Lust am Lachen – Lust am Leben
"Wenn die Göttin Niutsuhime lacht, wird alles gut." Jährlich wird zu ihren Ehren in einem japanischen Dorf das Lachfest gefeiert – zur Freude der Göttin und der Menschen. Wer lacht, hat mehr vom Leben. Lachen ist gesund und Humor die beste Medizin. Wer kennt nicht diese oft bemühten und mithin überstrapazierten Alltagsweisheiten? Und doch steckt in ihnen mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.
Dabei lachen wir erwachsenen Mitteleuropäer ziemlich selten. Durchschnittlich 15 Mal am Tag heben sich unsere Mundwinkel zu einem Lächeln. Kinder hingegen lachen oder lächeln in dieser Zeit bis zu 400 Mal. Vielleicht haben wir zu wenig Grund zum Lachen, mag mancher meinen. In der Tat kann einem das Lachen angesichts der Probleme dieser Welt oder des Ärgers im Alltag manchmal vergehen. Doch zum Lachen braucht man nicht unbedingt einen Grund. Lachen ist wie innerliches Jogging für den Organismus und gleichzeitig Balsam für die Seele.



Lachgruppen treffen sich im Park, Firmenangehörige beginnen den Morgen mit einer Lachrunde – Die von Dr. Madan Kataria ins Leben gerufenen Lachgruppen verbreiteten sich in Indien wie ein Lauffeuer.

Lachen für die Götter 
Im Yoga gibt es spezielle Lach-Übungen. Auch die Inuit (Eskimos) im Nordpolarkreis, die Purepecha- Indianer in Mexiko oder die Anhänger der japanischen Shinto- Religion kennen Lach-Rituale, mit denen Gottheiten oder Naturerscheinungen verehrt werden - und denen keinerlei humoristische Darbietung voraus geht. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Völker wissenschaftliche Untersuchungen über die körperlichen und psychischen Wirkungen des Lachens zu Grunde legten, als diese Rituale und Übungen entstanden. Die Menschen spürten einfach, dass das Lachen ihnen gut tat, dass sie seltener krank wurden und ihr Leben besser meistern konnten. So schufen sie sich ihre Rituale, um auch dann lachen zu können, wenn es eigentlich keinen Grund dafür gab. Erst seit den siebziger Jahren beschäftigt sich ein Wissenschaftszweig, die so genannte Gelotologie, mit der Erforschung des Lachens und seinen Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele.



Was meinen Sie?
Können auchTiere lachen?

Von den Atemwegen bis zum Zwerchfell
Etwa 300 Muskeln werden beim Lachen in Gang gesetzt. Die Vibrationen, die dabei entstehen, massieren die inneren Organe vom Kehlkopf bis zum Zwerchfell, reichern das Blut mit Sauerstoff an, fördern so die Durchblutung und aktivieren Atmung und Herz- Kreislauf- System. Gleichzeitig wird das Immunsystem stabilisiert - eine Wirkung die noch Stunden nach einem heftigen Lachanfall biochemisch nachweisbar ist. Schon das Anheben der Mundwinkel zu einem strahlenden Lächeln bewirkt die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen "Glückshormonen" im Gehirn. Es ist, als würden die Gesichtsmuskeln dem Gehirn melden: "Ich lache, also geht es mir gut." Woraufhin diese Stoffe, etwa das Dopamin, vermehrt produziert werden. Schon eine Minute des Lächelns - gerade, wenn man sich nicht dazu aufgelegt fühlt - hilft die Stimmung zu verbessern.
 Lachen 

Reduziert die Produktion der Stresshormone Adrenalin und Cortisol. 

Stärkt die Immunabwehr. 

Aktiviert die Atmung. 

Setzt Glückshormone frei. 

Entspannt die Gesichtsmuskeln. 

Aktiviert das Herz-Kreislauf-System. 

Befreit die oberen Atemwege. 

Fördert den Stoffwechsel. 

Erhöht den Gasaustausch beim Atmen. 

Führt zu Sauerstoffanreicherung im Blut. 

Fördert die Cholesterin-Ausscheidung. 

Regt durch „Zwerchfellmassage“ die Verdauung an. 

Aktiviert Botenstoffe wie Gamma- Interferon, das die Vermehrung von Tumorzellen hemmt



Und die Lachwelle schwappte über Amerika bis nach Europa. Rund zehntausend Menschen treffen sich jeweils zum Lachtag in Kopenhagen.


