Liebe per Mausklick
Partnersuche im Internet









Sportvereine, Kneipen oder Tanzveranstaltungen haben als zwischenmenschliche Kontakthöfe offenbar an Bedeutung verloren – immer häufiger helfen Computer und Internet bei der Suche nach der großen Liebe.
Nach aktuellen Untersuchungen und Umfragen lernt sich heute bereits jedes fünfte Paar in Deutschland über das World Wide Web kennen – Tendenz steigend. Internet-Dating, wie es modern heißt, ist längst salonfähig geworden. Der Markt hat darauf reagiert: Die Suchmaschine Google liefert beim Stichwort „Partnerbörsen“ über 7,5 Millionen Treffer – vom lokalen Angebot einer Stadtzeitschrift bis zu bundesweiten Unternehmen. Verschiedene Studien zeigen, dass inzwischen mehr als fünf Millionen Singles jeden Alters Online-Dating-Angebote nutzen. Bei mehreren tausend Vermittlungsbörsen fällt es schwer, den Überblick zu behalten.


Seriöse Anbieter erkennen

 


 

Schon der Einstieg in die unübersichtliche Online-Welt mit all den Verheißungen von Liebesglück ist nicht ganz einfach. Von den vielen Anbietern, die Google bei einer Anfrage nach Partnervermittlungen liefert, bleiben nach genauer Betrachtung meist nicht mehr als eine gute Handvoll übrig. Denn viele Angebote sind unseriös – versprechen schnellen Sex oder verlangen hohe Gebühren für zweifelhafte Telefonnummern. Auf jeden Fall sollten Interessenten bei ihrer Online-Suche die Seriosität der Anbieter überprüfen. Vertrauenswürdige Websites erfüllen zumindest die gesetzlichen Vorschriften und haben ein Impressum mit Kontaktdaten, Namen der Ansprechpartner und Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Fehlt all dies, gilt: Finger weg!


Welche Internetseite ist die richtige?

Mit Freude und niveauvoll im Internet flirten - eine gute Auswahl an seriösen Online-Seiten macht dies möglich.

Einen guten Einstieg bietet die Internetadresse www.singleboersen-vergleich.de. Hier werden verschiedene Anbieter unter die Lupe genommen. Interessenten bekommen einen schnellen Überblick über die Anzahl der Mitglieder, Qualität und Kosten. Gerade die Gebühren für die Partnersuche sind ganz unterschiedlich. Manche Plattformen sind für alle Teilnehmer gratis, bei anderen müssen nur Männer bezahlen, wieder andere kosten für alle Suchenden das Gleiche. Sinnvoll ist auf jeden Fall der Blick auf Teilnehmerzahl und Altersverteilung. Was nützt es schon, wenn eine Kontaktbörse eine halbe Million Singles im Alter von Mitte 20 als Mitglieder hat, der Interessent selbst aber mit Anfang 60 in einem ganz anderen Altersbereich sucht? Andererseits kann auch eine große Plattform sinnvoll sein: Bei Parship etwa sind 15 Prozent der 1,5 Millionen Mitglieder über 50. Das sind immerhin 225.000 Menschen. Die relativ neuen Partnerbörsen speziell für diese Altersgruppe sind meist erst im Aufbau und haben oft nicht einmal halb so viele Mitglieder.


Börse oder Vermittlung?

Online-Dating-Seiten grenzen sich durch unterschiedliche Konzepte ab: Partnervermittlungen, Single-Chats und Kontaktbörsen. Bei einer Kontaktbörse wie DatingCafé oder Yahoo Dating präsentiert sich ein Nutzer mit einem eigenen Text und Foto und wartet, bis sich ein Interessent bei ihm meldet. Natürlich kann sie oder er auch selbst nach möglichen Partnern suchen. Bei Partnervermittlungen wie Parship.de oder DerZweiteFruehling.de hingegen wählt nicht der Single selbst die passenden Personen aus, sondern der Anbieter. Nach detaillierten Angaben zur eigenen Person und den gewünschten Eigenschaften eines Traumpartners werden Mitglieder einander zugeordnet. „Matching“ heißt das in der Branchensprache. Zusätzlich wird über jeden Teilnehmer eine eigene Seite mit Foto und persönlichem Text angelegt.


