Mit dem Pilotenschein dem Himmel entgegen



Bereits nach zehn bis zwölf Stunden mit dem Lehrer an Bord kann der Flugschüler das erste Mal alleine in die Lüfte abheben.



„Fliegekunst“ nannte Otto Lilienthal (1848–1896), der große Pionier des Gleit- beziehungsweise Segelfliegens, die Fähigkeit, die Schwerkraft zu überwinden und „frei über lachende Gefilde, schattige Wälder und spiegelnde Seen dahinzugleiten und die Landschaft so voll und ganz zu genießen, wie es sonst nur der Vogel vermag“. In der Tat ist das Urerlebnis des Fliegens, seit der Antike ein Menschheitstraum, kaum je poetischer beschrieben worden als von diesem wagemutigen Erforscher der Flugtechniken.
Faszination Fliegen
Sowohl der Segelflug, als auch das Sportfliegen mit dem Motorflugzeug öffnet das Tor in eine neue und faszinierende Erlebniswelt. Sie haben schon oft davon geträumt, einmal schwerelos über den Wolken zu gleiten, Sie wollen sich diesem Abenteuer stellen? Dann nichts wie los. Wir begleiten Sie himmelwärts, der Sonne entgegen!
Motorfliegen ist keine Zauberei, aber verzaubert jeden, der es beherrscht – und es ist längst nicht so schwierig, wie viele meinen. Abgesehen davon, dass das Flugzeug ein Verkehrsmittel von unschlagbarer Effizienz ist und dazu ein hohes Maß an Sicherheit bietet, sind es die unvergesslichen Eindrücke, der stete Wechsel der Farben, Landschaften und Wolkenformationen, die begeistern und geradezu süchtig machen.
Als Sportflieger sind Sie im Motorflugzeug – anders als der Segelflieger – weniger den Kräften der Natur ausgesetzt. Hier werden Sie vielmehr in Ihrer Maschine zum Herrn der Technik und bewältigen fliegerische, navigatorische und technische Aufgaben. Jeder Flug wird zu einer neuen Herausforderung, die zu meistern fasziniert und beglückt. So manches Problem relativiert sich, wenn die Vogelperspektive neue Blickwinkel eröffnet. Und die neu gewonnenen Erkenntnisse wirken noch, wenn Sie schon längst wieder sicher auf der Erde gelandet sind.
Der Start in die neue Dimension 
Wählen Sie nur erfahrene und wohnortnahe Möglichkeiten zum Lernen. Das spart Zeit und Kosten. Im Allgemeinen kommen Sie in einer Flugschule etwas schneller ans Ziel, jedoch liegen die Kosten höher. Im Luftsportverein dauert die Ausbildung oft länger, ist dafür aber meist preisgünstiger. Die gründliche und anspruchsvolle Ausbildung umfasst mindestens 80 Theorie- und 35 Flugstunden:
Theoretische Fächer 
Luftrecht 
Allgemeine Luftfahrzeugkenntnisse 
Technik, Flugleistung und Flugplanung 
Menschliches Leistungsvermögen 
Meteorologie 
Navigation 
Betriebliche Verfahren 
Aerodynamik 
Verhalten in besonderen Situationen 

Um das Sprechfunkzeugnis zu bekommen, das Sie bereits beim ersten Alleinflug benötigen, müssen Sie mit weiteren 40 Theorie- und Übungsstunden rechnen. Die Teilnahme an Kursen ist hierbei nicht zwingend vorgeschrieben, allerdings durchaus zu empfehlen. Ausgestellt wird das Zeugnis vom Bundesamt für Post und Telekommunikation.



Zum Erlernen des Fliegens wählen Sie am besten eine Flugschule oder einen Luftsportverein in Ihrer Nähe. Das spart Zeit und Kosten.

