Rezepte der Liebe

Erotische Genüsse

Alles ist perfekt inszeniert: Der Wein, tiefrot und voll im Bouquet. Der Tisch edel gedeckt, leise Musik erklingt. Er hatte gekocht, verschiedene Leckereien mit viel Liebe für die Dame seines Herzens zubereitet: Spargel mit Sauce Hollandaise, Thai-Kokosnusssuppe mit Riesencrevetten. Als Hauptspeise Rindsfilet mit Granatapfel-Chutney und zum Abschluss Champagnerköpfchen mit Mangosauce. Denn Liebe geht durch den Magen. Und die raffinierte Zusammenstellung der verlockenden Zutaten zeigte Wirkung. Langsam, ganz langsam verdichtete sich die Atmosphäre prickelnder Sinnlichkeit.
Seit jeher benutzen Menschen auf der ganzen Welt bestimmte Früchte, Gemüsearten, Fische oder Gewürze, um die Sinnlichkeit zu steigern, Erotik zu wecken und das Liebesleben zu bereichern. Essen und Sex erregen unsere Sinne auf mehreren Ebenen. Ein verführerisches Mahl spricht den Geruchssinn, den Geschmackssinn, den Tastsinn und vor allem auch unser ästhetisches Empfinden an. Einigen Speisen sagt man ganz besonders aphrodisierende Eigenschaften nach.
Wein - Geschenk der Götter 
Der Begriff Aphrodisiaka leitet sich von der griechischen Liebesgöttin Aphrodite her. Wenn der Weingott Dionysos zu einem Fest der Götter einlud, floss der Wein im Überfluss und Liebe gab es gratis dazu. Was liegt da näher, als dem Wein anregende Eigenschaften zuzuschreiben? Tatsächlich wirkt der Wein primär enthemmend. 
Für einen gemütlichen Abend zu zweit eignet sich Rotwein besser als Weißwein, da beispielsweise ein guter Burgunder oder Bordeaux erst getrunken wird, wenn er Zimmertemperatur erreicht hat und mit seinen vielschichtigen Aromastoffen und seiner Fülle ein unübertreffliches Bukett erreichen kann anders als der kühle Weißwein. Besonders anregend wirkt Champagner. Das Prickeln der Kohlensäure sorgt nicht nur dafür, dass der Alkohol schneller ins Blut geht, Champagner spricht durch seine perlende Eigenschaft neben dem Geschmacks- und Geruchssinn auch den Tastsinn an und stimuliert die Nerven im Mundraum und auf der Zunge. Doch Vorsicht, auch für Champagner gilt ebenso wie für Weißwein: nicht die Aromastoffe durch Kälte abtöten und vor allem nicht übertreiben. Die Wirkung des Alkohols schlägt ins Gegenteil um, wenn er in zu großen Mengen genossen wird.
Erotik aus dem Meer 
Austern sind wohl der Inbegriff von Erotik. Schon im Römischen Reich genossen Austern einen liebessteigernden Ruf. Während des 17. Jahrhunderts galt die Auster als Verkörperung des Aphrodisiakums. Casanova glaubte fest an die Wirkung der Auster und verspeiste allmorgendlich 50 von ihnen roh. Für die erotisierende Wirkung am wichtigsten ist vermutlich das in Austern enthaltene Zink. Zink regt die Spermaproduktion an und hebt den Testosteronspiegel. Meeresfrüchte und Fisch im Allgemeinen gelten als aphrodisierend, was am hohen Eiweiß- und Phosphorgehalt liegen mag.
Sellerie - Europas Geheimrezept 
 

 

Die Römer widmeten den Sellerie dem Gott Pluto, Gott des Sexes und der Unterwelt. Heute noch ist der Sellerie in Europa eines der bekanntesten pflanzlichen Aphrodisiaka. Roh gegessen soll Sellerie die Liebeslust besonders fördern. Einen wissenschaftlichen Beweis gibt es dafür allerdings nicht.
Honig - süße Liebeserklärung

Rezepte der Liebe:

Spargel mit Sauce Hollandaise "Sprossen der Liebe"




Thai-Gewürzpaste

Thai- Kokosnusssuppe mit Riesencrevetten "Würziges Abenteuer"


