TÜRKEI

– viel mehr als Sonne und Strand

Wer Bekanntschaft mit der Türkei schließen möchte, dem Land und seiner Geschichte, den Menschen und ihren Traditionen, wird überrascht sein, auf welche Vielfalt und Gegensätze, Ursprünge und Facetten er stoßen wird. Moderne Städte liegen unweit von kleinen, verschlafenen Dörfern, in denen ein Kühlschrank durchaus nicht zu der Standardausstattung eines Haushaltes gehört. Karge Steppen und Hochebenen wechseln sich mit üppiger Vegetation und fruchtbaren Landschaften ab. Schneebedeckte Berge und Gletscherseen gehören genauso zur Türkei wie das subtropische Klima im Süden. Anatolien, das „Land der Mutter Sonne “ bietet neben modernen Urlaubszentren an der Küste die Möglichkeit einer Entdeckungsreise zu den Anfängen abendländischer und orientalischer Zivilisation.
Wo Geschichte lebendig wird

Ob Religion, Antike, Mythologie oder Philosophie – kein anderes Land am Mittelmeer kann mehr kulturelle Stätten und Denkmäler aufweisen als die Türkei. Unzählige Berühmtheiten der Geschichte haben hier ihre Spuren hinterlassen. Julius Cäsar sprach die legendären Worte „veni,vidi,vici “ nach einer gewonnenen Schlacht in Zile, Zentralanatolien. Alexander der Große vernichtete die Perser in Issos in Ostanatolien. Die Arche Noah strandete am „Büyük Agri “ dem 5.165 Meter hohen großen Ararat im Landesinneren. Im biblischen Antiochen, dem heutigen Antakaya im Südosten des Landes, lehrten die Heiligen Paulus, Petrus und Barnabas. In der Petrusgrotte außerhalb der Stadt gründete Petrus die erste christliche Gemeinde. Der heilige Nikolaus stammt ebenso aus Anatolien wie der Philosoph Diogenes und der antike Dichter Homer, der seine weltberühmte Ilias in seinem Geburtsort Izmir schrieb. Tauchen Sie ein in das antike Troja oder die glanzvolle antike Handels- und Hafenstadt Ephesos. Oder unternehmen Sie eine Entdeckungsreise in die Stadt Pergamon, dem ehemaligen Kulturzentrum der Antike, heute die schönste archäologische Stätte der Türkei. Überall in Anatolien lassen zahlreiche Museen, Kult- und Gedenkstätten, Ausgrabungen und Sehenswürdigkeiten Geschichte und Überlieferungen wieder lebendig werden.
Unterirdisch zu den Ursprüngen



Die bizarren Felskegel des Tuffgesteins in Kappadokien werden von den Einheimischen „Feenkamine“ genannt.

Eine große Rolle spielen in der Türkei Höhlen und unterirdische Behausungen. In fast jeder Region lassen sich Höhlen besichtigen. Es gibt Tropfsteinhöhlen, Phosphorhöhlen mit ganz eigener Beleuchtung und riesige alte Wohnhöhlen. Die Karainhöhle in der Nähe von Antalya ist die älteste Höhle des Landes. Dort fand man Spuren von Wohnstätten, die in die Zeit der Neandertaler zurückgehen. Einige der Höhlen waren verschwiegene Treffpunkte der ersten Christen. Die eindrucksvollsten Höhlensiedlungen findet man in der Region Kappadokien im Nationalpark Göreme. Göreme ist umgeben von sogenannten „Feenkaminen“, eine surrealistisch anmutende Felsenlandschaft, die von Wind und Wetter in den weichen Tuffstein geformt wurde. Der Legende nach sollen sich Feen die Männer holen, die sich unbefugt in den verlassenen Felsenkirchen aufhalten. Die ältesten Behausungen sind ca.4000 Jahre alt. Byzantiner und Christen fügten Felsenkirchen, -kapellen und -klöster hinzu. Die Ausstattung, die Fresken- und Höhlenmalereien sind einmalig und wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Ganze Städte, mehrere Etagen tief, wurden früher angelegt. Sie waren im 7.Jhd.Zuflucht der Christen und boten alle Erforderlichkeiten wie Vorratslager, Schlafstätten, Tierställe, Küchen, ein Belüftungs- und Kommunikationssystem. Die Besichtigung einer unterirdischen Stadt zählt sicher zu den Höhepunkten eines Kappadokienbesuches. Bei einer Rundreise durch diese Region bieten sich als weitere Höhepunkte z.B. der Besuch einer Karawanserei oder das Schauspiel der „tanzenden Derwische“, einem türkischen Orden,an.
Entlang der türkischen Ägäis



Die Türkei ist zu Recht stolz auf Ihre Wasserqualität und ihre Strände. Hier in der Kleopatrabucht, sagt die Legende, sei der feine Sand extra für die Königin gebracht worden.