Fliegerische Praxis 
Für die praktische Ausbildung sind 35 Flugstunden innerhalb von fünf Monaten vorgeschrieben. Wird dieser Zeitraum überschritten, erhöht sich die Zahl der benötigten Flugstunden auf 40. Mindestens 10–15 davon werden im Alleinflug, also ohne Lehrer an Bord, geflogen. Schon nach zehn bis zwölf Stunden kann ein Flugschüler zum ersten Mal alleine in die Lüfte abheben. Na – kribbelt’s bei Ihnen schon in der Magengrube? Ja? Dann nichts wie los. Die theoretische und die praktische Prüfung schaffen Sie schätzungsweise innerhalb von vier bis sechs Monaten.
Kosten für Lizenz und Mindestflugstunden 
Bei durchschnittlichem Lernfortschritt kostet der Erwerb der Privatpilotenlizenz (PPL) ungefähr 10.000 € (plus- minus 4000 €). Um die Lizenz zu behalten, müssen innerhalb der folgenden zwei Jahre 24 Flugstunden nachgewiesen werden. Gehen Sie aber lieber auf Nummer sicher und planen Sie in den ersten Jahren nach der Pilotenprüfung mehr als die vorgeschriebene Stundenanzahl ein.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass sich dieser Rat fast erübrigt: Denn bereits kurz nach den ersten Flugstunden haben die meisten Flugschüler „Lunte gerochen“.
Da Sie vermutlich (noch) kein eigenes Flugzeug besitzen, können Sie an jedem Flugplatz eine Maschine chartern. Zu den bekanntesten, meistgeflogenen Sportflugzeugen zählen die der Firmen Cessna, Piper und Beechcraft. Die Preise richten sich nach Größe und Ausstattung der Flugzeuge. So kostet zum Beispiel das Chartern einer Cessna 152 pro Stunde ca. 80 €. Folglich fallen für den Erhalt der Privatpilotenlizenz innerhalb von zwei Jahren 24-mal circa 80 € an, also mindestens 1920 €. Als Mitglied eines Luftsportvereins können Sie die Flugzeuge des Vereins preiswerter chartern.



Bis Sie ein Flugzeug Ihr Eigen nennen, können Sie an jedem Flugplatz eine Maschine chartern. Damit absolvieren Sie dann nach Ihrer bestandenen Pilotenprüfung die 24 Pflicht- Stunden wie im Fluge – und behalten normalerweise problemlos Ihre Lizenz.

Was sonst noch zu beachten ist
Wer älter als 50 ist, muss sich jedes Jahr der fliegerärztlichen Untersuchung unterziehen. Der Pilotenschein gilt europaweit und erlaubt das Fliegen bei Tag nach Sichtflugregeln. Beim Sprechfunkzeugnis gibt es Unterschiede zwischen dem BZF II, (beschränkt gültiges Zeugnis für Funkflug) welches Sprechfunkverkehr nur in Deutscher Sprache erlaubt und dem deutsch- englisch- sprachigen BZF I. Dieses Zeugnis ist vor allem für Auslandsflüge nötig. 
Für höhere Anforderungen kann man den Pilotenschein erweitern – beispielsweise um die Berechtigung zum Instrumentenflug, Nachtflug, Schleppflug oder gar Kunstflug. 
Die Voraussetzungen, um den Pilotenschein für Motorsegler (PPL-B) erwerben zu können, ähneln den Voraussetzungen für die Motorflieger- Lizenz.
 Starten Sie durch! 

Sie brauchen zum Steuern eines Motorflugzeuges die Privatpilotenlizenz PPL-A. Das A berechtigt zum Fliegen einmotoriger, kolbengetriebener Flugzeuge mit einer Abflugmasse von maximal 2000 kg. Ab dem Alter von 17 Jahren darf man Fliegen, nach oben ist keine Grenze gesetzt. Grundbedingung ist natürlich eine intakte Gesundheit, die ein zugelassener Fliegerarzt, den Sie im Branchenbuch finden, beurteilt. Aber keine Angst, weder Sehhilfen noch kleinere körperliche Behinderungen verhindern im Allgemeinen die Zulassung. 

Für die Anmeldung zur Ausbildung und den Prüfungen benötigen Sie:

- fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis III 
- Geburtsurkunde für das Sprechfunkzeugnis 
- polizeiliches Führungszeugnis
- Auszug aus dem Verkehrszentralregister in Flensburg
- Nachweis über die Teilnahme an einem Kurs über Sofortmaßnahmen am Unfallort
- vier Passbilder (zwei für das Funksprechzeugnis)

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter www.daec.de (Deutscher Aero-Club).

Nach bestandener Prüfung nonstop gen Himmel
Genießen Sie – auch wenn Ihr Herz von den Haar- bis zu den Zehenspitzen klopft – Ihren ersten Alleinflug, den ersten Überland- Flug und den aufregenden ersten Anflug eines fremden Verkehrsflughafens. Jede neue Etappe, jedes neue Ziel ist eine große Herausforderung, ein riesiger Erfolg, ein einzigartiges Erlebnis und erfüllt Sie mit Freude und Stolz. Mit dem Pilotenschein in der Tasche können Sie los fliegen – mit Passagieren und ohne, über Berg und Tal, über Flüsse, Seen und Meer, über Städte, Wiesen und Wälder. Die Welt liegt Ihnen zu Füßen.

Eva Streit

 Buchtipps: 

„Der Privatflugzeugführer“, fünf- bändiges Standardwerk, Wolfgang Kühr, Schiffmann Verlag, 155 €

Privatpilotenbibliothek, J. Mies, Motorbuch Verlag, je 30 €
Ausgabe 4 / 2003