Kuren wie die Könige

Die schönsten Traditionsbäder Deutschlands

Badekuren haben in Deutschland eine jahrhunderte lange Tradition. Vor allem im 18.und 19.Jahrhundert waren sie groß in Mode. Wer etwas auf sich hielt, verbrachte einige Wochen im Jahr in einem der erholsamen Kurorte. Man gönnte sich einen exklusiven Lebensstil und genoss das mondäne Leben mit Bädern, Trinkkuren, gesellschaftlichen Ereignissen, Konzerten und Kulturveranstaltungen. Besonders gekrönte Häupter und künstlerische Köpfe waren Vorreiter in Sachen Kur und überstrahlten die geruhsamen Ortschaften mit ihrer Noblesse. Heute verbinden all diese Kurorte über die Jahrhunderte gepflegte Traditionen mit modernsten Kureinrichtungen.
 Wiesbaden und Baden-Baden 



Sattes Grün, duftende Pflanzen, sanft plätschernde Bäche ... Ein Spaziergang durch die Kurgärten Baden-Badens unter alten, mächtigen Bäumen ist ein Genuß für alle Sinne.

Zwei Kurorte im Wandel der Zeit

Die wohl bekanntesten Kurorte Deutschlands sind Baden-Baden und Wiesbaden. Ihre heißen Quellen schenkten schon vor 2000 Jahren den Römern Badefreuden. Später waren beide Kurorte chice Treffpunkte des europäischen Hochadels, der Dichter, Denker und Musiker. Beiden Orten ist auch der großartige klassizistische Baustil der Hauptgebäude, die traumhaften Kuranlagen, sowie die eleganten Spielcasinos gemeinsam. Allerdings gibt es auch Unterschiede. Während Wiesbaden – unter preußischer Herrschaft – zur Weltkurstadt wurde und heute ihre Tradition mit der Modernität einer Landeshauptstadt verbindet, hat sich Baden-Baden einen gemütlichen Kleinstadtcharakter mit deutlich südländischem Flair bewahrt. Nicolai Gogol beschrieb Baden- Baden so:„Die Lage ist herrlich. Alles liegt in einem Garten.“ Genauso ist es heute noch..
Badekultur in Höchstform 

Das historische Friedrichsbad in Baden-Baden hat eine 120jährige Geschichte und verbindet in seinem römisch-irischen Bad die Badekulturen dieser beiden Länder. Die großzügige Caracalla- Therme bietet auf 900m ² Genuss und Entspannung. In Wiesbaden kurt man in der Kaiser-Friedrich-Therme oder im Thermalbad Wiesbaden. Zur geistigen Entspannung tragen in Baden-Baden die hervorragenden Veranstaltungen im Festspielhaus und in Wiesbaden die internationalen Festspiele bei.
 Bad Pyrmont 
500 Jahre Kurgeschichte 

Die älteste Kurstadt Deutschlands, Bad Pyrmont, feiert in diesem Jahr ein grandioses Jubiläum. Vor genau 500 Jahren trug sich Margarete zu Riedberg, Tochter des Grafen zur Lippe, als erster,namentlich erwähnter Kurgast in Bad Pyrmont ein.50 Jahre später war die Zahl der Gäste schon auf 10.000 angestiegen. Im „Fürstensommer “1681 genossen hier 40 königliche und fürstliche Gäste eine Kur. Eine glanzvolle Epoche nahm ihren Lauf. Die Stadt wurde das Bad der Preußen. Friedrich der Große, Königin Luise und Schöngeister wie Lessing, Leibniz, Goethe und Herder zählten zu den Besuchern. Der erste Kurpark der Welt wurde angelegt und über dem „Hylligen Born “ der erste schützende Brunnentempel errichtet.



Bad Kissingen 
einst ... 

