Heilende Berührungen

Shiatsu, Akupunkt-Massage (APM) und La-Stone-Therapie

Jeder von uns hat sie schon gespürt – die Kraft, die von einer Berührung ausgeht: Sei es als Kind, wenn uns die Mutter mit ihrer Hand tröstend übers Haar strich und dadurch unser Kummer schnell verflog – sei es als Erwachsener, wenn uns die liebevolle Umarmung eines Freundes in einer schwierigen Lage Mut und Zuversicht gab. Berührungen sind Teil der gemeinsamen Körpersprache, die wir benutzen können, um zu heilen oder zu trösten, Schmerz zu lindern oder Spannungen zu lösen und um mitzuteilen, wie wichtig uns der andere ist.
Seit vielen tausend Jahren heilt oder lindert man Krankheiten durch Massage oder Handauflegen. Schon im 5. Jahrhundert vor Christus schrieb Hippokrates, der „Vater der Medizin“: „Der Arzt muss in vielen Dingen erfahren sein, gewiss aber im Reiben ... Denn Reiben kann ein Gelenk festigen, das zu locker ist und ein Gelenk lockern, das zu steif ist.“ Gerade in unserer schnelllebigen Zeit voller Lärm, Hektik und Stress sind Entspannung und Wohlbefinden von Körper und Geist durch Berührung genauso wichtig wie die gezielte Massage zur Linderung einer bestimmten Krankheit. Die drei Berührungstherapien, die go longlife! Ihnen hier vorstellt, unterscheiden sich in ihrer Wirkung und Anwendung erheblich, doch haben sie eines gemeinsam: Sie beziehen die Regenerationsfähigkeit des Körpers in ihre Methode mit ein und fördern die Selbstheilungskräfte des Menschen.
Ein Blick in den Fernen Osten
Shiatsu und Akupunkt-Massage haben ihre Wurzeln – wie die Akupunktur – in der chinesischen Heilkunde. Gemäß diesem traditionellen Erfahrungswissen wird der Mensch von der Energie oder „Lebensenergie“ bestimmt, die in seinem Körper fließt. Ähnlich wie das Blut bewegt sie sich in festgelegten Bahnen, die auch als Meridiane bezeichnet werden. Kann diese Energie frei fließen, fühlt sich der Mensch wohl. Ist sie blockiert, fühlt er sich unwohl. In diesem Fall können sich verschiedene „Symptome“ dieses Unwohlseins am Körper zeigen und schließlich Krankheiten entstehen. Dieses Energiekreislaufsystem wurde von den alten Chinesen nie angezweifelt, obwohl sie es nie beweisen konnten. Erst die moderne Wissenschaft und ihre Messtechniken erlaubten im 20. Jahrhundert einen exakten Nachweis der Meridianverläufe.
Kreislaufsystem für die Lebensenergie: die Meridiane
Meridiane sind „Kanäle“, in denen die Lebensenergie durch den Körper fließt. Wir kennen zwölf Haupt- und fünf Nebenmeridiane. Jeder Meridian ist mit einem Organ oder einer Körperfunktion verbunden. Seine Wirkung geht jedoch weit darüber hinaus. Der Magenmeridian z. B. ist nicht nur für den Magen zuständig. Schulterverspannungen, schlechte Blutzirkulation in den Beinen oder Nervosität und Überaktivität können mit Störungen dieses Meridians zusammenhängen. Der Lebermeridian z.B. ist verbunden mit den Nägeln, den Muskeln und Sehnen, mit dem Fortpflanzungsapparat, den Augen und mit der Wut.
 Buchtipp

