Krank durch Übersäuerung?

So erreichen Sie Ihre Säure-Basen-Balance

Müdigkeit, Rückenschmerzen, Rheuma, Herzinfarkt und Krebs haben häufig mit einem Problem zu tun, das uns alle betrifft: Übersäuerung. Lesen Sie, was Sie dagegen tun können.


„Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen“, sagt das Sprichwort. Aber was, wenn die guten Tage sich zu Monaten, Jahren oder gar Jahrzehnten ausweiten? Es geht uns – den Menschen in den postindustriellen Gesellschaften des Westens – so gut wie nie, zumindest, was die Ernährung und die Lebensweise betrifft. Wir müssen nicht hungern, nicht übermäßig schwere körperliche Arbeit verrichten. Und gerade deshalb geht es vielen von uns so schlecht.



Wohlstand macht sauer



Säurekistalle unter dem Mikroskop: Da sie im schlimmsten Fall den Transport des lebenswichtigen Sauerstoffs von der Lunge in die Körperzellen verhindern, werden überschüssige Säuren als „Gefahrengut“ im Bindegewebe, Muskeln und Gelenken zwischengelagert.

Viele unserer gesundheitlichen Probleme haben mit dem Wohlstandsfaktor Übersäuerung zu tun, der das Entstehen einiger Krankheiten begünstigt. Die richtige Balance zwischen Säuren und Basen ist die Grundlage für einen funktionierenden Organismus. Die Stoffwechselprozesse in unserem Körper werden von über 2000 Enzymen, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen gesteuert. Je nach Ort, Organ und Enzymen wird ein ganz bestimmter optimaler Säurewert (pH-Wert) benötigt. Verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen, werden Stoffwechselprozesse gestört. So kann die Übersäuerung an einer Reihe von Krankheiten beteiligt sein: an Magengeschwüren ebenso wie Herzrhythmusstörungen, Muskel- und Gelenkrheuma, chronischer Müdigkeit, nachlassender Merkfähigkeit des Gehirns, Schlaganfall und auch Krebs, der nur in einem sauren Milieu entstehen kann. Übersäuerung ist eine schleichende Volkskrankheit, die sehr lange Zeit unbemerkt bleibt, denn der menschliche Körper hat Möglichkeiten, die Belastung durch organische Säuren über viele Jahre hinweg auszugleichen. Doch irgendwann schlägt er Alarm.

Ursachenforschung
Wie es zur Übersäuerung kommt? Nahrungs- und Genussmittel erzeugen im Körper Säure. Beispielsweise entsteht durch den Stoffwechsel in allen Körperzellen Kohlensäure. Bei der Verarbeitung von pflanzlichem, aber vor allem von tierischem Eiweiß entstehen Phosphor- und Schwefelsäure. Verstärkt wird diese Wirkung noch durch beruflichen Stress und durch Bewegungsmangel. Stress fördert nämlich ebenso wie Säure die Bildung des Stresshormons Adrenalin und des Schilddrüsenhormons Thyroxin. Und fehlende Bewegung verringert die Möglichkeit, die anfallenden Säurestoffe durch verstärkte Atmung oder Schwitzen auszuscheiden.

Ausgleichsmechanismen
Normalerweise neutralisiert der menschliche Organismus solche Säuren, wie sie durch den übermäßigen Genuss von Fleisch, Wurst, Käse und Zucker entstehen, problemlos: Er benutzt dazu Mineralstoffe, die er sich aus pflanzlicher Nahrung holt: Kalzium, Kalium, Natrium, Magnesium und Eisen. Diese Stoffe gehen mit den Säuren harmlose Verbindungen ein, die dann gut ausgeschieden werden können. Enthält die Nahrung aber zu wenige solcher basisch wirkenden Stoffe, werden die entstehenden Säuren hauptsächlich im Bindegewebe, später dann auch in Muskeln und Gelenken zwischengelagert. In diesem Stadium werden beispielsweise anscheinend grundlose Beschwerden wie Rückenschmerzen, Weichteilrheuma oder ein Tennisarm begünstigt. Während das Bindegewebe eine verhältnismäßig große Menge dieser Säuren verträgt, ist das Blut besonders säureempfindlich: Ein erhöhter Säuregehalt würde den Transport des lebenswichtigen Sauerstoffs von der Lunge in die Körperzellen behindern. Deshalb behilft sich der Körper in seiner Not, indem er Kalzium aus den Knochen löst, um entstehende Säuren zu neutralisieren.