Zusammen lacht es sich leichter
Und gemeinsames Lachen stimuliert erst recht, wie die Teilnehmer der von Dr. Madan Kataria in Indien gegründeten "Lachclubs" wissen. Er hat eine Yoga- Lach- Technik, das so genannte Hasya Yoga, als Therapieform entwickelt. Bei dieser Lachtherapie treffen sich kleine und größere Gruppen zu einem 15- bis 20-minütigen Gemeinschaftslachen. Teilnehmer bezeugen nach den Übungen gesundheitliche Verbesserungen, ein Gefühl von Wohlbefinden und Frische, das den ganzen Tag anhält, besseren Schlaf und weniger Schmerzen.
Man muss nicht bis nach Indien reisen, um in den Genuss dieser Therapieform zu gelangen. Etwa 30 Lachclubs gibt es mittlerweile auch in Deutschland. In Wiesbaden existiert eine Lachzentrale, die mehrere Lokale und regionale Clubs koordiniert. Und wenn auch Lachen in Deutschland noch nicht als Therapieform anerkannt und geschützt ist, die Gruppen- Sessions somit nicht von den Krankenkassen finanziert werden, so fordern diese Clubs in der Regel doch keine Mitgliedsbeiträge. Jeder kann teilnehmen, und jeder kann einen Lachclub gründen.
 Tipp 

Internet-Adressen aller Lachclubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
www.humor.ch

Internet-Adresse der Lachzentrale Wiesbaden:
www.lachzen.de

Selbst in Krankenhäusern hält das Lachen immer stärker Einzug. Vorreiter der Humor- Mediziner ist der amerikanische Arzt und Clown Patch Adams. Er hat in Arlington (Virginia) das "Gesundheit!-Institute" gegründet, in dem heilsames Lachen selbst im Angesicht von Krankheit und Tod eingesetzt wird. Der Erfolg der Lachtherapie hat dazu geführt, dass mittlerweile zahlreiche Kliniken weltweit Clown- Doktoren beschäftigen, die beispielsweise krebskranke Kinder betreuen und durch die Stärkung der Lebensfreude helfen, das Tumorwachstum zu verlangsamen und bessere Heilungsergebnisse zu erzielen.



Clowndoktoren – diese tolle Idee wurde für Kinder geboren. Doch mittlerweile verhilft die Clowntherapie auch erwachsenen Patienten oder Menschen in Seniorenheimen zu besserer Genesung und Lebensfreude.

Lachen hilft dem Herzen 
Doch auch Erwachsene, die viel und gern lachen, haben bessere Chancen, gesund zu bleiben und ihr Leben zu verlängern, wie eine Studie der University of Maryland zeigt. Hier trat zu Tage, dass Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, im Durchschnitt 40 Prozent weniger lachten als andere Menschen. Am Neurologischen Therapiecentrum Köln (NTC) werden Patienten mit Parkinson, Multipler Sklerose, Schlaganfall oder Hirnverletzungen ebenfalls mit Clowntherapie behandelt. Vergleichsuntersuchungen zu konventionell behandelten Patienten sollen die heilsame Wirkung des Lachens wissenschaftlich bestätigen. Man muss nicht erst krank werden, um das Lachen zu erlernen. Vorbeugen ist bekanntlich besser als heilen, und Lachen ist nicht rezeptpflichtig. Also: Lachen Sie dem Alltag ins Gesicht und sich die Sorgen von der Seele!

Gudrun Apel

 Heute schon gelacht? 

"Hoffentlich unterläuft dem Irrtum ein Fehler, dann kommt alles von selbst in Ordnung."

Stanislaw Lem

"Mein Bauch will nicht, dass ich das esse!"

Ein vierjähriges Kind

"Theorie ist Wissen, das nicht funktioniert. Praxis ist, wenn alles funktioniert und man weiss nicht warum."

"Wer sich ins Fäustchen lacht, isoliert seinen Humor."

Peter Huhn

"Wer jeden Schritt vorher lange überlegt, verbringt sein ganzes Leben auf einem Bein." 

Chinesische Lebensweisheit
 Filmtipp zum Thema: 

Patch Adams – ein Doktor mit Herz, USA 1998; mit Robin Williams. 

Einige Filme zum Lachen: 

Charlie Chaplin - Goldrausch.

Laurel & Hardy - Auf hoher See.

Die Götter müssen verrückt sein.

Manche mögen’s heiß.

Harold and Maude.

Die fabelhafte Welt der Amélie.

Shrek - der tollkühne Held.

8 Frauen.

Good bye Lenin.

My big fat greek wedding.
 Literaturtipps: 

Hausbesuche. Die etwas andere Art, Menschen zu heilen, Patch Adams, Heyne-Verlag, München; 7,95 €.

Lachen ohne Grund, eine Erfahrung, die Ihr Leben verändern wird, Dr. Madan Kataria, Vianova Verlag, 22 €.

Länder des Lachens, wunderbare Reisebeschreibungen von Heiner Uber mit Fotos von Papu Pramod Mondhe, Frederking & Thaler Verlag, 22 €.

Lachen wir uns gesund, Anleitungen zum Glücklichsein, Barbara Rütting, Herbig Verlag, 17,90 €. 

Machen Sie mit, erzählen Sie uns und anderen Lesern Ihre Erfahrungen mit dem Lachen, Ihre komischsten Erlebnisse oder besten Witze im Leserforum.
Ausgabe 3 / 2003