Schöne Lippen

...will man küssen

Im Gegensatz zu den meisten anderen Hautpartien sind unsere Lippen ganz besonders empfindlich. Sie besitzen nur eine sehr dünne, wenig schützende Haut ohne Pigmentschutz. Speichel- und Talgdrüsen zum Nachfetten und geschmeidig Halten der Lippenhaut fehlen. Kein Wunder also, dass die Gefahr der Austrocknung groß ist. Verstärkt wird dieses Risiko durch verschiedene Medikamente und durch Lippenstifte mit hohem Puderanteil. Manche Menschen neigen – oft unbewusst – außerdem dazu, ihre trockenen Lippen immer wieder mit der Zunge zu befeuchten. Auch das ist aber kein “Rezept” gegen Austrocknung, denn der Speichel verdunstet und entzieht der Haut zusätzlich Feuchtigkeit...



Oft helfen auch die ganz einfachen Mittel aus der Natur: Sahne, Kakaobutter oder Honig zur Regeneration der zarten Lippenhaut. Zur Pflege gleichfalls empfehlenswert sind Avocado-, Weizenkeim- und Jojoba-Öl.

Wie pflegt man die Lippen richtig?
Bei vielen Menschen genügt das Einfetten mit Vaseline. Außerdem gibt es im Handel eine Vielzahl von speziellen Lippenpflegestiften und -cremes, die vor Rissen und vor dem Austrocknen bewahren. Lippenpflegecremes, die mit dem Finger aufgetragen werden, können über die Kosmetikerin oder im Drogerie-Fachhandel bezogen werden. Diese Produkte enthalten meist entzündungshemmende und beruhigende Wirkstoffe, wie z. B. D-Panthenol oder Allantoin. Im Sommer und im Urlaub sollte man ausschließlich Pflegeprodukte mit zusätzlichem Sonnenschutz verwenden (Lichtschutzfaktor 10 bis 20). Doch Vorsicht: Hier gibt es große Qualitätsunterschiede!!
30 Lippenpflegestifte im “ÖkoTest”
Auf der Grundlage einer detaillierten Untersuchung erhielten 19 von 30 handelsüblichen Produkten das Prädikat “empfehlenswert” (Ratgeber Kosmetik und Mode 1/2000). Ökotest rät von Lippenpflegestiften ab, die auf der Basis von Paraffinen hergestellt werden. Dazu Kosmetik-Experte Dr. Dieter Wundram: “Für die Schleimhäute sind derartige Stoffe immer Fremdkörper, die irritieren und deshalb nicht auf die Lippen gehören.” Auch aus anderen Gründen seien Paraffine bedenklich. Im Tierversuch zeigte sich, dass diese sich im Körper anreichern, vor allem in Leber, Niere und Lymphknoten. Bei einigen bestehe zudem der Verdacht, dass sie Leberschäden und Entzündungen verursachen.
Lippenpflegestifte aus rein natürlichen Rohstoffen bieten z. B. die Firmen Weleda und Dr. Hauschka Kosmetik an. Diese Produkte sind in Apotheken, Naturkosmetik- und Naturkost-Fachgeschäften sowie in Reformhäusern erhältlich.
Von der Pflege zur attraktiven Farbwirkung



Lipsticks mit Glanzeffekt in sanften Pastell-und Erdfarben unterstreichen die natürliche Ausstrahlung des Gesichtes.

Nur wenn Lippen optimal gepflegt sind, lassen sie sich auch effektvoll in Szene setzen. Für diesen Zweck sind unterschiedlichste Produkte auf dem Markt:

Longlasting-Stifte sind ideal für Frauen, die wenig Zeit zum Nachschminken haben. Sie halten besonders lange und hinterlassen keine Spuren auf Glas- und Tassenrändern.

Cremestifte bringen nicht nur Farbe ins Spiel, sondern enthalten auch pflegende Wirkstoffe und Öle.

Mattstifte wirken sehr intensiv in der Farbe, sind aber nur für Frauen geeignet, die nicht zu spröden Lippen neigen.

Transparent- oder Glanzstifte lassen die Lippen voller wirken und können auch über einen normalen Lippenstift aufgetragen werden.

Konturenstifte dienen dazu, die Lippenform zu betonen oder zu korrigieren. Außerdem verhindern sie ein Auslaufen der Lippenstiftfarbe.

Lipgloss eignet sich vor allem zur Komplettierung des Natur-Looks oder zur dezenten Betonung der Lippen beim Sport.