Die Schönheit der türkischen Strände, endlos lang im Süden, romantische, kleine Buchten im Westen, ist legendär. Viele sind mit der blauen Flagge der EU ausgezeichnet. Die Wasserqualität ist einzigartig im gesamten Mittelmeerraum. 300 Sonnentage im Jahr machen die Küste zu einem Paradies für Sonnenanbeter und Wassersportler. Die bekanntesten touristischen Zentren sind Izmir, Bodrum, Marmaris, Fethiye und weiter im Süden Kemer, Antalya und Side.
Izmir selbst besitzt den zweitgrößten Hafen der Türkei und ist mit seinen zahlreichen Museen und Moscheen für kulturell Begeisterte interessant. Bodrum gilt als die schönste Stadt an der Ägäisküste. Eine mittelalterliche Ritterburg prägt die Kulisse des Urlaubsortes, deren bohèmehafte Atmosphäre auch zahlreiche Künstler anzieht. Von dort stammen auch die berühmten türkischen „Gulets “,wunderschöne,alte Holzsegelboote mit denen man auf der „Blauen Reise “,einem Segeltörn entlang der Küste von Marmaris bis Fethiye, einsame und traumhaft schöne Buchten bewundern kann. Marmaris ist das bekannteste türkische Wassersportzentrum mit einem der größten Yachthäfen der Region. Für Segelfreunde werden hier Träume wahr. In Fethiye kann man lykische Felsengräber bestaunen. In Dalyan am Iztuzu-Strand befindet sich eine der letzten Brutstätten der vom Aussterben bedrohten Seeschildkröten. Die Kemer-Küste bis Antalya wird zu Recht die „türkische Riviera “ genannt. Mit den mit Nadelwald bewachsenen Taurusbergen im Hintergrund, die sanft zum blaufunkelnden Meer abfallen, gilt dieser Küstenabschnitt als der schönste des gesamten Mittelmeeres. Die Hotels bieten Spitzenqualität, die Strände sind meist mit der blauen Flagge ausgezeichnet und in der Umgebung gibt es viel Sehenswertes.
Antalya, die Hauptstadt der Region, hat eine pittoreske Altstadt deren enge Gässchen und alte Holzhäuser zum Bummeln einladen. Der Yachthafen mit Blick auf die historische Stadtmauer hat einen internationalen Preis gewonnen. Im nahegelegenen Aspendos befindet sich das besterhaltene antike Theater.
Heiße Quellen und türkische Bäder
Ein Türkeiurlaub ohne den Besuch eines türkischen Bades ist unvollständig. Das typisch türkische, traditionelle Bad ist das „Hamam “, eine wunderbare Kombination aus Schwitzbad, kalten und heißen Güssen und Seifenmassage. „Hamams “ findet man in allen Städten und in vielen Touristenhotels und -zentren. Bekannt ist die Türkei aber auch für die vielen unterschiedlichen Heil- und Thermalquellen, die überall im Land sprudeln. Je nach Beschwerden kann man zwischen schwefelhaltigen Quellen, Thermalschlammbädern oder traditionellen Thermalquellen wählen. Das wohl außergewöhnlichste Thermalwasser bietet „Sicak Cermik “, in der Nähe der Stadt Sivas: in dem salz- und schwefelhaltigen Wasser leben tausende kleiner Fische, die bei Schuppenflechte die befallenen Hautpartien abschilfern und damit eine Regenerierung der Haut bewirken. Das weit über die Grenzen der Türkei hinaus bekannteste Thermalbad ist Pamukkale, das „Baumwollschloss“. Seit der Antike aktiv, hat hier kalkhaltiges Thermalwasser schneeweiße Tröge und terrassenförmige Becken entstehen lassen, die wie eine Märchenlandschaft aussehen und gleichzeitig eine atemberaubende Aussicht bieten. Pamukkale zählt zu den meistbesuchten Zielen des Landes. Leider hinterließ der Strom der Touristen seine Spuren, man kann die Sinterterrassen nur noch stellenweise betreten. Der faszinierende Anblick und der Besuch der antiken Stadt und der Thermenhotels lohnen die Fahrt auf die Hochebene aber trotzdem.
Sportangebote in Hülle und Fülle
Dem Türkeireisenden bietet sich jede nur erdenkliche Sportart. An den Küsten kann man alles was auf, im oder unter dem Wasser stattfindet tun. Wunderschöne Wanderungen und Fahrradtouren lassen sich in den diversen Nationalparks, an der Schwarzmeerküste und im Landesinneren durchführen. Es gibt zahlreiche Skigebiete. Das besterschlossenste Skigebiet liegt hinter Bursa im Nordwesten Anatoliens. Die längsten Pisten befinden sich im Wintersportzentrum Palandöken im Osten. Wildwasserfahrten und Kanutouren kann man in den schmalen Kanyons des Taurusgebirges durchführen. Golfplätze findet man in der Nähe der touristischen Zentren an der Küste, bei Istanbul und Ankara.
Handwerkskunst und Kunsthandwerk
Diese Begriffe sind untrennbar, denkt man an die hohe Kunst des Teppichknüpfens. Die ältesten geknüpften Teppiche sind aus dem 13.Jhd. und stammen aus Anatolien. Auch heute sind Teppichläden aus der Türkei nicht wegzudenken. Typisch für türkische Teppiche ist das Knüpfen oder Weben von unendlichen Mustern. Gebetsteppiche zeigen üblicherweise andere Motive als nicht religiöse Teppiche, in denen Blumen oder geometrische Formen bevorzugt werden. Sehr bekannt ist der „Kelim “,ein gewebter Teppich der bei den Nomaden auch als Kissenbezug oder Decke Verwendung fand. Filigraner Goldschmuck, kunstvolle Messing- und Kupfergegenstände oder zauberhafte Stickereien sind beliebte Andenken an einen Türkeiaufenthalt. Eskisehir eine Provinz- hauptstadt in Zentralanatolien, ist das Zentrum der Meerschaumschnitzerei. Das „weiße Gold “ wird zu kunstvollen Pfeifenköpfen geschnitzt und gilt als das Beste der Welt.



