Zahnprobleme ganzheitlich betrachten
Die ganzheitliche Medizin, auch biologische Medizin oder Regulationstherapie genannt, betrachtet den Menschen als Funktionseinheit. Sie sieht wie die traditionelle chinesische Medizin jede Krankheit und jedes Krankheitszeichen als Ausdruck einer Gesamtstörung an. Da die Organe über ein Meridiansystem miteinander verbunden sind, kann sich eine gesundheitliche Störung in einem Organ oder Körperteil an anderen Stellen auswirken. In dieses komplexe System von Wechselwirkungen sind auch die Zähne eingebunden.
Sie sind über ihre Wurzeln mit den Energiebahnen des gesamten Körpers verbunden. Bei insgesamt 32 Zähnen und Zahnwurzeln ist die Wahrscheinlichkeit sogar relativ hoch, dass Zahnschmerzen und das, was der Zahnarzt dagegen unternimmt, andere Organe beeinträchtigen. Umgekehrt können Probleme mit den Zähnen auch durch Störungen anderer Organsysteme hervorgerufen worden sein. go longlife! hat darüber mit Dr. Marek Andys gesprochen. Er leitet die Zahnklinik der Paracelsus Klinik Lustmühle in der Schweiz. Diese Klinik kombiniert konventionelle und moderne Methoden von Human- und Zahnmedizin in einem "Zentrum für Ganzheitsmedizin und Ganzheitliche Zahnheilkunde".
Beschwerden an der Wurzel packen 

Dr. Andys, welchen Vorteil hat ganzheitliche Zahnmedizin? 

Dr. Andys: Wir fassen Probleme an den Zähnen als Funktionsstörung des gesamten Organismus auf und stellen den Zusammenhang mit allgemeinen Erkrankungen, mit anderen Organen und der Seele des Menschen her. Wir nehmen den Zahnproblemen den Grund, unsere Patienten weiter zu beeinträchtigen. Der Körper sorgt dann selbst dafür, dass die Beschwerden verschwinden.

Aus welchen Grund kommen Patienten zu Ihnen? 

Dr. Andys: Unsere Patienten haben zumeist chronische Grunderkrankungen und oftmals lange Therapien hinter sich, sind aber mit den Ergebnissen nicht zufrieden. Zu 30% suchen uns Krebspatienten auf. Weitere 30% unserer Patienten leiden am so genannten "Müdigkeitssyndrom", das häufig von den Zähnen herrührt. Sie sind ständig abgeschlagen, obwohl sie viel geschlafen haben, können sich nicht konzentrieren, haben einen starken Leistungsabfall und fühlen sich immer schlechter. Dieses Krankheitsbild, aber auch Allergien können durch unverträgliche Materialien von Zahnfüllungen, Kronen oder Implantaten hervorgerufen werden.
Den Materialien auf den Zahn fühlen 

Welche zahnmedizinischen Materialien können Beschwerden auslösen? 

Dr. Andys: Amalgam macht häufig Probleme. Auch Quecksilber, Zinn und Palladium können unter gewissen Umständen gefährlich sein. Wir nehmen das so ernst, dass wir in unseren Richtlinien festgelegt haben, diese Materialien gar nicht zu verwenden. Auch Goldlegierungen und Porzellankronen können eine Nichtverträglichkeit hervorrufen.

Wie gehen Sie vor, wenn jemand mit Zahnbeschwerden Ihre Klinik aufsucht? 

Dr. Andys: In der ersten Sitzung erheben wir ausführlich die gesamte Krankengeschichte. Um den Grund der Beschwerden herauszufinden, prüfen wir die Funktionskreise. Das heißt, wir testen, ob so genannte Störfelder vorliegen. Das sind chronische Reizzentren innerhalb des Körpers, die Krankheitszeichen und Funktionsausfälle auslösen. Außerdem machen wir eine Panorama- Aufnahme vom Kiefer und messen per Elektroakupunktur, welche Meridiane betroffen sind. Meridiane sind die energetischen Leitbahnen, die an der Körperoberfläche oder im Körperinneren verlaufen und für den Energieaustausch zwischen "innen” und "außen” sorgen. Des Weiteren testen wir die Konzentration von Schwermetallen im Körper. Durch eine Urinprobe können wir im Labor auch versteckte Schwermetalle nachweisen. Wenn wir eine Vergiftung feststellen, entfernen wir die schädigenden Materialien, zum Beispiel Amalgam, durch eine schonende Bohr- und Absaugtechnik.
Zirkoniumoxid: Material der Zukunft? 

Wann entscheiden Sie sich für ein Implantat? 

Dr. Andys: Bis vor kurzem waren nur Implantate aus Titan auf dem Markt. Hat man dieses Metall in den Kiefer eingebracht, konnte das Störfelder hervorrufen. Erfreulicherweise gibt es jetzt ein neues, metallfreies Material, das Zirkoniumoxid.

Konnten Sie bereits Erfahrungen mit diesem Material in der Praxis sammeln? 

Dr. Andys: Seit einem Jahr verwenden wir Zirkonium-Implantate in unserer Klinik und sind dabei, einen zahnmedizinischen und medizinischen Nachweis zu erstellen, um zu beweisen, dass aus ganzheitlicher Sicht Zirkonium-Implantate für den menschlichen Körper gut verträglich sind und keine negativen Einflüsse auf die Meridiane und Organe ausüben. Wir hoffen in einem Jahr im Besitz dieser Studie zu sein.
Ganzheitliche Störungen selbst erkennen 

Wie kann man selber feststellen, dass eine gesundheitliche Störung von den Zähnen herrührt? 

Dr. Andys: Was ein Patient selbst bemerken kann, ist zum Beispiel ein Metallgeschmack im Mund, ein Brennen auf der Zunge oder am Zahnfleisch. Oftmals werden die Füllungen schwarz, weil sie oxidieren. Ein weiteres Anzeichen ist die erwähnte starke Müdigkeit, die das vegetative Nervensystem belastet. Eine allergische Reaktion auf Füllmaterialien erkennen Sie unter anderem an Hautausschlag.

Wer trägt die Kosten einer ganzheitlichen Zahnbehandlung? 

Dr. Andys: Bei privaten Krankenversicherungen gibt es zumeist keine Probleme. Sie fordern einen Kostenvoranschlag an und übernehmen die Kosten dann teilweise oder ganz. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen unter gewissen Bedingungen ebenfalls einen Teil der Behandlungskosten. 

Ein Interview von Karin Franke

Die Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde e.V. stellte vor kurzem eine neue Technik vor, mit der keramische Füllungen und Kronen innerhalb einer Stunde erneuert und eingesetzt werden können. Die Broschüre "Biss bald Zähne mit Zukunft", die in Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft für Keramik in der Zahnheilkunde e.V mit dem ZDF "Gesundheitsmagazin Praxis" entstand, kann per Fax unter 0721 9452930 angefordert werden.
Ausgabe 1 / 2004
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