Rätselhaftes Rheuma?

Aktueller Forschungsstand und Therapiemöglichkeiten

Der weit gefasste Begriff “Rheumatismus” ließ in der Vergangenheit in der Regel an eine eigenständige Krankheit denken, die vor allem ältere Menschen betrifft und mit großen Schmerzen am Bewegungsapparat oder an den Weichteilen verbunden ist. Unterschieden wurden meist nur die akut entzündlichen Prozesse – das so genannte “echte” Rheuma und die Gicht, für deren Ursache eine Stoffwechselstörung verantwortlich gemacht wurde.
Wie wird “Rheuma” heute definiert?
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden gerne alle Gelenkerkrankungen in einen rheumatischen Formenkreis zusammengefasst. Medizinisch gesehen steht die Krankheitsbezeichnung “Rheuma” ausschließlich für eine Autoimmunerkrankung. Diesem echten Rheuma – der Polyarthritis – und anderen Gelenkerkrankungen liegt meist nur eine ähnliche Symptomatik zugrunde, nämlich Gelenkschmerzen durch Entzündungen. Diese entstehen entweder durch Verschleiß und Abnutzung oder eben durch die rätselhafte, entzündliche Zerstörung des körpereigenen Gewebes bei der Autoimmunerkrankung. Autoimmunerkrankung und Arthritis gehen meist Hand in Hand. Von den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises – dem so genannten “Rheuma” – sind im Laufe ihres Lebens etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung und Menschen jeder Altersgruppe betroffen. Trotz wissenschaftlicher und medizinischer Forschung liegen die Ursachen dieser Erkrankungen oft immer noch im Dunkeln. Sie können unterschiedlichster Art sein und in gleichem Maß unterschiedlichste Auswirkungen bei den Betroffenen zeigen. Die damit einhergehenden Schmerzen haben oft große Auswirkungen auf das tägliche Leben. Trotz alarmierender Zunahme von Rheuma- Erkrankungen werden Betroffene von Nichtbetroffenen oft nicht ernst genommen.
Gicht & Co.
Neben der Polyarthritis gibt es eine Reihe anderer Gelenkerkrankungen (siehe Glossar), wie der systemische Lupus erythematodes – eine Autoimmunerkrankung –, der chronisch entzündliche Morbus Bechterew, die Arthritis psoriatica, die häufig mit Schuppenflechte einhergeht, die infektiöse Arthritis als Folge einer Infektion, die septische Arthritis, die durch Entzündungen oder Geschwüre ausgelöst wird, den Weichteilrheumatismus, das Sjögren-Syndrom und viele weitere Arten wie auch die Gicht. Dieser liegt häufig eine Veranlagung zugrunde; Gichtauslöser können üppiges Essen, Genussgifte oder auch Medikamente sein.
Risikofaktoren



Bei schweren Erkrankungen und akuten Schüben ist es notwendig, konventionelle Therapien einzusetzen. Da rheumatische Erkrankungen aber meist chronisch werden, hat sich die Suche nach alternativen Heilmethoden zu einem wichtigen Aspekt entwickelt.

Vergleiche zu ziehen zwischen dem 90-jährigen Großvater, der sein Leben lang schwer gearbeitet hat und sich trotzdem noch bücken kann wie ein Jüngling, und dem 18-jährigen Banklehrling, der schwere Medikamente benötigt, um schmerzfrei leben zu können, ist müßig. Denn auch die Arbeits- oder Lebensumstände alleine geben keine Antwort darauf, warum ein Mensch erkrankt und der andere nicht. Jedoch gibt es Risikofaktoren, die rheumatische Erkrankungen wesentlich begünstigen können. Dazu zählen:

  Immunschwäche

  Übergewicht

  mechanische Überbelastung

  Bewegungsmangel

  Erbfaktoren

  Medikamente

  Allergien

  Traumen

  Herde, z. B. kranke Zähne

  verschleppte Infektionen

  Genussgifte

  Stress

  Alter
Folgende Anzeichen können auf Rheuma hindeuten:

  Die Wirbelsäule ist unkorrekt geschwungen.

  Schultern und Becken stehen schief.