Zu Zeiten, als Kuren dem Adel vorbehalten waren, genoss man neben erholsamen Anwendungen einen luxuriösen Lebensstil. Und wenn man einst durch die Anlagen flanierte, ging es auch ums Sehen und Gesehen werden



...und Bad Kissingen heute.
Wer heute durch den gepflegten Kurpark spaziert, wird vor allem von der Schönheit der Natur begeistert sein. Geradezu berauschend ist der Rosengarten, in dem tausende von Rosen blühn

Das heutige Bad Pyrmont 

Der Brunnenplatz ist noch immer der Mittelpunkt der Stadt. Das Ambiente wird bestimmt von historischen Gebäuden und südländischem Flair. Hier beginnt auch die Flaniermeile des historischen Kurparks, der bis heute eine Sehenswürdigkeit geblieben ist. Das barocke Alleensystem lädt zu Spaziergängen ein und die nördlichste Freiland- Palmenanlage Europas mit 300 Palmen und über 400 tropischen Gewächsen zum Staunen. Kurmusik hat ebenfalls Tradition in dieser Stadt. Seit 1726 ist sie eine feste Institution und nimmt während des jährlichen Kultursommers einen wichtigen Stellenwert ein. Eine Besonderheit unter den vielfältigen Therapiemöglichkeiten in Bad Pyrmont ist die Dunsthöhle, ein einzigartiges Naturphänomen in Deutschland. Kohlensäure strömt aus einer Felsspalte an die Erdoberfläche und wird als wesentlicher Bestandteil vieler Heilquellen eingesetzt.
 Bad Kissingen 
Zwischen Tradition und Moderne 

Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen des Kissinger Sauerbrunnens und die ersten belegten Empfehlungen, seine Heilkraft zum regelmäßigen Kurbesuch zu nutzen, sind mehr als 400 Jahre alt. In Kissingen wurde im 18.Jahrhundert die erste Apotheke eröffnet und die erste Bad-, Trink- und Heilbrunnenverordnung herausgegeben. 
Neben verschiedensten Sauerbrunnen Therapien lädt eine wunderbare, mediterrane Kneipplandschaft zum Kuren ein. Um ihre Mission für die Gesundheit weiter auszubauen, entsteht nur wenige Minuten vom Kurpark entfernt eine neue, zukunftsweisende Heilbadelandschaft. Doch auch die Tradition wird nicht vernachlässigt. Die prachtvollen Kurgebäude, der Kurpark, die größte Wandelhalle Europas und der grandiose Regentenbau, in dem heute erlesene Konzerte, Bälle und Veranstaltungen stattfinden, lassen die glanzvolle Vergangenheit Kissingens weiter leben.
„Kaiserkuren “ wie anno dazumal 

Wer in Bad Kissingen eine Kur genossen hat, befindet sich in wahrlich kaiserlicher Gesellschaft. Hier kurte über die Jahrhunderte alles was Rang und Namen hatte: von Ludwig I. über den Märchenkönig Ludwig II., bis hin zu Kaiser Franz Joseph von Österreich mit seiner Sissi und Zar Alexander II. Fürst Otto von Bismarck war so oft in Bad Kissingen, dass ihm zu Ehren in der oberen Saline ein Museum eröffnet wurde, welches u.a. seine Wohnräume zeigt.



Klare Linien und schlichte Eleganz zeichnen das Kurbad in Bad Reichenhall aus. Besonders schön wirkt es in der Nacht, wenn alles stimmungsvoll erleuchtet ist.



Endlich wieder frei atmen können – möglich macht das Sole, die über fein verästelte Dornenzweige zu Sole-Nebel verstäubt wird.

 Bad Reichenhall 
Das „weiße Gold “ der Salinen 

Salinen spielen in Bad Reichenhall eine wichtige Rolle. Das „salzige Herz “ der Stadt schlägt seit mehr als 200 Jahren. Hier wird die Sole aus den Tiefen des Gesteins befreit. Den unermüdlichen Pumpenschwengel ziert die Aufschrift „Reich an Hall “ – so kam der Ort zu seinem Namen. Die Heilwirkung der Sole kannten bereits die Kelten. Zunächst wurde allerdings in erster Linie Salzhandel betrieben. Das gewonnene Salz war so wertvoll, dass es in Gold aufgewogen wurde. Mit König Max II. begann schließlich 1848 der schnell wachsende Ruhm des Ortes als elegantes Heilbad. Ein halbes Jahrhundert später verlieh Prinz Luitpold der Stadt den „Bad “-Titel und die Gesundheitssuchenden kamen in Scharen.
Durchatmen im längsten Freiluftinhalatorium der Welt 

