Was ist drin in Anti-Aging-Cremes?
Der Begriff Anti-Aging-Creme ist nicht gesetzlich geschützt und definiert. Jede Creme kann prinzipiell diesen Namen tragen. Der Hersteller meint damit eine Creme, die die Haut wieder jünger erscheinen lässt. Damit ist nicht gesagt, dass es sich um einen dauerhaften Effekt handelt. Man ist so jung wie man sich fühlt! Dementsprechend möchten viele Menschen – Frauen, wie auch Männer – das äußere Erscheinungsbild ihrem junggebliebenen Wesen angleichen und die natürliche Frische und Vitalität der Haut erhalten. „In 30 Tagen 50% Falten reduzieren“, „Jahrzehnte voller Schönheit“, „Eine Haut wie neugeboren“ – die Versprechen der Kosmetikhersteller klingen verführerisch. Bevor man sich jedoch für eines der – oft recht teuren – Produkte entscheidet, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Erfahren Sie hier, was Sie von Anti-Falten-Kosmetik realistisch erwarten können und welche Wirkstoffe sinnvoll sind.


Was können Anti-Aging-Cremes?


Warum verändert sich die Haut?
Die oberste Hautschicht ist nur ein zehntel Millimeter dünn. Darunter liegt die Lederhaut, deren Netz aus Eiweißstoffen, den Collagenfasern, Wasser speichert und die Haut elastisch hält. In diese Schicht führen feinste Blutgefäße, die die Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen. Mit den Jahren lichtet sich – z. B. durch bestimmte UV-Anteile in der Strahlung der Sonne oder von Solarien – das Collagenfaser-Netz. Dies hat zur Folge, dass weniger Feuchtigkeit gespeichert werden kann. Ferner verschlechtert sich bei den meisten Menschen die Durchblutung, und die Haut wird über die feinen Haargefäße nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.


Tatsache ist, dass der Prozess der Hautalterung und somit auch die Faltenbildung zwar vor allem von unserer Lebensweise abhängen, aber nicht grundsätzlich verhindert werden können, auch nicht durch Spezialrezepturen aus Tiegeln und Töpfchen. Von guten Anti-Falten-Cremes können Sie aber zum einen erwarten, dass bestimmte Inhaltsstoffe die Haut vor zellschädigenden Freien Radikalen schützen und gegen die UV-bedingte Hautalterung helfen. Vor allem aber können die Produkte Fältchen vorübergehend glätten und Falten reduzieren, wenn auch nur für relativ kurze Zeit. Wie erreichen sie das?

Feuchtigkeit strafft Fältchen
Die meisten Produkte enthalten zahlreiche Wirkstoffe, die den Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbessern und diese somit für Stunden straffen. Diese Wirkung dauert allerdings nur so lange an, bis die Feuchtigkeit durch die Hautoberfläche wieder verdunstet ist, d. h. wenige Stunden. Hochwertige Cremes können aber noch mehr. Im normalen Stoffwechsel entsteht laufend eine begrenzte Anzahl Freier Radikaler. Auch durch starke UV-Strahlung und Stress werden diese vom Körper selbst erzeugt. Chemikalien, Smog, Zigarettenrauch und andere Schadstoffe in der Luft und aus der Nahrung führen zur Bildung von Freien Radikalen in der Haut. Sie schädigen die Eiweiße und Fettmoleküle, die die Haut geschmeidig halten, greifen die Erbanlagen an und bauen Collagen und Elastin – die Grundsubstanz der elastischen Fasern des Bindegewebes – ab. Anti-Falten-Cremes können durch bestimmte Inhaltsstoffe im Kampf gegen zellschädigende Freie Radikale nützlich sein. Allerdings dürfen diese Stoffe in Kosmetika nur in geringer Dosierung eingearbeitet werden, da sie sonst als Arzneimittel einzustufen und somit zulassungspflichtig wären.


Eine Auswahl sinnvoller Wirkstoffe mit Pflegeeffekt:

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  Vitamin E
Vitamin E ist ein Gegenspieler zellschädigender Freier Radikaler in der Haut. Seine Aufgabe ist es, die durch UV-Strahlung verursachten Schäden zu verhindern bzw. abzuschwächen.

Vitamin C
Vitamin C schützt die Haut vor allem vor Freien Radikalen. Es fördert zudem die Durchblutung der Haut. Vitamin E und C arbeiten bei der Radikalenbekämpfung eng zusammen.


Harnstoff, Glycerin und
Hyaluronsäure versorgen
die Haut mit Feuchtigkeit.
Hyaluronsäure
Hyaluronsäure ist ein Wirkstoff, den der Körper auch selbst bildet. Sie regt die Bindegewebszellen in der Haut an, Collagen und andere wesentliche Substanzen zu bilden und verbessert die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Pflegeprodukte mit Hyaluronsäure sind daher für reife und trockene Haut gut geeignet. Hyaluronsäure wird übrigens auch zur kosmetisch-medizinischen Unterspritzung und damit zur Falten-Aufpolsterung von von innen verwendet. Über eine Weiterentwicklung der Faltenunterspritzung mit einem verbesserten Hyaluronsäure-Füllmaterial können Sie sich hier informieren.
Coenzym Q 10
Q 10 ist ein vitaminähnliches Co-Enzym. Es wirkt gegen Freie Radikale und schützt die Haut vor Umwelteinflüssen wie Ozon, UV-Strahlung und Zigarettenrauch, die den Alterungsprozess beschleunigen. Es wird vom Körper selbst gebildet, die Produktion nimmt aber ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich ab.
Harnstoff / Urea
Harnstoff trägt dazu bei, einen trockenen Hautzustand zu verbessern und zu normalisieren, da er stark Wasser bindet und nach dem Auftragen direkt in die Hornzellen der Haut eindringt. Durch die vermehrte Wassereinlagerung in den Zellen quillt das Gewebe auf – was zur Ablösung der Hornschichten von der Hautoberfläche führt. Fazit: Die Haut wird glatter. Allerdings sollte man bei der Anwendung auf trockener, aber gesunder Haut darauf achten, dass die Harnstoff-Konzentration im Produkt höchstens 5 %, ab 55 Jahren maximal 2 %, beträgt. Höher konzentrierte Zubereitungen weichen die Hornhaut zu stark auf.