  Es treten Muskelverhärtungen auf, Hautveränderungen, Schwellungen an Zehen oder Fingern, schmerzhafte Sehnenansätze, Reibe- und Knirschgeräusche in den Gelenken.

  Instinktiv werden bestimmte Gelenke geschont.



Veerbte Verhaltens- muster spielen bei den sogenannten Zivilisationskrankheiten eine große Rolle. Wer von seinen Eltern Freude an Bewegung „vererbt“ bekam, hat bereits einen Risikofaktor ausgeschlossen.

Welche Rolle spielt die Vererbung?
“Die Väter aßen Heringe, und den Kindern wurden die Zähne stumpf.” Der Bibelspruch besagt, dass Krankheiten durch die Vorfahren angelegt und vererbt sein können. Dies bedeutet nicht nur, dass die Anlage zur Erkrankung auf die Nachkommen übergeht, sondern dass auch überlieferte Lebensgewohnheiten in der nächsten Generation fortgeführt werden. So verhält es sich auch nicht selten mit Rheuma- Erkrankungen. Es gibt Ärzte, die z.B. der Ernährung größte Bedeutung bei der Entstehung rheumatischer Erkrankungen zumessen. Sie ordnen die Erkrankungen der Bewegungsorgane in die Gruppe der ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten ein.
Gesunde Kost und Bewegung



Indischer Weihrauch enthält entzündungs- hemmende Substanzen und kann in der Rheumatherapie mit gutem Erfolg eingesetzt werden.

Für einen funktionierenden Stoffwechsel und einen gesunden Bewegungsapparat ist der Körper auf eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung angewiesen. Bei Mangel an diesen Vitalstoffen greift der Organismus zur Erhaltung des Stoffwechsels auf Skelett und Zähne zurück. Einer vitalen Ernährung zur Anlage von Vitalstoff-“ Depots” kommt daher entscheidende Bedeutung zu. Eine Schlüsselrolle übernimmt bei der Entstehung von entzündlichen Prozessen, neueren Studien zufolge, die Arachidonsäure. Arachidonsäure ist nur in tierischen Fetten enthalten.
Entzündungshemmend dagegen wirkt eine Gruppe hoch ungesättigter Fettsäuren, die Omega-3-Fettsäuren. Diese sind in pflanzlichen Ölen, vor allem Leinöl, enthalten. Auch Fisch liefert relativ viel Arachidonsäure, ist aber auch reich an Omega-3-Fettsäuren. Der zweite wichtige Faktor neben einer ausgewogenen, gesunden Ernährung mit Zufuhr von Mineralien, Vitaminen und Enzymen ist ausreichende Bewegung, die der Körper benötigt, um den Stoffwechsel in Gang zu halten.
Konventionelle oder alternative Heilbehandlung?



Asiatische „Schätze“ wie Akupunktur und Yoga bringen neben vielen weiteren Therapiemöglichkeiten gute Erfolge.

Bei schweren Erkrankungen und akuten Schüben ist es notwendig, konventionelle Therapien, wie Cortisonbehandlung und Elektro- oder Ergotherapie, einzusetzen. Für manche Patienten kommt auch nur noch eine Operation oder Gelenkersatz in Frage. Da aber rheumatische Erkrankungen aufgrund der schlechten Therapierbarkeit meist in einen chronischen Krankheitsverlauf übergehen, die Behandlung nach schulmedizinischen Therapien jedoch fast immer nur Schmerzlinderung, aber keine Heilung bringt, hat sich bei Rheuma die Suche nach alternativen Methoden zu einem wichtigen Aspekt entwickelt. Oft haben Patienten auch Angst vor den Nebenwirkungen der Rheumamittel und suchen deshalb nach Ergänzung oder Ersatz in der Alternativmedizin. Aus dieser Situation heraus gewinnen ganzheitliche Therapien in der Rheumabehandlung immer mehr an Bedeutung. Auch möchten viele nicht nur passiv Therapie geschehen lassen, sondern aktiv an der Verbesserung ihrer Situation oder Heilung mitarbeiten.
Um Kontrolle über Körper, Geist und Seele zu erlangen und damit auch die Krankheit in den Griff zu bekommen, können folgende Therapiemöglichkeiten hilfreich sein:

  Eine Behandlung mit homöopathischen oder naturheilkundlichen Medikamenten, wie z. B. Weihrauch, ist aussichtsreich.