Die Meinung vieler, säurehaltige Früchte würden die Übersäuerung verstärken, stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Fruchtsäuren führen zu einer verbesserten basischen Stoffwechsellage.

Heilsame Gegenkraft: die basische Ernährung
Der menschliche Organismus bildet zwar Säuren – basische Stoffe zur Neutralisierung bekommt er aber ausschließlich von außen, vorwiegend aus pflanzlichen Nahrungsmitteln. Etwa aus Kartoffeln, aus Wurzel-, Knollen-, Stauden- und Blattgemüsen, aus allen Obstsorten und teilweise auch aus Getreide. Zur Ergänzung der Nahrung können auch basische Mineralstoffpräparate eingenommen werden, die es als fertige Pulver oder Tabletten in Drogeriemärkten und Apotheken gibt. Die landläufige Meinung, säurehaltige Früchte wie Zitronen, Orangen oder Rhabarber würden die Übersäuerung verstärken, stimmt übrigens nicht. Im Gegenteil: Fruchtsäuren führen ebenso wie Milchsäure aus Joghurt oder Sauerkraut zu einer verbesserten basischen Stoffwechsellage.


Wie Säuren im Körper wirken

Körperfunktion Bei Übersäuerung Bei basischer Lage
Blutdruck Erhöht sich Sinkt
Atmung Beschleunigt sich Beruhigt sich
Körpertemperatur Erhöht sich Vermindert sich
Schlaf Einschlafprobleme trotz Müdigkeit Gesunder, erholsamer Schlaf
Hormone Verstärkte Bildung von Adrenalin, Thyroxin und Östrogen Anstieg von Insulin und Gallenwirkstoff Cholin
Entzündungen Anfälligkeit erhöht Anfälligkeit niedrig
Leistungsfähigkeit Mattigkeit, rasche Ermüdung Spannkraft, erhöhte Ausdauer
Stimmung Missgelaunt, depressiv Unternehmungslustig, gute Laune



Genießer müssen nicht sauer sein



Bei falscher Lebensweise bildet der Mensch zwar Säuren im Übermaß. Basische Stoffe, die wichtigen Gegenspieler, kann er sich allerdings nur von außen zuführen. Sie sind vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, wie Kartoffeln, Wurzel-, Knollen-, Stauden- und Blattgemüsen.

Wer seinen Organismus von der Übersäuerung befreien und den Anteil basischer Substanzen erhöhen will, muss aber nun nicht aufhören, sein Leben zu genießen. Es geht lediglich darum, bei der Ernährung die Zusammensetzung der Mahlzeiten zu ändern. Mit anderen Worten: darauf zu achten, dass dem Organismus genügend basische Mineralstoffe zugeführt werden, damit er nicht immer weiter die entstehenden Säuren im Bindegewebe, den Muskeln und Gelenken deponieren muss. Um die Säure-Basen-Balance zu halten, gibt es eine ganz einfache Daumenregel: Essen Sie immer viermal so viele Nahrungsmittel, die basisch wirken, wie Säurebildner. Also weniger Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte, stattdessen aber reichlich Gemüse in allen Variationen, Obst, Kartoffeln, Nudeln und Reis. Letztere wirken zwar schwach sauer, aber sie enthalten wertvolle Mineralstoffe. Fette verhalten sich säureneutral.

Auf die richtige Mischung kommt es an
Natürlich sind Säuren zum Teil auch lebensnotwendige Bestandteile unseres Körpers. Aber sie müssen im richtigen Verhältnis stehen. Der Steinzeitmensch ernährte sich, wie wir heute wissen, einerseits von seiner Jagdbeute, andererseits aber von Wurzeln, wild wachsendem Gemüse, Beeren, Nüssen und Körnern. Und zeitweise hatte er gar nichts zu beißen. Sein Getränk war Quellwasser. Und seine Hauptbeschäftigung war körperliche Bewegung – auf der ständigen Suche nach Nahrung. Auf diese Weise blieb er im Säure-Basen-Gleichgewicht. Denn auf üppige Zeiten folgten immer wieder auch Hungerperioden, in denen alle bestehenden Säureüberschüsse abgebaut werden konnten. Also heißt die nächste Empfehlung: Legen Sie gelegentlich einen Fastentag ein. Und verschaffen Sie sich regelmäßig körperliche Bewegung, damit verstärkt Säuren ausgeschieden werden können. Lunge, Niere, Darm und Haut sind die entscheidenden Ausscheidungsorgane für die Gifte des von Säure geplagten modernen Menschen.


