Ayurvedische Rasayanas

Jungbrunnen für ein langes Leben


„Vor langer Zeit lebte ein alter König, der eine junge Prinzessin geheiratet hatte. Das junge Mädchen war aber gar nicht glücklich über diese Verbindung. So wandte sie sich an einen berühmten Heiligen namens Chyavan und flehte ihn an, Erbarmen mit ihr zu haben. Da er Mitleid für sie empfand, ersann er ein Verjüngungsmittel, das hauptsächlich aus der Amla-Frucht bestand, und empfahl ihr, dies täglich ihrem Gemahl zu geben. Nach kurzer Zeit war der König wieder im vollen Besitz seiner jugendlichen Kräfte und lebte ein glückliches und erfülltes Leben mit seiner Königin. (alte Geschichte aus der vedischen Hochkultur Indiens)

Rasayanas – „Früchte“ des Lebens 

Die in der Geschichte beschriebene Amla-Frucht gilt als Inbegriff aller Verjüngungsmittel (Rasayanas) der indischen Wissenschaft vom Leben (Ayurveda). Rasayanas sind Substanzen, die Körper, Geist und Seele stärken, beleben und widerstandsfähig machen. Dabei werden vornehmlich Kombinationen aus verschiedenen Pflanzenpräparaten verabreicht, denn die ayurvedische Lehre geht davon aus, dass eine Krankheit bzw. eine Störung des körperlichen und seelischen Gleichgewichts nicht ausschließlich durch ein Gegenmittel zu heilen ist. Sie versucht das Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen, indem sie sich gegenseitig ergänzende Substanzen verwendet, die gemeinsam zur Heilung beitragen. Am bekanntesten ist Chyavanprash, eine Zubereitung aus Amla-Früchten und 34 Kräutern, durch deren Genuss schon vor vielen tausend Jahren der uralte indische Heilige Chyavan jugendliches Alter zurückgewann.

Die Quellen des Ayurveda 

Die ältesten Belege indischer Heilkunde sind die sog. Veden, die um die Zeit vom 3. Jahrtausend bis zum 8. Jahrthundert v.Chr. datiert werden. In der Blütezeit des Ayurveda vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis 1.000 n.Chr. entstanden dann die drei bedeutendsten klassischen Texte des Ayurveda: die Caraka Samhita, die Sushruta Samhita und die Ashtanga Hridaya Samhita. Erst in jüngster Zeit bemühten sich führende Ärzte aus dem In- und Ausland, die uralte Medizin in seiner Ganzheit wiederzubeleben. Die modernisierte Fassung der ayurvedischen Heilkunde heißt, nach dem Initiator Maharishi Mahesh Yogi benannt, Maharishi Ayurved.


100 Jahre glücklich leben 

Ayurveda, die alte indische Lehre für Gesundheit und Langlebigkeit, geht von einer natürlichen Lebensspanne von 100 Jahren aus. Dieses Alter oder mehr erreicht der Mensch wenn er nach ayurvedischer Auffassung gesund ist, d.h. Körper, Geist und Seele im Einklang mit sich und der Umwelt stehen. Der Maßstab für Gesundheit ist dabei sehr hoch angesetzt. Nach Sushruta, einem der ältesten ayurvedischen Gelehrten, ist man gesund, „wenn sich die Körperfunktionen, Stoffwechsel, Verdauung, Gewebe und Ausscheidungen, im Gleichgewicht und Seele, Sinne und Geist im dauerhaften Zustand inneren Glücks befinden.“

Ziel des Ayurveda – Vorbeugung von Krankheiten 
Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die die Gesundheit beeinträchtigen und damit die Lebenszeit verkürzen können, wie falsche Essens- und Lebensgewohnheiten, Stress oder geistige Anspannung. Ist ein Mensch krank, sind seine seelischen, emotionalen und körperlichen Funktionen aufgrund eines Ungleichgewichts gestört. Wesentlicher Faktor für die Erhaltung des Gleichgewichts ist die Immunkraft. Deshalb setzt die ayurvedische Gesundheitslehre einen entscheidenden Schwerpunkt auf die Vorbeugung von Krankheiten, die Stärkung der Selbstheilungskräfte und die Förderung der Abwehrkräfte.