  Auch Moor-, Thermal-, Schwefel- oder Heublumenbäder, Überwärmungsbäder, Chiropraktik, Akupunktur, Visualisierung (Beeinflussung der Krankheit durch die Vorstellung, schmerzfrei und gesund zu sein), autogenes Training, Meditation, Yoga, Trennkost und nicht zuletzt Heilfasten unter Aufsicht des Arztes bringen oft gute bis beste Ergebnisse.
Positiv denken und lachen – eine Quelle der Kraft!
Jede Krankheit erfordert ein Umdenken, geistige Umstellung und oft einen Neuanfang. Bei Rheuma ist dies in ganz besonderem Maße notwendig. Die Lebensfreude zu bewahren – trotz quälender Schmerzen und körperlicher Einschränkungen – ist bestimmt nicht einfach. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass es auch eine körpereigene Medizin gibt, die es – wenn irgend möglich – zu mobilisieren gilt. Sie besteht in den so genannten Endorphinen (“Glückshormonen”), die durch Lachen und Freude im Körper ausgeschüttet werden. Sie lindern Schmerzen und beugen Krankheiten vor.
Vitamin E
Wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit von Vitamin E bei rheumatischen Erkrankungen. Es ist in der Lage, Gelenkflüssigkeit, Knorpel und Gelenke vor den Angriffen “Freier Radikaler”, die für die Zerstörung von Zellen und Gewebe verantwortlich sind, zu schützen und entzündungshemmend zu wirken.
Enthalten ist Vitamin E z. B. in kalt gepresstem Maisöl, in Nüssen, Avocados, Brombeeren, Eiern, allen Vollgetreiden, in Hülsenfrüchten und grünen Blattgemüsen.
Unterstützend bei Polyarthritis: die Gharshan-Massage



Regt den Stoffwechsel und den Kreislauf an und kann ohne großen Zeitaufwand in das morgendliche Pflegeprogramm eingebaut werden: die ayurvedische Garshan- Massage.

 Zur Anregung des Stoffwechsels und Kreislaufs wie zur Lockerung steifer Glieder bzw. Gelenke empfiehlt sich eine morgendliche Massage nach der Garshan-Methode, die Sie leicht selbst durchführen können. Sie benötigen dazu einen Handschuh aus Rohseide (Bourettseide), erhältlich in der Apotheke oder in medizinischen Fachgeschäften.
Nach dem Aufstehen wird 3 bis 4 Minuten lang der ganze Körper in sanften Bewegungen mit dem Handschuh massiert. Beginnen Sie mit kreisförmigen Bewegungen an der Stirn und den Schläfen. Dann kommen Nacken und Schulter an die Reihe.
Schulter-, Ellbogen-, Hand- und Fingergelenke massieren Sie in kreisenden Bewegungen; streichen Sie in regelmäßigen Zügen von den Schultern über die Arme zu den Fingerspitzen, – immer von oben nach unten in Richtung des Haarwuchses. Anschließend setzen Sie die Massage im oberen Brustbereich fort, wo Sie in langen horizontalen Bewegungen mehrmals vor und zurück streichen. Herz und Brust an sich bleiben ausgespart.
Es folgt die Behandlung des Bauches mit zwei horizontalen sowie zwei diagonalen Massagestrichen, anschließend den Hüftbereich mit kreisförmigen Bewegungen massieren. Zum Schluss werden Ober- und Unterschenkel wie auch die Füße mit langen Strichen – wieder nur in Haarwuchsrichtung – aktiviert, die Kniegelenke und Knöchel behandeln Sie mit kreisenden Massagebewegungen. Nach ca. zwei Wochen können Sie die Intensität der Massage steigern, indem Sie die Zahl der Striche von 10 bis 20 auf 30 bis 40 erhöhen.

Rosi Jarmer



Erscheinungsbild des sogenannten „Bambusstabes“ eine chronische Arthritis, die typischerweise in den Darmbeingelenken oder Becken beginnt und die Wirbelsäule heraufschreiten kann.