Eine besondere Attraktion der Alpenstadt, die über 16 Quellen verfügt, ist die Soleinhalation, die einen täglichen Spaziergang entlang des Gradierwerkes im Kurpark beinhaltet. Über fein verästelte Dornenzweige rieselt das Wasser und erzeugt milden Solenebel, der die Atemwege reinigt und die Schleimhäute durchblutet. Die gesunde Alpenluft tut ein Übriges. Frische Luft in Verbindung mit einem milden Reizklima ist ein auch wesentlicher Gesundheitsfaktor der Seebäder.
 Heiligendamm und Bad Doberan 
Das erste deutsche Seebad 

Großherzog Friedrich Franz I. träumte von einem Seebad nach englischem Vorbild. Sein Leibarzt Samuel Gottlieb Vogel schlug Heiligendamm an der Ostsee als geeigneten Standort vor. Als gleichzeitiger Hofmedikus des Kurfürsten von Hannover sowie des englischen Königs Georg III. war er prädestiniert für die Einführung der neuen Badekultur. Die gesundheitlichen Vorteile von Molke-Trinkkuren, Seebädern und der heilsamen Seeluft wurden immer stärker publiziert und fanden immer größeres Interesse bei den Heil- suchenden. Darüber hinaus errichtete der Großherzog bereits in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Hospiz, in dem „bedürftige Landeskinder “ eine Seebadekur absolvieren konnten, ohne etwas dafür zu bezahlen.
„Nie bald nach Tische und mit vollem Magen...“ 

So lautete die Empfehlung Vogels an die Badegäste, für die das Bad in der See ein gesellschaftliches Ereignis war. Die Herren badeten im „Naturkostüm “ von langen Stegen aus. Damit es die Damen gleich tun konnten, gab es Badekarren mit Anstandshauben, durch die man ins Wasser steigen konnte. Heute ist die „weiße Stadt am Meer “ ein Kleinod restaurierter, klassizistischer Bauten. Bis 2003 erstrahlt endgültig alles in neuem Glanz und weckt die Erinnerungen an alte Zeiten.
Abwechslungsreiches Idyll 

Durch Deutschlands schönste Lindenallee ist Heiligendamm mit dem wunderschönen Kurort Bad Doberan, einem kleinen Juwel der Backsteingotik, verbunden. In der liebevoll restaurierten Altstadt kann man auf Entdeckungsreise gehen. Zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen ergänzen das Kurprogramm. Ein Höhepunkt sind die Galopprennen im August auf Deutschlands ältester Galopprennbahn aus dem Jahre 1822.


Ganz modern ist das große, helle Bewegungsbad in Bad Schmiedeberg.



Der kleine Pavillon in Bad Schmiedeberg liegt inmitten der wunderschön angelegten Gartenanlage.
 Bad Elster und Bad Schmiedeberg 
Idyllische Staatsbäder in Sachsen 

Bad Elster, eines der ältesten deutschen Moorheilbäder liegt mitten im erholsamen Vogtland. Das wunderschöne Kurzentrum glänzt im Stil der Gründerjahre. Das Albert-Bad, ein traumhafter Jugendstilbau und Herzstück der Kureinrichtungen, wurde nach dem sächsischen König Albert, ehemals ein regelmäßiger Gast, benannt. In den historischen Badeabteilungen kommen Mineral- und Sprudelbäder sowie Trinkkuren zum Einsatz. Die gesundheitsfördernde Wirkung des „Elsteraner Säuerlings “ wurde bereits im 16. Jh. bestätigt. Goethe schwärmt später über das „herrliche Wasser – säuerlich war ’s und erquicklich, gesund zu trinken den Menschen “.
Drei Säulen für beste Gesundheit 

