmen veranlassen.
Das Hausnotruf-System der Deutschen Telekom ermöglicht es vielen älteren Menschen, weiterhin in Ihrer gewohnten Umgebung zu leben, sich sicher zu fühlen und im Notfall Hilfe herbei zu rufen. Über die vielen Vorteile, die das System darüberhinaus noch bietet, kann man sich unter der Hotline-Nummer 01 80-2 32 30 33 informieren. Diese Hotline wurde speziell bei der Notrufzentrale eingerichtet.

Ausgabe 1 / 2000