
| Ein Anruf von Eckhard, von dem wir lange nichts mehr gehört hatten: “Habt ihr zwei nicht Lust, wieder mal einen Törn zu machen?
Von Neapel aus in Richtung Süden, und dabei ein wenig die Küste, vor allem aber die Inseln abklappern?” Lange her, dass wir Segeln waren, und so sagten wir zu. |
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| Leinen los! | |
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An einem Sonntagmorgen ging’s los: Motor an, Leinen los (achtern – das ist hinten), vorn die Mooring gelöst. Nach Verlassen des Hafens das Großsegel hochziehen: dazu schießt man in den Wind, um das Segel ohne großen Widerstand ausrollen zu können… An diesem Morgen kam der Wind genau richtig, sodass wir mit angenehmen vier Windstärken Kurs auf Ischia nehmen konnten. Es ist einfach ein wunderbarer Moment auf einem Segelschiff, wenn der “Eumel” (der Motor) abgestellt wird und nur noch das Rauschen des Schiffes im Wasser zu hören ist. Man spürt die Kraft des Windes in den Segeln, die das Schiff vorwärts zieht. Und genauso erhebend ist das Gefühl, wenn man nach einem Segeltag und den Aufregungen des Anlegemanövers endlich festgemacht hat. Martina serviert “Anlegehäppchen”, dazu ein kühles Bier oder ein Tässchen Wein – und der Segler ist glücklich. Überhaupt Martina. Wie jeder von uns übernahm auch sie eine eindeutige Rolle an Bord: “Leute, ihr segelt, ich übernehm‘ die Bordkasse und koche.” Am einfachsten ist es, wenn zu Beginn der Reise jeder Teilnehmer einen festgesetzten Betrag in die Bordkasse einzahlt; daraus werden die Einkäufe, die Hafengebühren, Trinkgelder, Diesel und auch die Restaurantbesuche beglichen. |
| Kurs auf Ischia, Erlebnis Stromboli | |
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Ischia war etwas ernüchternd, da die Insel vor allem wegen ihrer heilsamen Thermalquellen touristisch voll erschlossen ist. Aber sie zeigte sich im Sonnenschein bei angenehmen 25 Grad. Von hier aus starteten wir mittags zu einer Nachtfahrt. Wir hatten ausgerechnet, dass es
18 Stunden dauern würde bis zur Insel Stromboli und dem Vulkan, der Feuer und Lava spuckt. Dieses Naturschauspiel wollten wir im Morgengrauen erleben. Der Wind schlief auf dieser Fahrt komplett ein, das Meer war spiegelglatt; im Westen ein wunderbarer Sonnenuntergang, und im Osten zog der Vollmond herauf. Nachtfahrt heißt, dass sich zwei Crew-Mitglieder alle zwei Stunden bei der Wache ablösen. Aber so eine Nacht ist ohnehin viel zu schade um zu schlafen: Gegen Mitternacht umspielten Delphine den Bug unserer Yacht. Und gegen fünf Uhr morgens sahen wir ein kleines, rotes Feuer. Beim Näherkommen tauchte der Stromboli riesig-schwarz im Morgengrauen aus dem Meer auf. Ein grandioses Schauspiel! |
| Die Costa Amalfitana und Capri – zwei Seiten einer goldenen Medaille |
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An der steilen und zerklüfteten Küste von Amalfi kleben Städtchen wie Nester auf Hügeln und in Tälern. Für uns bedeutete das: Häfen, deren Einfahrten man mit der Lupe suchen muss, aber auch unzählige Buchten zum Baden. An Abwechslung für alle Sinne fehlt‘s hier nicht. Die Städte sind überreich an Kulturschätzen, die Menschen freundlich und locker. Je mehr man aber in Gegenden kommt, deren Namen nach “dolce vita” klingen (wie Amalfi oder Capri), desto mehr begegnet man auch den Auswüchsen des Tourismus – wie beispielsweise doppelt so hohen Liegegebühren in den Häfen und Menschenmassen aus aller Herren Länder. |
| Immer wieder Überraschungen: die andere Art zu tanken |
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| In Maratea, einem wild romantischen Städtchen auf dem Festland, fanden wir einen gut ausgebauten, sehr sicheren Hafen vor, in dem es allerdings keine Duschen, keine Tankstelle oder sonstige Versorgungseinrichtungen gibt. Doch
das Hafenpersonal war äußerst hilfsbereit: Man besorgte uns mit einem dreirädrigen Minilaster, dem überall in Italien bekannten „Ape”, 100 Liter Diesel in Fässern. Dann musste nur noch von unserem Schlauch ein Stück abgeschnitten und der Diesel kurz angesaugt werden – und schon lief der Kraftstoff in den Tank. Beim Auffüllen des Wassertanks war das Verfahren dasselbe; das Wasser kam aus einem Tank an der Pier. Was konnte man da noch sagen? Wir waren einfach „platt”. |
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| Die soziale Komponente | |