Alles in einem – nämlich Anti-Aging-Wirkstoffe, Pflege und Farbe – das gibt es inzwischen auch. Die neueste Lippenstift-Generation von NIVEA ist z. B. mit hauteigenem CoEnzym Q10, das die Zellerneuerung anregt, mit Vitamin E, UV-Schutz, Jojoba-Öl und Macadamia- Öl angereichert. So werden feine Linien und Fältchen reduziert und die empfindliche Lippenhaut ist außerdem vor lichtbedingter Hautalterung geschützt.
Wie findet man die passende Farbe?
Grundsätzlich gilt: Farben immer im Tageslicht und auf dem Handrücken testen! Keine zu starken Kontraste zu Teint- und Haarfarbe wählen. Das wirkt sonst hart und verfremdet. Helle, glänzende Töne lassen die Lippen voller und weicher erscheinen; durch dunkle, matte Farben wirken sie schmaler und kleiner.
Permanent-Make-up für die Lippen – eine gute Dauerlösung?
Permanent- bzw. dauerhaftes Make-up ist die kleine Schwester der Tätowierung: im Idealfall nicht so auffällig und auch nicht für die Ewigkeit gedacht. Im Durchschnitt liegt die Wirkungsdauer bei drei bis fünf Jahren, da die Farben nicht ganz so tief wie bei einer Tätowierung in die Haut eingebracht werden. Und doch ist es nur kaum ein Millimeter, der das Permanent-Make-up von der Tätowierung trennt. Für die Durchführung sind also Geschick, Ausbildung und Erfahrung unbedingte Voraussetzungen.
Bei den Lippen werden überwiegend die Konturen korrigiert, was aber nicht heißt, dass man künftig keinen Lippenstift mehr braucht. Denn bei einer gelungenen Korrektur hat die gesetzte Kontur genau die Farbe der natürlichen Lippen. Auf eine modische, dunklere Umrandung sollte man eher verzichten, denn die Mode ändert sich schnell und so stellt sich unter Umständen leicht Unzufriedenheit ein.
Für diesen kosmetischen Schritt sollte man sich also nur einem Studio anvertrauen, von dem man zufriedene Kunden kennt und das sämtliche Hygienevorschriften ganz genau einhält. Denn bei mangelnder Hygiene kann es zur Übertragung von Krankheitserregern kommen.
Da die Stiche, mit denen die Farben in die Haut eingebracht werden, schmerzhaft sind, wird lokal betäubt. Mit einer Sitzung ist es meist nicht getan. Empfohlen werden drei Sitzungen zu jeweils ca. 1 Stunde, im Abstand von 2 bis 4 Wochen. Dadurch können z. B. Farbnuancen exakt abgestimmt werden. Die Kosten für Lippenkonturen betragen mindestens 600,-€.
Volle Lippen durch Aufpolsterung



Die Methoden zur Aufpolsterung dünner Lippen und zur Betonung des so genannten “Kupid-bogens” sind im Grunde dieselben, mit denen Mimikfalten ausgeglichen werden.