Ernstgemeinte Kontakte gefragt

Viele neue Anbieter arbeiten mittlerweile für spezielle Personengruppen. So steigt gerade das Angebot für Singles ab 40 Jahren. In dieser Altersgruppe sind die meisten auf der Suche nach wirklich ernsthaften Kontakten. Marktschreierische Angebote schrecken Personen dieses Alters, so Dr. Roger Eisen – Gründer von Enita.de –, eher ab. Der Allgemeinmediziner hat die Plattform ins Leben gerufen, weil ältere Patienten sich bei ihm über das Chaos beim Online-Dating beschwerten. Innerhalb von drei Monaten haben sich 2000 Mitglieder von diesem Konzept überzeugen lassen, täglich kommen zwischen 60 und 70 dazu. Ähnlichen Erfolg verzeichnet Simone Scholz von Charmage.de. Diese Kontaktseite gibt es zwar erst seit Ende 2005, aber ganz ohne Werbung hatte sie im Februar schon 1250 Mitglieder. Alle Teilnehmer sind sicher älter als 50 – ohne diesen Nachweis kommt man nicht in den geschlossenen Bereich. „Diese Menschen wissen, was sie wollen. Um diese Klientel zufrieden zu stellen, muss man seriös sein“, sagt Scholz.
Die größte Partnerbörse ausschließlich für lebenserfahrene Kontaktsuchende ist derzeit DerZweiteFruehling.de. Sie existiert seit Oktober 2003 und hat mittlerweile über 150.000 Mitglieder. Geschäftsführer Steffen Haas setzt auf einen ausführlichen Partnerschaftstest, der eigens an der Universität Mannheim entwickelt wurde. Haas: „Unsere Teilnehmer haben schon mehrere feste Beziehungen hinter sich, sie möchten nichts Oberflächliches.“ Also fragt dieser Test sogar Kleinigkeiten ab – zum Beispiel, ob die Kandidaten gern bei offenem Fenster schlafen.


Keine technischen Barrieren beim Zugang

Ein wichtiger Punkt, gerade für ältere Internetnutzer, ist die leichte Les- und Bedienbarkeit. „Dazu gehören zum Beispiel eine veränderbare Schriftgröße, deutliche Kontraste und angenehme Farben“, erklärt Sven Exter von 50plus-treff. de. „Die größte Hemmschwelle ist oft die technische. Aber die wird meist mit Erfahrungen am Arbeitsplatz oder mit Hilfe von Verwandten oder Bekannten überwunden.“ Zusätzlich stellen die meisten Anbieter ihren Kunden Hotlines und Hilfe per E-Mail zur Verfügung.






Sich selbst ins rechte Licht rücken

Fotos und möglichst viele persönliche Informationen erhöhen die Chance
den richtigen Partner zu finden.
Bei der Online-Partnersuche sollten Menschen keine Scheu haben, persönliche Fotos und Informationen ins Netz zu stellen. Wer viel von sich preisgibt, steigert die Chance, einen passenden Partner zu finden. Um zu erkennen, wie interessant man für andere Suchende ist, haben viele Singlebörsen sogar eine Art Attraktivitätsmesser eingebaut. An der Skala lässt sich ablesen, mit wie vielen Interessenten zu rechnen ist. Aber Offenherzigkeit ist nicht jedermanns Sache. Vorsichtige können zum Beispiel die eigenen Fotos erst dann für andere Nutzer freigeben, wenn sie diese nach einem ersten Kontakt für vertrauenswürdig halten. Der Name und die persönlichen Daten sind auf jeden Fall geschützt, alle Mitglieder sprechen sich anfangs mit Spitznamen oder Codenummern an. Der Kontakt läuft über „Postfächer“, die nur nach Angabe der Zugangsdaten abrufbar sind. Einige Anbieter wie DerZweiteFruehling.de bieten sogar die Möglichkeit, anonym miteinander zu telefonieren. So muss man seine private Telefonnummer nicht bekannt geben, kann aber trotzdem mit anderen sprechen.


