10 Tipps für eine gesunde Ernährung und mehr Vitalität

Wie viel können wir doch durch Ernährung beeinflussen und bewirken: Krankheiten vorbeugen, Gewicht reduzieren, Vitalität erhöhen, und vor allem Wohlgefühl steigern. go longlife! gibt Ihnen in diesem Beitrag Tipps und Tricks zur gesunden Lebensmittelauswahl, zur richtigen Ernährungsweise und wie Sie diese einfach in Ihrem Alltag anwenden können.


Tutti Frutti - Obst und Gemüse am besten fünfmal täglich
Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die viel Obst und Gemüse essen, seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs leiden. Der Grund: In diesen gesunden Nahrungsmitteln befinden sich neben vielen Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen so genannte sekundäre Pflanzenstoffe (natürliche Duft-, Geschmacks- und Farbstoffe). Diese Substanzen können u. a. den Cholesterinspiegel und den Blutdruck senken. Zwei Portionen Obst (à 150 g) und drei Portionen Gemüse (à 200 g) täglich sind ideal. Leichter gesagt als getan? So lässt sich dieser Tipp mit wenig Aufwand in den Alltag integrieren: Wie wäre es mit einem Frühstück aus Getreideflocken, Kürbiskernen, Trockenfrüchten, klein geschnittenem Obst (z. B. Apfel, Birne, Pfirsich) und etwas Milch oder Joghurt? Rohes Obst eignet sich außerdem ideal als Zwischenmahlzeit - auch zum Mitnehmen, da es sozusagen schon verzehrfertig ist. Oder gönnen Sie sich selbst gemachten Fruchtsalat mit etwas Schlagsahne. Reife Früchte schmecken übrigens aufgrund des Fruchtzuckergehalts und des vollen Geschmacks auch ohne Zucker himmlisch. Gemüse muss nicht immer in zubereiteter Form gegessen werden. Knabbern Sie zum Brot (auch zum Frühstück!) je nach Jahreszeit ein paar Möhrchen, Radieschen- oder Gurkenscheiben. Oder bereichern Sie ein Käse-Sandwich durch Salatblätter und Gemüsesticks. Wenn es ganz schnell gehen muss, kann ein Glas Saft eine Portion Obst oder Gemüse am Tag ersetzen. Die optimale, Hauptmahlzeit besteht immer zum Großteil aus Salat oder Gemüse.


Immer frisch!
Einerseits macht der Garprozess Speisen leichter verdaulich, anderseits werden einige Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe dadurch zerstört. Bringen Sie deshalb Gemüse und Obst täglich auch als Rohkost auf den Tisch. In erhitztem Gemüse sind die Vitalstoffe am besten erhalten, wenn es möglichst frisch zubereitet wird und nach dem Garen noch bissfest ist. Wärmen Sie übrig gebliebene Speisen nicht auf, sondern verwenden Sie Gemüse für Salate, oder zaubern Sie Gemüsedips daraus. Restliches Fleisch können Sie auf Vollkornbrötchen oder ebenfalls im Salat genießen.








Fett - Qualität statt Quantität!
Während einige Ernährungsexperten jedes Fetttröpfchen mit Argusaugen betrachten, preisen andere den Nährstoff als Gesundmacher an. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen. Es gibt ungesättigte Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufgenommen werden. Diese haben zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper, wie die Senkung des Cholesterinspiegels. Nüsse, Samen, Oliven und daraus hergestellte kaltgepresste Öle sowie Fisch enthalten diese Fettsäuren. Besonders zu empfehlen sind Lein-, Walnuss-, Raps- und Olivenöl.
Sparsam sollte man vor allem mit gesättigten Fettsäuren umgehen, da ein Zuviel davon leicht Gewicht ansetzen lässt und den Cholesterinspiegel erhöht. Sie sind versteckt in allen tierischen Fetten (Butter, Sahne, Wurst, Fleisch, Eier) und auch in Kokosfett. Seien Sie ein Schotte in der Verwendung von Zubereitungsfetten, lassen Sie dagegen nie das kaltgepresste Salatöl wegfallen. Um den Bedarf an ungesättigten Fettsäuren zu decken, reicht ein Esslöffel davon pro Tag aus. Als Bratfett eignen sich am besten Ghee (auch Butterschmalz oder Butterreinfett genannt) und ungehärtetes Kokosfett, zum mäßigen Erhitzen auch Raps- und Olivenöl.