Unter den Dächern des Topkapi-Palastes in Istanbul verbirgt sich eine Welt faszinierender Geschichte, die es zu entdecken gilt. Die Schatzkammer ist die faszinierendste und aufregendste Abteilung des Palastes mit Stücken unvergleichlicher Schönheit und unermeßlichen Wertes.

Istanbul – die heimliche Hauptstadt
Istanbul gilt als die heimliche Hauptstadt der Türkei. Sie übertrifft die wirkliche Hauptstadt Ankara nicht nur hinsichtlich der Zahl der Moscheen, Paläste und Sehenswürdigkeiten. Die bewegte Vergangenheit der Stadt zwischen Orient und Okzident spiegelt sich schon in den früheren Namen Byzanz und Konstantinopel wieder. Weltbekannte Sehenswürdigkeiten wie der „Topkapi Palast “, das berühmte Serail, die „Haghia Sophia “, die älteste Basilika aller Zeiten, und die „Blaue Moschee “, eine der großartigsten Gebetsstätten der islamischen Welt, sind nur der Anfang einer hochinteressanten Reise in diese lebendige und sagenumwobene Metropole.
 Tipps: 

Ein wohltuendes Vergnügen für Männer ist der Besuch bei einem „Barber “. Türkische Männer lieben es, sich den Bart rasieren zu lassen. Für wenig Geld gibt es in den Häfen an der Küste nicht nur eine perfekte Rasur sondern auch eine entspannende Massage des Kopfes, des Nackens bis hinunter zu den Armen.

Wer besonderes Interesse an der biblischen Geschichte des Landes hat, kann bei www.citrustravel.com zwischen 3 biblischen Studienreisen wählen, und so die Missionsreisen des Apostels Paulus nachvollziehen.

Den Besuch eines der zahlreichen Museen sollte man planen, da diese überwiegend montags geschlossen sind.

Wie wäre es mit einer Kreuzfahrt in der türkischen Ägäis? Radisson Seven Seas Cruises fährt mit der MS Song Flower durch die türkische und griechische Ägäis bis nach Ägypten. Info im Reisebüro.
 Bücher: 

Der aktuellste Reiseführer ist von Dumont, „Türkei.Richtig reisen“, 22,50, Auflage Juli 2001

Aktuelles zur heutigen Türkei:
Peter Scholl-Latour, Allahs Schatten über Atatürk. Die Türkei in der Zerreißprobe, Taschenbuch 2001, 10,-
 Adressen: 

Informationsabteilung des türkischen Generalkonsulats
Baseler Str.37
60329 Frankfurt/Main
Tel.069-233081-82

Türkeireisen:
ÖGER TOURS GmbH
Sportallee 4
22335 Hamburg
Tel:0180/ 5242558 (0,12 . pro Minute)
www.oeger.de

Wandertouren gibt es bei www.olympos.de

TUI Reisen:in den TUI Reisebüros oder bei www.tui.de

Ausgabe 3 / 2002