Ein umfangreiches Lehrbuch über die Akupunktur und die Meridiane im menschlichen Körper bietet der Springer-Verlag:
Akupunktur, Lehrbuch und Atlas, G.Stux/ N.Stiller/ B.Pomeranz
Grundlagen der Akupunkt-Massage
„Krankheit ist eine Energiefluss-Störung.“ Auf diesen einfachen Nenner brachte Willy Penzel, der Begründer der „Akupunkt-Massage nach Penzel“, alle Fehlsteuerungen im Körper: In einem gesunden Organismus zirkuliert die Energie gleichmäßig und harmonisch. Kommt es zu einer Störung, reagiert der Körper mit Schmerzen. Schmerzen sind immer als Alarmzeichen zu sehen, doch ist der Schmerzpunkt oft weit entfernt von der Krankheitsursache. So kann z. B. eine Fehlstellung des kleinen Zehs verantwortlich sein für Rückenprobleme oder Verdauungsstörungen. Was liegt näher, als diese Energiefluss-Störung zu beseitigen, um gesund zu werden und wieder ein harmonisches Fließen zu ermöglichen? Die Harmonisierung wird mit einfachsten Mitteln erreicht: Mit der Fingerbeere des Mittelfingers übt der Therapeut einen sanften Druck auf die Metallkugel am Ende eines Metallstäbchens aus, während er die Kugel an dem zu behandelnden Meridian entlangführt. Dabei entsteht auf der Haut als Reizantwort meist eine leichte Rötung, die einen Hinweis auf die erfolgreiche Stimulierung des Meridians gibt. Diese Behandlungsform ist sehr sanft und deshalb auch für Menschen geeignet, die Angst vor Akupunkturnadeln haben. Bezüglich des Alters gibt es keinerlei Einschränkungen.
Nicht der Akupunkturpunkt wird bei der APM behandelt, sondern die Energieleitbahnen des Körpers (Meridiane)
Sind die Meridiane stimuliert, zeigt sich meist eine leichte Rötung entlang der Bahnen.
Der Magenmeridian beginnt unter dem Auge und verläuft in einem U-förmigen Bogen bis zur Schläfe. Vom tiefsten Punkt des Bogens aus zieht er sich weiter bis zur 2. Zehe. Die Bahnen im Gesichtsbereich werden z.B. bei Augenerkrankungen, Kopfschmerzen, Trigeminusneuralgie, Sinusitis, Zahnschmerzen und Lähmungen des Facialnerves angesprochen.
Shiatsu – eine Berührungstherapie aus Japan
Obwohl „Shiatsu“ schlicht „Fingerdruck“ bedeutet, wird die Therapie auch mit anderen Teilen der Hände sowie mit Ellbogen und Knien ausgeführt. Shiatsu ist eine physikalische Therapie, die mit Druck auf die Akupunkturpunkte arbeitet, um dadurch die Energiezirkulation wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Therapeutin oder der Therapeut erspürt den Energiefluss des Patienten und regt ihn durch sanften Druck an. Das Ziel ist also das gleiche wie bei der Akupunkt-Massage -nämlich das ungehinderte Fließen der Energie.



Bei Shiatsu wirkt der Therapeut mit Fingerdruck, aber auch mit Händen, Ellbogen und Knien auf die Akupunkturpunkte ein.

Ideal zur Vorbeugung
Die meisten Menschen fallen in die Kategorie „halb-gesund“ oder anders ausgedrückt: Ihr Zustand ist nicht vollkommen ausgewogen. Während der eine zu Erkältungen neigt, plagen den anderen Rückenbeschwerden und wieder andere sind ängstlich oder depressiv. Für solche Menschen ist Shiatsu geeignet – auch zur Vorbeugung. Gearbeitet wird ohne Öl. Alles was man braucht, ist ein warmer, gut gelüfteter Raum, lockere, bequeme Kleidung für Geber und Empfänger und eine Matte auf dem Boden. Shiatsu wird in ruhigen, fließenden Bewegungen ausgeübt. Es fordert von dem Praktizierenden neben der Kenntnis der Technik eine respektvolle Achtsamkeit sich selbst und dem Klienten gegenüber.

Für wen ist Shiatsu geeignet?

Die Therapie ist für Menschen jeden Alters geeignet, da es sich um eine sehr sanfte Methode der Körperarbeit handelt, deren besondere Kunst darin besteht, sich ganz auf den jeweiligen Menschen und seinen energetischen Zustand einzustellen. Im Zuhören, Annehmen und Raumgeben entfaltet sich die besondere Qualität des Shiatsu als heilsame Berührung.



La(va)-Steine, fein geschliffen und poliert, speichern Wärme ideal für die La-Stone- Therapie.

Massieren wie die Schamanen: die „La-Stone-Therapie“
Diese eigenwillige Massage stammt aus den USA und wurde 1993 von Mary Nelson-Hannigan in Tuscon/ Arizona entwickelt. Bereits vor Jahrtausenden wurden ähnliche Behandlungsmethoden mit erwärmten Steinen in China und auch von indianischen und hawaiianischen Schamanen durchgeführt. Sorgfältig glatt geschliffene Lavasteine werden auf 60 °C erhitzt und vom Therapeuten auf die Energiezentren des Körpers gelegt. Die Wärme stimuliert und ebnet den Weg für eine intensive Tiefenentspannung. Mit Mandel- oder Olivenöl wird die Haut geschmeidig gemacht. Bis zu 40 dieser „Lavabröckchen“ werden nach und nach auf Bauch, Stirn und Hände, auf den Rücken und in die Kniekehlen verteilt bzw. sogar zwischen Zehen und Finger gesteckt. Die Steine sind unterschiedlich groß und werden auch zur Massage benutzt. Zusätzlich arbeitet der Therapeut auch mit kalten Marmorsteinen, die im Wechsel mit den warmen Steinen einen überraschend anregenden „Kneipp-Effekt“ erzeugen und die Selbstheilungskräfte des Organismus aktivieren. Ganzkörperbehandlungen dauern etwa 75 Minuten und kosten ca. 80 , Rückenbehandlungen (30 Minuten) werden zum Preis von etwa 35 angeboten.