Ghee - das bekömmlichere Zubereitungsfett:
Ghee gilt im Ayurveda als Lebenselixier und Verjüngungsmittel. Es ist leichter verdaulich als Butter und andere Fette, stärkt die Verdauungsorgane und erhöht die Bekömmlichkeit. Ghee intensiviert den Geschmack der Speisen. Vitamin- und Vitalstoffe bleiben erhalten. Sie können es in Naturkostläden oder indischen Geschäften kaufen - oder einfach selbst herstellen: Zutaten: Sauerrahmbutter, mindestens 1000 g Kochzeit: 50- 60 Min.Zubereitung: Die Butter bei kleiner Flamme schmelzen. Die richtige Temperatur ist erreicht, wenn die Butter siedet. Während des Kochens den Topfboden mit einem Bratenwender frei von Molke halten. Besonders auf die Farbe der Molke achten, ein helles Braun deutet auf ein baldiges Kochzeit-Ende hin. Das abgekühlte, noch flüssige Ghee filtern (Haushaltsfilter) und in saubere Gläser abfüllen.


Kraft aus dem vollen Korn!
Getreide sorgt nicht nur für Energie liefernde Stärke, sondern auch für viele Vitalstoffe. Am Tag sind vier bis fünf Portionen (à 1 Scheibe Brot, 1 Brötchen, 200-250g gekochte Nudeln, Reis oder auch Kartoffeln) empfehlenswert. Wichtig zu wissen: Vollkornprodukte liefern 70 bis 90 Prozent mehr Vitamine und Mineralstoffe als Weißmehlerzeugnisse sowie ein Vielfaches an sekundären Pflanzenstoffen und doppelt so viele Ballaststoffe. Also eine geballte Ladung an gesundheitsfördernden Substanzen.
Vollkornbrot muss nicht unbedingt grobkörniges Pumpernickel sein. Es gibt Brote, die aus fein gemahlenem Vollkornmehl hergestellt sind, dem Gaumen schmeicheln und besser verträglich sind. Lassen Sie sich nicht durch die Farbe des Brotes täuschen. "Dunkel" steht nicht unbedingt für "gesundes Brot", da es auch gefärbt sein kann. Fragen Sie beim Bäcker nach Vollkornware, dann ist ein 90-prozentiger Vollkornmehl-Anteil enthalten.


Eiweiß in kleinen Mengen
Eiweißreiche Lebensmittel (Fleisch, Wurst, Fisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte) sind oft kombiniert mit Fett, Cholesterin und/oder Harnsäure bildenden Substanzen (Purine), die im Übermaß Gicht auslösen können. Da Fleisch auch einige wichtige Vitamine und Mineralstoffe enthält, zählt hierbei wieder das richtige Maß: maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche. Eine einzelne Mahlzeit sollte dabei nicht mehr als 150 Gramm Fleisch oder 50 Gramm Wurst enthalten. Außerdem genügen dem Körper 50 bis 60 Gramm Proteine am Tag. Der übliche deutsche Speiseplan enthält doppelt so viel, was Nierensteine und Osteoporose begünstigt. Milchprodukte tragen ebenfalls zur Eiweißversorgung bei und machen den Speiseplan abwechslungsreich.


Kohlenhydrate als Dickmacher?
Alle Jahre wieder erobert eine neue Diätwelle das Land. Nachdem lange Zeit Fette als Dickmacher am Pranger standen, sollen nun Kohlenhydrate gemieden werden. Was ist von dieser neuen Ernährungsform zu halten? Die Qualität der Kohlenhydrate entscheidet darüber, ob sich Fett ansetzt. Zucker und Weißmehlprodukte regen durch ihren geringen Sättigungswert zum Mehressen an. Vollkornprodukte dagegen machen lange satt und liefern gleichzeitig wichtige Vitalstoffe. Kohlenhydrate generell zu verteufeln macht deshalb wenig Sinn. Aus der Sportlerernährung weiß man, dass eine kohlenhydratarme, dafür fett- und eiweißreiche Ernährung auf Dauer schlapp macht. Verschiedene Vegetarierstudien be- legen außerdem, dass eine kohlenhydratreiche Ernährungsweise (mit vielen Vollkornprodukten, Gemüse und Obst) Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Gicht vorbeugt. Man darf also getrost darauf warten, bis die neue Ernährungs-Modewelle vorbeigezogen ist, ohne sie ausprobiert zu haben!






Gewürze und Kräuter statt Salz
Der Bundesbürger nimmt durchschnittlich doppelt so viel Salz auf wie nötig. Zu viel des weißen Gewürzes kann zu Bluthochdruck beitragen und die Heilung von Hauterkrankungen behindern. Empfehlenswert ist deshalb die Zugabe von frischen oder getrockneten Kräutern, wie Basilikum, Oregano und Liebstöckel, um Speisen zu aromatisieren und dadurch Salz einzusparen. Durch Gewürze wie Curry, Kreuzkümmel und indische sowie chinesische Gewürzmischungen kann man ebenfalls Salz einsparen. Die Gerichte bekommen damit gleichzeitig eine exotische Geschmacksnuance.