Glycerin
Die wertvolle Eigenschaft von Glycerin besteht darin, eine atmungsaktive Schicht auf der Haut zu bilden, die Wasser anzieht. Dadurch wird trockener Haut vorgebeugt. Spannungsgefühle und Trockenheitsfältchen werden gemildert. Die Haut wirkt erfrischt und belebt.
Die Wasserspeicher in der Aloe machen die Pflanze prall und fest. Wegen ihrer Fähigkeit, auch die menschliche Haut mit Feuchtigkeit anzureichern, werden Wirkstoffe aus der Aloe in der Kosmetik zur Straffung der Haut verwendet. Pflanzenextrakte wie Aloe Vera führen der trockenen Haut auf natürliche Art Feuchtigkeit zu, straffen sie und verbessern die Durchblutung. Ferner können einige weitere Inhaltsstoffe zur Straffung der Haut beitragen. Süßholz, Traubenkernöl, Soja, etc. sind in einigen Cremes enthalten und wirken vermutlich auch hautglättend bzw. mindern Schäden durch UV-bedingte Freie Radikale. Die Wirkung ist allerdings noch nicht erwiesen.

Naturkosmetik im Trend

Auch Naturkosmetik-Hersteller werben mit einem gewissen Lifting-Effekt für ihre Produkte. So werden hier teils „exotische“ Wirkstoffe wie Tigergras, Schlangenwurzel, Algin und Shiitake-pilz-Extrakt verwendet. Sie sollen die Hautregeneration stimulieren und deshalb wie ein Mini-Lifting wirken. Wer Naturkosmetik im Reformhaus oder Bioladen kauft, kann zumindest sicher sein, dass tatsächlich alle Rohstoffe natürlich und rückstandsarm sind sowie vornehmlich aus ökologischem Anbau stammen. Rohstoffe vom toten Tier und Tierversuche sind nicht zugelassen.


Ziele der weiteren Forschung
Das neue Konzept vieler Anti-Aging-Cremes: Falten werden durch die Anregung körpereigener Funktionen, wie die Collagen- und Hyaluronsäureproduktion, geglättet.  Die Kosmetikforschung geht ständig neue Wege auf der Suche nach wirksamen Ingredienzien und Methoden. So galt das Protein Collagen lange Zeit als gutes Mittel zur Faltenreduktion. Inzwischen wurde erkannt, dass die Collagen-Moleküle zu groß sind, um in die tieferen Hautschichten einzudringen. Collagen-Cremes machen deshalb wenig Sinn. Eine faltenglättende Wirkung könnte nur mit zerstörten, kleinen Molekülen erreicht werden. Ein einfacherer Weg ist die Anregung der körpereigenen Collagenproduktion z. B. durch die Vitamine A und C. Auch andere körpereigene Funktionen der Haut, wie die Hyaluronsäureproduktion, lassen sich heute bereits durch Sojaextrakte stimulieren.


Fett & Feuchtigkeit als Basispflege

Nicht nur die speziellen Inhaltsstoffe von Cremes sind für die Pflege der Haut wichtig, sondern auch der Fettgehalt. Die Talgproduktion verringert sich nämlich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr um mehr als die Hälfte. Für die Basispflege ist bei trockener Haut eine eher fetthaltige Tagescreme (Wasser-in-Öl-Emulsion) am besten. Sie legt sich wie ein Film auf die Haut und hilft ihr, die Feuchtigkeit zu speichern. Feuchtigkeitscremes mit einem hohen Wasseranteil (Öl-in-Wasser-Emulsionen) sind dagegen für sehr trockene Haut weniger geeignet, weil sie der Haut Wasser entziehen und sie langfristig auslaugen. Männern hingegen genügt oftmals diese Feuchtigkeitscreme, da die männliche Haut durch das Hormon Testosteron, im Vergleich zur weiblichen, dicker ist und mehr Fett speichern kann.

Ganz gleich, welche Anti-Aging-Produkte Sie für Ihre Haut wählen: Vermeiden Sie Nikotin, Alkohol, emotionalen Stress und gönnen Sie Ihrer Haut ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung. Denn das größte Organ unseres Körpers wird vor allem von innen mit Nährstoffen versorgt. Obst und Gemüse liefern wertvolle Vitamine. Viel trinken und Bewegung an der frischen Luft – vor allem an feuchten Tagen – sind ebenfalls „Schönheitselixiere”.

Gabriele Hellwig




Ausgabe 2 / 2006