Die heißen Steine der La-Stone-Therapie werden auf die Energiezentren des Körpers gelegt ...



...oder zur Massage benutzt, um eine intensive Tiefenentspannung zu erzielen.




Die Muskeln lockern sich und Verspannungen schmelzen dahin ...

Unsere Redakteurin Petra Ulrich-Frosch hat die „heißen Steine“ ausprobiert:
Donnerstag, 8.30 Uhr. Schnell noch Obst und Sportsachen einpacken, nebenbei die Geschirrspülmaschine füllen, mit dem Sohn diskutieren, ob Sandalen bei Minusgraden das richtige Schuhwerk sind - da klingelt auch noch das Telefon, obwohl wir schon seit zehn Minuten im Auto sitzen sollten. Am frühen Morgen schon so gestresst, freue ich mich ganz besonders darauf, heute einmal etwas nur für mich zu tun: Um 9.00 Uhr beginnt meine erste „La-Stone-Therapie“. Viel weiß ich noch nicht über diese brandneue Therapieform, nur dass sie mit Tiefenentspannung, Massage und Lavasteinen zu tun hat. Heiße Steine direkt auf der Haut? Keine besonders angenehme Vorstellung, doch die Skepsis schwindet schnell. Die erwärmten Steine liegen bereit. Im Behandlungsraum herrscht eine angenehm-ruhige Atmosphäre. Fernöstlich anmutende Musik spielt leise im Hintergrund. Zunächst werden meine Arme, Beine und Halswirbel gedehnt. Danach liege ich mit dem Rücken auf unterschiedlich großen Lavasteinen. Und das ist kein bisschen unangenehm – im Gegenteil: Ich genieße die Wärme und spüre, wie mir jetzt auch Steine auf Brust und Bauch aufgelegt werden. Ganz langsam und sehr behutsam beginnt die Therapeutin mit der Massage einzelner Körperpartien. Schon nach wenigen Minuten schweifen meine Gedanken ab, entschwindet der Alltag ... Mit Hilfe eines naturreinen Öls wird mein ganzer Körper abwechselnd mit den Händen und mit den warmen Steinen „bearbeitet“. Die Muskulatur wird gelockert, Verspannungen lösen sich. Nur noch das sanfte Klappern der Steine dringt in mein Bewusstsein. Fast fallen mir die Augen zu ... Doch dann vernehme ich die freundliche Warnung: „Achtung! Jetzt kommen kalte Marmorsteine dazu. Bitte nicht erschrecken.“ So darauf vorbereitet, muss ich sofort an Sebastian Kneipp denken. Herrlich anregend ist dieses abschließende kalt-heiße Wechselspiel und so finde ich auch gedanklich wieder in die Realität zurück. Ich steige in mein Auto und fahre gestärkt in Richtung Alltag.

Petra Ulrich-Frosch

 Infos

Hier erhalten Sie Informationen und Verzeichnisse von anerkannten TherapeutInnen, LehrerInnen und Ausbildungsangeboten:

Internationaler Therapeutenverband 
AKUPUNKT-MASSAGE nach Penzel e. V.
Willy-Penzel-Platz 1-8
37619 Heyen bei Bodenwerder
Tel.: 05533/9737-0, Fax: 05533/9737-67
oder unter www.apm-penzel.de

Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland (GSD)
Bahrenfelder Kirchenweg 53
22761 Hamburg
Tel.: 040/85 50 67 36, Fax: 040/85 50 67 37
oder unter www.lastonetherapy.com (englische Seite)
 Adressen

Shiatsu: z.B. 
Hotel Fidazerhof
CH-7019 Flims-Fidaz
Tel.: 0041(0)819113503, Fax: 0041(0)819112175
oder unter www.fidazerhof.ch

La-Stone-Therapie: z.B. 
Heilbad Krumbad
Bischof-Sproll-Str. 1
86381 Krumbach
Tel.: 08282/906-0, Fax: 08282/906200
oder unter www.krumbad.de
 Buchtipps

Köhls, Günter: So hilft mir die Akupunkt-Massage nach Penzel. Neue Chancen bei vielen chronischen Erkrankungen. So finden Sie einen guten Therapeuten. Wie Sie die Behandlung optimal unterstützen.
Haug-Verlag, 15,29 

Ferguson, Pamela: Shiatsu. Gesundheit geben und empfangen. Einfache Übungen für alltägliche Beschwerden. Selbstbehandlung und Partnerübungen.
TRIAS-Verlag, 14,95

Ausgabe 1 / 2002