Rasayanas: 

Das Sanskritwort setzt sich aus Rasa, das was aus Nahrung nach der Verdauung im Körper entsteht, und Asayana, der „richtigen Bewegung“ zusammen. Rasayana bedeutet also „nährender Fluss in richtiger Bewegung“ und meint positive Energie für Körper und Geist.

Ayurvedische Rasayanas:
Amla (Amalaki) – „Frucht der Jugend und Schönheit“ wirkt erneuernd und verjüngend auf die Körpergewebe, reduziert den Blutzucker, fördert Verdauung und Stoffwechsel sowie den Intellekt und den Sehsinn und hilft bei der Ausscheidung von Schlacken. Die Frucht hat einen extrem hohen Gehalt an Vitamin-C und an Anti-Oxidantien, die die Widerstandskraft des Körpers verbessern.
Trikatu – „die drei mit scharfem Geschmack“ Gewürzkombination aus den scharfen Gewürzen schwarzer Pfeffer (Marica), Langkornpfeffer (Pippali) und Ingwer (Shunti) mit süßer Nachwirkung. Stimuliert die Verdauung, entbläht und hilft bei Erkältungen.
Ingwer (Shunti) unterstützt eine gesunde Darmflora, die Ausleitung von Giftstoffen und stärkt das Herz. Ingwer beugt außerdem der Thrombosebildung vor, senkt erhöhten Cholesterinspiegel und Blutdruck, lindert Schmerzen und stärkt das Immunsystem.
Kurkuma oder Gelbwurzel (Haridra) ist ein „heißes“ Heilmittel mit energiespendender und reinigender Wirkung. Es neutralisiert die Gifte im Körper und hilft bei Parasiten, Störungen der Darmflora und Erkältungskrankheiten.
Kardamom (Ela) gilt vor allem als Mittel zur Gedächtnisförderung. Es regt die Verdauung an, kräftigt das Herz und verleiht geistige Klarheit und Freude.






Rasayanas – verjüngende Substanzen, die das Leben verlängern 

Rasayanas – Substanzen bzw. Produkte, die aus indischen Früchten, Pflanzen und Gewürzen bestehen – bewirken die Regeneration und qualitative Verbesserung der sieben ayurvedischen Körpergewebe

Rasa (Plasma),

Rakta (Blutkörperchen),

Mamsa (Muskeln),

Meda (Fett),

Asthi (Knochen),

Majja (Knochenmark und Nervengewebe),

Sukra und Artava (Samen und Eizellen)

und damit eine Regeneration aller Zellen und den Aufbau von Lebenskraft, aus der sich unsere Gesundheit, Harmonie und geistiges Wachstum definieren. Die Therapie mit Rasayanas steht im Mittelpunkt der Vorbeugung von Krankheiten. Sie unterstützt Körper, Geist und Seele, sich wieder zu erneuern und so dem Verfall und damit dem Altern entgegenzuwirken. Zusätzlich hilft eine ausgeglichene Lebensweise, ayurvedische Ernährung, Yoga und Meditation. Wie die erfahrene ayurvedische Ärztin, Dr. Karin Gramminger, erklärt, wird eine Rasayana-Therapie auf den zu behandelnden Menschen abgestimmt durchgeführt. Berücksichtigt werden dabei:

das Alter 

der persönliche Menschentypus. Ähnlich der Einteilung nach den westlichen Temperamenten, ergibt sich dieser nach der ayurvedischen Lehre aus den jeweils vorherrschenden sogenannten „Doshas“. (Siehe auch Ayurveda - die indische Wissenschaft vom langen Leben)

die Verdauungskraft 

die Anpassungsfähigkeit des Organismus

der Zustand des Stoffwechsels und der Körpergewebe 

Schon weil viele Substanzen, die zur Rasayana-Therapie verwendet werden, wie z.B. Shatavari oder Ashwanganda, in Deutschland schwer erhältlich sind, aber auch um eventuelle Nebenwirkungen auszuschließen, ist es in jedem Fall ratsam, einen erfahrenen Ayurveda-Arzt aufzusuchen, der Ihnen Ihre persönliche Therapie für ein langes Leben „erstellen“ kann.
 

Tessa Felder

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Ausgabe 4 / 2002