Besonders wichtig für einen ausgewogenen Säure-Basen-Haushalt ist das richtige Trinken.
Wasser: eine Barriere gegen Übersäuerung
In vielen Städten erfüllt übrigens schon das Trinkwasser diese Bedingungen. Erkundigen Sie sich am besten bei den Stadtwerken. Ansonsten gilt: Genießen Sie Alkohol in möglichst kleinen Mengen, halten Sie sich bei Kaffee zurück, denn er fördert die Ausscheidung von Kalzium. Alle zuckerhaltigen Getränke sollten gemieden werden. Ungesüßte Fruchtsäfte und Kräutertees sowie Gemüsesäfte sind dagegen zu empfehlen.
Wie sauer darf der Mensch sein?



Ein wichtiges Organ, über das der Mensch überschüssige Säuren ausscheidet, ist die Haut. Durch verstärkte Atmung und Schwitzen - wie beim Sport oder auch in der Sauna - werden diese ausgesc
hieden.

Wie sauer darf der Mensch sein? Der gesamte Organismus des Menschen funktioniert am besten im neutralen oder basischen Bereich – mal abgesehen vom Magen, der mit Hilfe von Salzsäure selbst die zäheste Nahrung zerlegt, und von der Haut, die einen Säureschutz zur Abwehr von Krankheitserregern aufweist. Säuren und Basen werden nach dem so genannten pH-Wert eingestuft, einer Skala, die von 1 bis 14 reicht. Genau in der Mitte liegt die neutrale 7. Dieser Wert ist weder sauer noch basisch – reines Wasser hat diesen Wert. Je niedriger der Wert, desto saurer, je höher er liegt, desto basischer ist das Milieu. Das Blut des Menschen hält sich mit einem pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 deutlich im basischen Bereich. Der Speichel ist mit 7,1 bis 7,0 leicht basisch bis neutral. Muskeln und die Zellen der Organe sind mit 6,9 sogar etwas sauer, weil durch den Stoffwechsel hier permanent Säure entsteht. Das Verdauungssekret der Bauchspeicheldrüse ist mit 8,0 schon stark basisch – das ist nötig, um die Magensäure (pH 1,2 bis 3,0) im Zwölffingerdarm zu neutralisieren.


Erfolgserlebnisse
Studien haben gezeigt, dass schon eine dreiwöchige Ernährungsphase mit gezielter Zufuhr von basischen Mineralstoffen dazu führte, dass sich Beschwerden der Teilnehmer wie Nackenschmerzen, Muskelverspannungen, Gelenkschmerzen, Herzjagen, Erschöpfung, Schlafstörungen, übermäßiges Schwitzen oder Abnahme der Merkfähigkeit deutlich verringerten. Der Blutdruck sank, die Fähigkeit zur Stressverarbeitung wuchs, körperliche Fitness und gute Laune stiegen an. So gesehen ist das innere Milieu eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts eine fundamentale Voraussetzung für unser Wohlbefinden und verdient höchste Aufmerksamkeit.


Norbert Treutwein


 Buch-Tipps: 

Gesundheit in Balance. Wie Sie Ihren Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht bringen, Petra Neumayer, Kamphausen, 2005, 9,80 €
Die pH-Diät. Schlank und gesund durch das Säure-Basen-Gleichgewicht, Robert O. Young, Shelley Redford Young, Stefanie Hutter, Goldmann, Jan. 2007, 9,95 €
Säure-Basen-Balance für Körper und Seele, Eva-Maria Kraske, Gräfe & Unzer, 2006, 16,90 €.
Natürlich gesund durch Säure-Basen-Gleichgewicht, Robert M. Bachmann, Trias, 2006, 14,95 €.
Schüßler-Salze, Günther H. Heepen, Gräfe & Unzer, 2004, 12,90 €

go longlife! gesund 01