Dolce Vita - ohne Reue
Süßes, so verführe- risch es schmeckt, hat doch seine Tücken, und zwar nicht nur bei der Entstehung von Karies und Übergewicht. Zu viel davon trägt zur Übersäuerung des Organismus bei und fördert u. a. die Entste- hung von Gicht, Zellulitis und Haarausfall. Deshalb gilt: Egal welches Süßungsmittel man nimmt, es sollte sparsam verwendet werden. So genannte alternative Süßungsmittel (Vollrohrzucker, Honig, Dicksäfte) weisen im Gegensatz zu weißem Zucker einige Vitalstoffe auf und sind deshalb zum Süßen eher zu empfehlen. Honig sollte kaltgeschleudert sein, damit er noch alle gesundheitsfördernden Substanzen enthält. Er eignet sich vor allem für Süßspeisen, die nicht erhitzt wer- den. Vollrohrzucker darf nicht verwechselt werden mit braunem Zucker. Letztgenannter weist nur geringfügig mehr Vitalstoffe auf als sein weißer Verwandter. Der getrocknete Saft des Zuckerrohrs, der Vollrohrzucker, enthält hingegen die 300fache Menge an Kalium und die 80fache Menge an Magnesium wie weißer Zucker. Als Alternative zu Süßigkeiten bieten sich in moderaten Mengen Trockenfrüchte an. Diese enthalten fast kein Fett und versorgen den Körper gleichzeitig mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen.


Die fixe Küche
Nicht immer hat man Zeit und Lust, lange in der Küche zu stehen. Eingefrorenes Gemüse kann schon mal verwendet werden. Es enthält noch viele Vitamine und Mineralstoffe, jedoch weniger Biophotonen (gespeichertes Licht). Deshalb sollte die empfohlene Menge an Gemüse nicht ausschließlich aus der Tiefkühltruhe in den Kochtopf wandern. Für die gesunde und schnelle Zubereitung eignen sich Nudelgerichte (z. B. Vollkornnudeln mit Tomaten-Zwiebel-Soße), Bulgur (grob zerkleinerter, vorgekochter und anschließend getrockneter Weizen, Kochzeit 10- 15 Min.) oder Couscous (vorgedämpfter Weizengrieß, Garzeit 5- 8 Min.) mit Gemüse sowie Pellkartoffeln mit Kräuter-Quark und geraspeltem Gemüse.


Trinken - für Haut, Gehirn und Entgiftung
Der Mensch besteht zu mehr als 50 Prozent aus Wasser, was zeigt, wie wichtig dieses Element für den Körper ist. Flüssigkeitsmangel führt zu einer frühzeitigen Hautalterung, zu Konzentrationsmangel und belastet die Nieren. Täglich sollten deshalb etwa sechs Portionen à 300 ml Flüssigkeit aufgenommen werden, entweder in Form von (Mineral-)Wasser, ungesüßten Tees oder verdünnten Obst- und Gemüsesäften. Da ein Teil der sekundären Pflanzenstoffe bei der Saftproduktion durch den Filtervorgang verloren geht, ist es ratsam, möglichst selbst gepresste herzustellen oder zumindest naturtrübe Säfte zu kaufen.


Essen mit Muße
Auch wenn es schnell gehen muss: Lieber bei der Zubereitung Zeit sparen und dafür das Gericht langsam essen. Werden Sie zum Gourmet, füllen Sie den Teller nicht bis zum Rand und genießen Sie dafür jeden Bissen. Dies fördert die Sinnlichkeit, lässt das Sättigungsgefühl rechtzeitig erspüren, das Essen wird besser verdaut und gibt Ihnen Energie und Vitalität!

Karin Possin - Ernährungswissenschaftlerin



Buchtipps: 

Vom richtigen Essen
Ernährung im Einklang mit den vier Elementen, mit Rezeptteil, Karin und Roland Possin, Hugendubel Verlag, 14,90 €

Essen Sie sich gesund!
Von Allergie bis Übergewicht, Karin und Roland Possin, Hugendubel Verlag, 14,90 €

Essen wir uns gesund!
Barbara Rütting, Goldmann Verlag, 18,95 €

Gewicht im Griff – Das
Ernährungsprogramm zum Wohlfühlen, Verbraucherzentrale NRW, 14,90 €

Praxisbuch der gesunden
Ernährung – Iss dich fit!, Dr. Jörg Zittlau, Dr. Norbert Kriegisch, Südwest Verlag, 19,95 €

Gesund & fit –
Die leichte Küche, Otus Verlag, 5,00 € Foto: Mauritius





Ausgabe 4 / 2004