Leben nach der inneren Uhr
Leben ist Rhythmus - der Biorhythmus
Biologische Rhythmen bestimmen unser Leben - der Grundrhythmus unterliegt dem Tag- und Nachtwechsel und dem von Licht und Dunkel. So hat sich unsere innere Uhr auf einen etwa 24-Stunden Rhythmus eingestellt. Die Mondphasen bestimmen den fruchtbaren Zyklus der Frau. Der Rhythmus im Blut wird vom Herzschlag bestimmt, der Körper von der Jahresuhr, sie richtet sich nach dem Stand der Sonne. Sehr deutlich beobachten wir den Jahresrhythmus in der Natur, an Tieren und Pflanzen, an Ebbe und Flut und an den Mondphasen.
Die innere Uhr
Wer hat unsere Bio-Uhr aufgezogen? Wie tickt sie? Das sind die Grundfragen der Chronobiologie. Viele Menschen kennen ihre innere Uhr und wissen, wann sie am leistungsfähigsten sind: ob Morgenmuffel oder Frühaufsteher, Lerche oder Eule. Häufig erlaubt uns die Lebensführung nicht, unseren Biorhythmus zu berücksichtigen. Mit einer Tasse Kaffee versuchen wir Leistungstiefs zu überwinden, nach dem Mittagessen kämpfen wir gegen die Müdigkeit an und gönnen uns meist nicht das ersehnte kurze Nickerchen.

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Die Nacht zum Tage machen heißt, gegen die innere Uhr und nicht mit ihr im Einklang zu leben.

Nachtarbeit ist gesundheitsschädlich
Die biologische Uhr wird besonders bei der Nachtarbeit ignoriert. Viele Untersuchungen zeigen, dass dadurch Herzerkrankungen, Magengeschwüre und Schlafstörungen ausgelöst werden. Zwischen drei und vier Uhr morgens sind Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit am geringsten. Das Risiko für Verletzungen und Unfälle steigt. Beispiele dafür sind Tschernobyl, Three Mile Island oder Schiffshavarien wie der Untergang der Titanic.
Fahrplan des Organismus
Die Steuerung der inneren Uhr für die Funktionsabläufe in unserem Körper sitzt in einer kaum kirschkerngroßen Zellansammlung im Gehirn, im Hypothalamus. Diese Steuerung steht mit den Augen in Verbindung. Licht, so haben Forscher herausgefunden, spielt eine wesentliche Rolle für die innere Uhr. Die Info „hell“ oder „dunkel“ landet nicht nur im Sehzentrum, sondern beeinflusst auch die Zirbeldrüse. Sie produziert das Hormon „Melatonin“, das wir brauchen, um schlafen zu können. Wird es dunkel, steigt der Ausstoß an Melatonin, meldet der Sehnerv ausreichend Licht, wird die Produktion gestoppt.
Erkenntnisse der Chronobiologie werden immer noch zu wenig umgesetzt und therapeutisch genutzt. Dass einzelne Medikamente zu bestimmten Tageszeiten nachweislich besser wirken als zu anderen, ist bekannt. Ab 15 Uhr ist das Schmerzempfinden weniger stark ausgeprägt als vormittags; zu dieser Zeit wirkt folglich die Betäubungsspritze beim Zahnarzt viel länger.

Chronobiologie
Wissenschaftszweig
der Biologie, der sich
mit den zeitlichen
Gesetzmäßigkeiten
im Ablauf von
Lebensprozessen
beschäftigt.

Im Einklang mit dem Biorhythmus
Wer im Einklang mit seinem biologischen Rhythmus leben will, muss lernen, auf seine innere Uhr zu achten. Die geistige Leistungsfähigkeit ist vormittags gegen 11 Uhr am größten. Erledigen Sie die schwierigsten Aufgaben des Tages während Ihres Konzentrationshochs.
Gegen 13 Uhr geht’s bergab mit der Leistungsfähigkeit. Der Tagestiefpunkt ist gegen 14 Uhr erreicht, ein kurzer (!) Mittagsschlaf ist jetzt sinnvoll und besonders erholsam. In den USA verordnen Chefs ihren Angestellten ein Nickerchen, weil Erfahrungen zeigen, dass die Menschen danach wieder motivierter und leistungsfähiger sind. Ab
15 Uhr stellt sich ein zweites Leistungshoch ein, das Langzeitgedächtnis funktioniert jetzt besonders gut und die manuelle Geschicklichkeit erreicht ihren Höhepunkt. Um 16 Uhr wirken Impfungen am besten, ab 17 Uhr ist der Körper für Anstrengungen gerüstet und zeigt sich sportlich fit.
Hormone steuern unseren Rhythmus
Galanin, das gegen Abend vermehrt ausgeschüttet wird, verführt zum Essen fettreicher Speisen – ein Erbe unserer Steinzeitvorfahren, die sich vorbeugend Fettreserven für Notzeiten anlegten. Abends stellt sich bei den meisten Menschen der Körper auf Ruhe und Erholung ein und zeigt sich besonders empfänglich für Sinnesreize, für Duft, Klang, Wohlgeschmack und Zärtlichkeit. Der Stoffwechsel schaltet auf Sparflamme, einzelne Organe laufen jetzt jedoch auf Hochtouren. Die Haut, unser größtes Organ, ist zwischen 22 und 1Uhr am aktivsten, deshalb wirkt Hautpflege vor dem Zu Bett Gehen am intensivsten. Heilungsprozesse verlaufen jetzt positiver - Kinder wachsen nur im Schlaf. Stoffwechselreste werden ausgeschieden, abgetötete Keime weggeräumt, damit der Körper für den neuen Tag, wenn es wieder hell wird, perfekt gerüstet ist.


Ausgabe 1 / 2001