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Leben auf dem engen Raum einer Yacht bedeutet auch, sich aufeinander einzustellen. Tagelang sitzt man zusammen und hat Gelegenheit, über fröhliche wie ernste Dinge zu sprechen. Schnell sind die Eigenheiten der Crew-Mitglieder erkannt, und es heißt, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Trotzdem ergeben sich ab und an auch Konflikte – selbst unter „alten“ Ehepaaren. Dann ist es gut, dass man an Land getrennte Wege gehen und durchschnaufen kann. Danach muss man sich wieder vertragen und aufeinander einstellen. Denn schließlich wollen alle die kostbare Zeit genießen. Eine gute Schule für den Alltag ... |
| Segeln lernen, auch wenn man älter ist? | |
| Keine Frage, das ist möglich! Die beste Entscheidungshilfe, ob diese Sportart Ihnen zusagt, heißt einfach: Ausprobieren! Im Prinzip ist die Aufgabe mit dem Absolvieren eines Führerscheins für das Auto zu vergleichen. Den Einstieg findet man im Verein oder in einer Segelschule. Dort erfahren Sie alles, was man wissen muss, um ein Segelboot in Theorie und Praxis zu beherrschen. Die Sicherheit ist gewährleistet, und in einer Gruppe lernt man mit viel mehr Spaß und Austauschmöglichkeiten. Der materielle Aufwand ist gering, denn die gesamte Ausrüstung wird in der Regel gestellt. So fallen erst einmal nur die Kursgebühren an. Allerdings sind die Preise für die Ausbildung sehr unterschiedlich und am besten bei der Segelschule in der Nähe zu erfragen. |
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Extra-Tipp: Fragen Sie nach kostenlosen „Schnupperkursen”! |
| Segelschulen bieten auch im Winter Theoriekurse an. Wenn es wärmer wird, kann man dann die Praxis absolvieren und mit einem Segelgrundschein für Binnengewässer abschließen. Aufbauend auf diese Grundlizenz können oder müssen dann noch einige weitere Scheine folgen – z. B. wenn Sie vorhaben, eigenständig in Küstengewässern oder auf offener See zu segeln. | |
| Die unkomplizierte Alternative für Einsteiger | |
| Für alle, die in den Genuss eines Segeltörns kommen möchten, ohne dafür erst die notwendigen Scheine und Kurse zu absolvieren, gibt es eine wunderbare Möglichkeit: In nahezu allen Clubs an der Adria und am Mittelmeer können Yachten gechartert werden – wobei in diesem Fall ein ausgebildeter „Skipper” als Kapitän und Leiter des Törns mit an Bord sein und mit “gebucht” werden muss (sofern Sie nicht jemanden kennen, der für diese Aufgabe die notwendigen Voraussetzungen und Erfahrungen mitbringt). Mit dem Skipper können und sollten Sie im Vorfeld Reiseroute und andere Wünsche zur Gestaltung des Törns absprechen. Unterwegs gilt aber die Prämisse, dass der Skipper „Chef” der Crew ist – insbesondere, was das Segeln selbst betrifft –, da er letztlich auch für den Erfolg und den sicheren Verlauf der Reise zu See verantwortlich ist. | |
| Gesundheitliche Voraussetzungen | |
| Aus sportärztlicher Sicht werden keine besonderen Anforderungen an die Gesundheit und körperliche Fitness gestellt. Rückfragen beim Arzt sind allerdings empfohlen für Bluthochdruck- und Epilepsie-Patienten sowie für Personen mit geschädigter Wirbelsäule oder starker Beeinträchtigung des Hör- und Sehvermögens. Ein Problem kann allerdings die Anfälligkeit für Seekrankheit darstellen, vor allem natürlich bei Segeltörns auf dem Meer. Hier gibt es zwar einige Möglichkeiten Abhilfe zu schaffen – z. B. die neuartigen Akupressur-Handgelenksbändchen oder auch Tabletten gegen Seekrankeit –, trotzdem gelingt es manchen Menschen nicht, dieses mulmige, Übelkeit hervorrufende Gefühl im Magen zu überwinden. In diesem Fall ist Segeln vielleicht nicht die geeignete Sport- und Freizeitbeschäftigung für Sie, aber auch hier gilt die Devise: Probieren Sie es einfach aus! |
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| Kontaktadressen: Der Deutsche Hochseesportverband (DHH) mit Sitz in Hamburg ist mit über 16 000 Mitgliedern der größte Segelausbildungsverband in Deutschland. In ein-oder zweiwöchigen Kursen werden auch Anfänger mit der Theorie und Praxis des Segelns vertraut gemacht. Besonders attraktiv sind Angebote für Ausbildungs- und Segeltörns in dänischen Gewässern, im Mittelmeer oder in der Karibik. DHH-Geschäftsstelle, Rothenbaumchaussee 58, 20148 Hamburg, Tel.:040/44114250, Fax: 040/444534, im Internet unter www.dhh.de Der Deutsche Segler Verband (DSV) mit Sitz in Hamburg umfasst rund 300 Segelclubs. Viele dieser Clubs bieten Segelausbildungen an. Wer eine gewerbliche Segelschule vorzieht, kann beim DSV eine Liste der Segelschulen erhalten, die nach entsprechender Qualitätskontrolle das Prädikat „DSV-anerkannt” tragen. DSV Geschäftsstelle, Gründgensstr. 18, 22309 Hamburg, Tel.: 040/6320090, Fax: 040/ 63200928; im Internet unter www.dsv.org zu finden. |
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| Extra-Tipp: | |
| Im Shop des DSV-Verlages
www.dsv-verlag.com können versandkostenfrei Bücher zu den Themen Ausbildung, Dokumentationen, Gewässerkarten etc. bestellt werden. |