Spannung vor dem ersten Treffen

In der Anonymität sehen viele den großen Vorteil der Partnersuche im Internet. Singles können Vorlieben und Abneigungen eines anderen bereits relativ gut kennen lernen, bevor sie sich im wahren Leben treffen. In den Porträts, die zu den persönlichen Seiten der Kontaktwilligen gehören, steht oft sehr detailliert, um was für einen Menschen es sich handelt. Die Teilnahme an Singlebörsen kostet zwischen 50 und 200 Euro im Jahr – viel weniger als Singlereisen, Tanzkurse oder gar ein traditionelles Partnerinstitut. Einige Angebote sind sogar kostenlos. Das alles lädt zu langem und häufigem Umschauen in den Partnerbörsen ein – gemütlich und ohne Stress, vielleicht mit Freundinnen oder Freunden zusammen am heimischen Computer. Zu einer funktionierenden realen Zweierbeziehung kann es allerdings nur kommen, wenn die Suchenden irgendwann die schützende Deckung von Spitzname und Codenummer verlassen. Zwar ist es im Internet gerade für Schüchterne viel einfacher als in der Kneipe, auf Unbekannte zuzugehen. Aber es kann auch passieren, dass sich Interessierte immer wieder zurückziehen, wenn es ernst wird und sie sich der Beziehungswirklichkeit stellen müssten. Warten Partnersuchende zu lange, entsteht möglicherweise ein Traumbild, das so gar nicht den Tatsachen entspricht.


Möglichkeiten zum Rückzug sichern

Sie haben einen interessanten Menschen im Internet kennengelernt? Dann heißt es: Pseudonym ablegen und Treffen arrangieren. Nur so geben Sie einer Beziehung eine reelle Chance.
Günstig für ein erstes Treffen sind neutrale Orte wie ein Café oder ein belebter Platz. Hier können beide Partner abschätzen, wie sympathisch sie sich wirklich sind und ob sie überhaupt längere Zeit miteinander verbringen möchten. Wer sich gleich beim ersten Treffen zu einem 5-Gänge-Menü verabredet, hat Schwierigkeiten beim schnellen Aufbrechen. Ob einem der Online-Kandidat wirklich gefällt, weiß keiner. Frauen wird häufig empfohlen, bei einer Freundin die Daten des Treffpunkts zu hinterlegen. Auch ein Anruf auf dem Handy während des ersten Treffens hat sich bewährt: Er bietet möglicherweise die willkommene Gelegenheit, das Rendezvous zu beenden. Aber vielleicht läuft das erste Treffen auch ganz anders. Der Computer kann die vielfältigen Reize, die zur Liebe gehören, nicht ersetzen, aber wenn sich suchende Singles von Angesicht zu Angesicht kennen lernen, sich sehen, sich riechen, sich fühlen, kann es tatsächlich funken.


Buchtipps:
100 clevere Tipps: Flirten im Internet. Erfolgreiche Partnersuche. Für Anfänger und Fortgeschrittene, Markus Pliessnig, Humboldt Verlag, 7,90 €
Online-Dating – So finden Sie Ihren Traumpartner, Eric Hegmann, Mosaik, 7,90 €
P@rtnersuche im Internet, Bela von Alth, Südwest Verlag, 9,95 €
www.Traumprinz..., Erfolgreiche Partner/in-Suche durch Internet, Kontaktanzeigen, Ehe-Institute, Dorothee Döring, Herbig, 14,90 €


Britta Freith



Ausgabe 3-4 / 2006