Auf Englisch heißen Flitterwochen "honeymoon", Honigmond. Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt einige Jahrhunderte zurück, als man zur Hochzeit traditionell Met, Honigwein, trank. Honig sollte als Aphrodisiakum die erste Liebesnacht versüßen. Der arabische Physiker und Philosoph Avicenna empfahl eine Mixtur aus Honig, Pfeffer und Ingwer als Stimulans, und in Asien sagt man Honig einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Frau und die Potenz des Mannes nach.
Senf gibt die nötige Schärfe

Im christlichen Mittelalter wurde der hohe Konsum von Gewürzen als unmoralisch angesehen. Schon die Nonne Hildegard von Bingen warnte vor der Wirkung mancher Gewürze, da sie "ausgelassen, gelüstig und dumm" machten. Gerüchte, manche Gewürze wirkten aphrodisierend, sind in allen Kulturen verbreitet. Die meistgenannten sind Anis, Eisenkraut, Ingwer, Kardamom, Muskatnuss, Pfeffer, Piment, Nelken, Liebstöckel, Rosmarin, Thymian und Knoblauch. Auch die Zwiebel, so glaubt man, sei ein Aphrodisiakum. 
Ähnlich verhält es sich mit dem Senf. Er steht auf der Liste der aphrodisierenden Gewürze ganz oben. Der französische Dijonsenf mit seinen zahlreichen Geschmacksvariationen ist am aromatischsten und eignet sich daher besonders gut für die aphrodisische Küche.
Trüffel - Juwelen der Erde

Die französische Autorin Colette beschrieb Trüffel als "Juwelen der Erde". Mit einem Blick auf den Preis, zu dem Trüffel heute verkauft werden, ist ihr darin selbst im 21. Jahrhundert noch Recht zu geben. Schwarze Trüffel aus Frankreich sind die teuersten, obwohl viele Feinschmecker den weißen Trüffel aus dem Piemont vorziehen. Trüffel waren schon immer selten und vielleicht liegt darin auch der Grund für ihren Ruf als Aphrodisiakum. Denn Raritäten und Luxus sind von jeher mit dem Glauben an eine gewisse Verführungskraft verbunden.


Rindsfilet mit Granatapfel- Chutney und Sternanissauce "Sehnsucht aus 1001 Nacht"




Champagner- köpfchen mit Mangosauce "Sugar Baby" 

Granatapfel - Symbol der Fruchtbarkeit 
Der Granatapfel ist eine Frucht des exotisch-erotischen Mittleren Ostens und gilt schon seit dem Mittelalter als Fruchtbarkeitssymbol. Seine Samen wurden traditionell zu Hochzeiten verstreut. Auf Zypern legt man heute noch Granatäpfel vor die Tür Frischverheirateter, um ihnen Kindersegen zu wünschen.

Schokolade - sanfte Leidenschaft 
Eines der verführerischsten Lebensmittel ist ohne Zweifel die Schokolade. Süß und aromatisch zerschmilzt sie auf der Zunge und hinterlässt ein sanftes Gefühl im Mundraum. Schokolade wurde schon seit jeher mit Erotik und Liebe verbunden. Die Azteken bezeichneten Schokolade als das Lebensmittel der Götter und glaubten an die aphrodisierende Wirkung der Kakaobohne. Tatsächlich enthält Kakao einen Stoff, den unser Körper produziert, wenn wir uns verlieben. Dieser Stoff heißt Phenylethylalanin und gehört zur Gruppe der Endorphine, der so genannten Glückshormone. Somit ist die aphrodisierende Wirkung von Schokolade auch wissenschaftlich erklärbar. Da Schokolade allerdings Phenylethylalanin nur in sehr geringen Mengen enthält, liegt die Vermutung nahe, dass es die psychischen Effekte sind, die beim Verzehr von Schokolade die richtige Stimmung erzeugen.
Zuneigung - das wahre Wundermittel 
Eine gesunde Einstellung zum Sex sowie die Liebe zu gutem Essen sind essentiell, um Lebensmittel als Aphrodisiaka wirken zu lassen. Zudem gehört zu einem Liebesabend neben dem guten Essen auch passende Musik, ein ansprechend gedeckter Tisch und Kerzenschein. Außerdem sind die Aufmerksamkeit und das Interesse, das man für den anderen zeigt, ein ganz eigenes Aphrodisiakum.

Miriam Werner

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Ausgabe 1 / 2004