Schon immer gelten volle Lippen als Symbol für Weiblichkeit, Attraktivität und Erotik. So ist es nicht verwunderlich, dass im Laufe der Zeit immer neue Methoden entwickelt wurden, um Frauen zu einem sinnlichen Schmollmund zu verhelfen.
Die Methoden und Materialien zur Aufpolsterung dünner Lippen und zur Betonung des so genannten “Kupidbogens” – der kleinen Einbuchtung in der Mitte der Oberlippe, die mit den Jahren immer flacher wird – sind im Grunde dieselben wie jene, mit denen auch Mimikfalten ausgeglichen werden: Unterspritzung mit Hyaluronsäure, Kollagen und Kollagenmischsubstanzen, Unterfüttern mit Eigenfett und Unterlegung mit Kunststofffäden. Aufwand und Komplikationsrisiko dieser Eingriffe sind relativ gering, die Haltbarkeit liegt bei einem halben bis einem Jahr. Lediglich die Unterlegung mit Kunststofffäden besitzt größere Wirkungsdauer. Diesem Vorteil stehen allerdings die erheblich höheren Kosten entgegen. Während für das Unterspitzen etwa 350,- € und mehr ausgegeben werden müssen, liegen die Kosten für die beiden anderen Varianten – Unterfüttern und Unterlegen – bei mindestens 1000,- €. Bleibt die Frage, welches Material zur Aufpolsterung individuell in Frage kommt: Wer vorsichtig an die Sache herangehen möchte, sollte sich für eine Substanz entscheiden, die vom Körper resorbiert wird (Hyaluronsäure oder Eigenfett), denn hierbei sind eventuelle unerwünschte Nebeneffekte wie auch das Resultat nicht dauerhaft und damit korrigierbar. In jedem Fall ist ein ausführliches Gespräch mit einem Experten, der viel Erfahrung mitbringt, ratsam.
Buchtipp:
Die detaillierte Beschreibung einer Vielzahl kosmetischer Methoden, dazu wertvolle Tipps und Adressen, die weiterhelfen, finden Sie in dem Buch Wa(h)re Schönheit von Kurt Langbein, Christian Skalnik und Elisabeth Tschachler, erschienen im Mosaik Verlag München, € 19,90.
Herpes labialis – die “Lippenbläschen” und ihre Ursachen
Unangenehmes Kribbeln und Jucken auf den Lippen sind die ersten Anzeichen für die Bildung von Herpesbläschen. Mehr als 13 Millionen Deutsche werden regelmäßig von dieser “Volkskrankheit” geplagt – meist dann, wenn große Ereignisse ins Haus stehen und man oder frau besonders gut aussehen möchte.
Auslöser für Herpes sind
Sonneneinstrahlung – insbesondere, wenn diese z. B. beim Ski fahren durch Schneereflexion verstärkt wird (“Gletscherbrand”) sowie

ein geschwächtes Immunsystem.
Was tun gegen Herpes?
Zur Prophylaxe empfehlen sich aus genannten Gründen

eine gesunde Lebensweise mit vitaminreicher Ernährung und viel Bewegung an frischer Luft. Auch Schlafentzug und Stress schwächen das Immunsystem und sollten deshalb vermieden werden.

Tägliche Lippenpflege, vor allem bei intensiver UV-Strahlung, ist zur Vorbeugung unerlässlich. Verwenden Sie einen Lippenpflegestift mit hohem Lichtschutzfaktor, eventuell mit Pigmentanteilen. Denn auch Pigmente bilden einen “Blocker” gegen das Licht.

Ist die Infektion bereits ausgebrochen, helfen

spezielle Gele oder Salben, die die Vermehrung der Herpesviren hemmen und deshalb so früh wie möglich aufgetragen werden sollten. Präparate, die Zinksulfat oder Melissenextrakt enthalten, erfüllen diese Anforderungen. Eine ganze Reihe von Produkten ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Die Behandlung mit Aciclovir-Tabletten bedarf allerdings der Anordnung eines Arztes.

Petra Ulrich-Frosch

Extra-Tipps
Spezielle Lippencremes und –gele zur Behandlung des Herpes nicht mit den Fingern, sondern mit Wattestäbchen auftragen.

Herpes-Patienten sollten keine Lippenpflegestifte verwenden, um die Viren nicht noch weiter zu verteilen.

Solange Bläschen zu sehen sind, bleibt zum Schutz des Partners keine andere Wahl als der vorübergehende Verzicht auf Küsse. Insbesondere muss der Körperkontakt mit Säuglingen vermieden werden, da Herpesinfekte für Babys sehr gefährlich sein können.
Unter den Hausmitteln haben sich

Zahnpasta (wirkt austrocknend) und das Betupfen mit Salbei- oder Melissentee bewährt.

Auch Rosenblütensaft oder naturreines Rosenöl kühlen und unterstützen die Heilung. Mehrmals am Tag einreiben.

Zitronensaft, den Sie im Verhältnis 1:1 mit Glycerin mischen und mehrmals täglich auf die Lippen auftragen, ist eine weitere Behandlungsmöglichkeit.

Desinfizierend und heilend wirkt auch Aloe-vera-Gel. Vermischen Sie dieses mit etwas Gelbwurzelpulver (Kukurma). Anwendung mehrmals täglich.
Herpesprophylaxe aus der Handtasche:

Der farblose und unparfümierte “ultralip 15” beugt durch seine Pflegefunktion einer Austrocknung der Lippen vor. Entzündungshemmende Substanzen, hoher Lichtschutzfaktor, Schutz vor freien Radikalen und zusätzliche Eigenschaften wie Langzeithaftung und Temperaturstabilität machen den Stift zum Allround-Produkt. Erhältlich in Apotheken.

Ausgabe 4 / 2001