Im Kurmittelhaus von Bad Schmiedeberg, einem der modernsten Deutschlands, setzt man außer auf das Schmiedeberger Eisenmoor, das einen extrem hohen Mineralanteil hat, auch auf Kurbehandlungen mit Mineralwasser und Radon. Das Edelgas Radon stimuliert das Immunsystem und regt die körpereigenen Selbstheilungskräfte an. Auch Bad Schmiedeberg ist ein Moor- und Mineralheilbad mit langer Geschichte.1878 wurden die ersten Zinkwannen aufgestellt, um die Stadt als Kurbad zu etablieren. Eine bedeutende Förderin des Bades war Margarethe von Österreich, die Namensgeberin des Margarethenbrunnens und des jährlichen Margarethenfestes im Frühjahr. Bad Schmiedeberg ist es gelungen, den Charme einer deutschen Kleinstadt zu bewahren. Das Renaissance Rathaus, die gediegenen Bürgerhäuser und das Jugendstil-Kurhaus unterstreichen die gemütliche Atmosphäre der heilen Welt.
Hauptsächliche Behandlungsgebiete / Indikationen der vorgestellten Bäder

Sybille Hepe

 Adressen:
Wiesbaden:  
Tourist- Information Wiesbaden
Marktstraße 6
65183 Wiesbaden
0611-17290
www.kurbetriebe.wiesbaden.de 
Baden-Baden:  
Tourist- Information
Tel.: 07221-275200/1
www.baden-baden.com
Bad Pyrmont:  
Tourist- Information
Europaplatz 1
31812 Bad Pyrmont
Tel.: 05281- 940511
www.badpyrmont.de
Bad Kissingen:  
Bayr. Staatsbad Bad Kissingen
Am Kurgarten 1
97688 Bad Kissingen
Tel.: 0971- 80480
www.badkissingen.de 
Bad Reichenhall:  
Kur GmbH
Wittelsbacherstr.15
83435 Bad Reichenhall
Tel.: 08651-6060
www.bad-reichenhall.de
Heiligendamm/Bad Doberan:  
Tourist- Information
Alexandrinenplatz 2
18209 Bad Doberan
Tel.: 038203-62154
www.bad-doberan.dewww.heiligendamm.de
Bad Schmiedeberg: 
Kur- und Verkehrsverein Bad Schmiedeberg
Rebhahnweg 1
06905 Bad Schmiedeberg
Tel.: 034925-19433 und 71101
Bad Elster:  
Touristeninformation Bad Elster 
Albert Bad
Badstr. 6
08645 Bad Elster
www.saechsische-staatsbaeder.de
 Weitere Kurbäder Deutschlands: 
Heilquellen-Kurbetrieb "Sibyllenbad": 
Kurmittelhaus Sybillenbad
Kurallee 1
95698 Neualbenreuth
Tel.: 09638-933-0, Fax: 09638-933-190
info@sibyllenbad.dewww.sibyllenbad.de.

Radon- und Kohlensäure-Heilquellen
Indikationen: Erkrankungen am Bewegungsapparat, Rheuma, Herz- Kreislauf- Erkrankungen
Leistungen: ambulante Vorsorgekuren, Pauschalangebote, medizinisch orientierte Wellness.
Bad Rothenfelde: 
Kur und Touristik Bad Rothenfelde GmbH
Am Kurpark 12
49214 Bad Rothenfelde
Tel.: 05424-2218-0, Fax: 05424-2218-129
touristinfo@bad-rothenfelde.de, www.bad-rothenfelde.de.

Längste Gradierwerksanlage Westeuropas mit Inhalationsgang
Indikationen: Atemwegserkrankungen, Herz- Kreislauf- Erkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparats.
Ostseeheilbad Zingst: 
Kurmittelcentrum Zingst GmbH
Rämel 5
18374 Ostseeheilbad Zingst
Tel.: 038232-830, Fax: 038232-83111
kurmittelcentrum.zingst@t-online.de, www.kmcz.de

Leistungen: ambulante Vorsorgekuren, private Kurpakete, alles unter einem Dach, 4-Sterne Appartement Anlage und Kurmittelcentrum, Beihilfe und Krankenkassen zugelassen.

Ausgabe 5 / 2002