 Glossar 

  Arthrose
(griech.): deformierende, nicht entzündliche Gelenkerkrankung

  Autoimmunerkrankungen: Gruppe von Krankheiten (darunter auch “Rheuma”), bei denen sich Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen richten

  Ergotherapie: arbeitet mit Übungen– z.B. auch handwerklichen Tätigkeiten– die die Funktionsleistung des Bewegungssystems erhalten bzw. verbessern.

  Lupus erythematodes (griech. erythema-todes = Rötung): Autoantikörper gelangen mit dem Blut in alle Bereiche des Körpers und können in den Organen Entzündungen und Schäden verursachen.

  Morbus Bechterew: von dem russischen Nervenarzt Bechterew beschriebene chronisch entzündliche Erkrankung der kleinen Wirbelgelenke.

  Polyarthritis (griech.): poly = viele, arthros = Gelenk, itis = Entzündung

  Psoriasis-Arthritis: gemeinsam mit Gelenkerkrankungen auftretende Schuppenflechte

  Sjögren-Syndrom: Nach dem schwedischen Arzt Sjögren benannte entzündliche Erkrankung, speziell der Tränen-, Speichel-undSchleimhautdrüsen; eine Autoimmunerkrankung.

  Weichteilrheumatismus: Entzündliche und nicht entzündliche krankhafte Zustände in den Weichteilen der Bewegungsapparates, z.B. des Muskelgewebes, der Sehnen, der Nerven.
 Homöopathie 

Nach Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, wird mit Kleinstmengen derjenigen Substanzen, die in größeren Dosen die Krankheitssymptome auslösen können, “Gleiches mit Gleichem” behandelt, um die Abwehrmechanismen des Körpers zu stimulieren. Auskünfte hierzu erteilt:

Deutsche Gesellschaft für klassische Homöopathie
Edelweißstr. 11
81541 München

Tel. 089/62001305, Fax 089/6929762
 Chinesische Medizin 

Theorie und Praxis der chinesischen Medizin sind mehrere tausend Jahre alt und unterscheiden sich grundlegend von der Medizin des Westens: Der Arzt sucht nicht Ursachen und Symptome der einzelnen Krankheit, sondern – nach dem Ganzheitsprinzip – die Ursache der Krankheit in einem gestörten Ganzen (“Yin-Yang”).
Die Theorie der traditionellen chinesischen Medizin besagt, dass die Lebenskraft (“Qi-Energie”) entlang der Meridiane des Körpers fließt und mit Verfahren wie Akupunktur, Pflanzenheilkunde und Wärmebehandlung reguliert werden kann, wodurch bei einer Störung Yin und Yang wieder in Balance kommen.
Auskunft über chinesische Medizin gibt die

Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin
Franz-Joseph-Str. 38
80801 München

Tel. 089/335674
Faxabruf/Ärztelisten 089/337352
 Ayurveda 

“Das Wissen vom Leben” ist die Kunst, gesund zu leben und sanft zu heilen. Aus der Sicht dieser indischen Heilmethode entsteht Krankheit dort, wo das Gleichgewicht der Kräfte gestört ist: im weiten Feld zwischenmenschlicher Beziehungen oder in der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Grundlage zum Verständnis von Ayurveda ist die Lehre von den Elementen und den Bausteinen des Lebens: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Aus der ayurvedischen Heilkunde kommt auch der indische Weihrauch, der entzündungshemmende Substanzen enthält und erstaunliche Erfolge bei Rheuma bringen kann. Die Wirksamkeit konnte in neuesten wissenschaftlichen und klinischen Untersuchungen bestätigt werden. Der Weihrauch wird in Kapseln oder als Pulver eingenommen und ist rezeptpflichtig.
Auskünfte über Ayurveda:

Helga M. Schmidt
Ayurveda International & Seva Akademie
Tel.: 089/790468-0, Fax 089/790468-19

E-mail: info@ayurveda-seva.de
 Weitere Informationen 
zum Thema Rheuma erhalten Betroffene unter der Adresse:

Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
Maximilianstr. 14
53111 Bonn

Telefon: 0228/76606-0, Fax: 0228/76606-20
 Buchtipp: 
Dr. med. Ernst Schrott, Weihrauch, Hilfe bei Rheuma, chronischen Darmentzündungen und Hirntumoren

Ausgabe 6 / 2001