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Mit
Freunden älter werden Innovative Konzepte für gemeinsames Wohnen |
Zeitlebens in den eigenen vier Wänden wohnen: Wie die aktuelle go longlife! Studie ergab, ist diese Art von selbstständigem Leben Ziel von rund 60 Prozent der 40- bis 70-jährigen Deutschen. Glatte 0 Prozent möchten ihre Zeit im Pflege- oder Altersheim verbringen. |
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| Um sich selbst vor Vereinsamung zu
schützen und trotzdem die Unabhängigkeit und
Selbstständigkeit zu wahren, suchen immer mehr Menschen nach einer
alternativen Wohnmöglichkeit. Gemeinschaftliche Wohnformen sind
hierfür ideal. Und sie werden immer beliebter. Seit den 70er Jahren ist eine bunte Vielfalt neuer Wohnformen entstanden. Unter Mottos wie „Älter werden mit Freunden“, „Wohnen mit Alt und Jung“, „Gemeinschaftliches Leben und Wohnen“ haben sich Initiativgruppen zusammengefunden, die eigene Wohn- und Lebensträume verwirklicht haben. „Im Unterschied zum Betreuten Wohnen werden diese Projekte nicht für, sondern von und mit den Bewohnern geplant“, sagt Gerda Helbig vom Bundesverband Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. (FGW) in Hannover. Das Interesse an den neuen Wohnmodellen steigt stetig: „1999 bearbeitete unser Verband nur 2000 Anfragen von Interessenten im Jahr, 2005 waren es bereits über 10.000“, berichtet Helbig. Bis zu 15.000 Menschen leben mittlerweile in alternativen Wohnformen, schätzt das Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Im Vergleich zu den über 200.000 Bewohnern betreuter Wohnanlagen eine Minderheit, aber eine rasch wachsende. Die Wohnmodelle bilden ein Experimentierfeld, das der Altenarbeit, der Wohnungswirtschaft und der Kommune neue Erfahrungen und innovative Impulse vermittelt. Wohlfahrtsverbände und Wohnungsunternehmen zeigen sich zunehmend interessiert an einer Kooperation mit Wohnprojektgruppen. |
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| Von der Alten-WG zum Siedlungsprojekt | |
![]() Inzwischen gibt es bundesweit Hunderte von Alten-Wohngemeinschaften für die untschiedlichsten Bedürfnisse. |
Bundesweit sind Hunderte von Projekten
entstanden, die
exakte Zahl kennt niemand. Keines gleicht dem anderen, sie sind so
verschieden wie die Vorstellungen ihrer Bewohner. Doch es haben sich
bestimmte Modelltypen entwickelt, die unterschiedlichen
Bedürfnissen
entsprechen. Vor allem in den 80er Jahren sind viele
Alten-Wohngemeinschaften gegründet worden, zum Beispiel in Hamburg
von
den „Grauen Panthern“ oder in Bielefeld und Göttingen
von der „Freien
Altenarbeit“ in Kooperation mit Bewohnern und
Wohnungsunternehmen. Seit
den 90er Jahren haben sich auch in den neuen Bundesländern Alten-Wohngemeinschaften
zusammengefunden, beispielsweise in Dresden über den „Verein
Alt-Werden in Gemeinschaft“ (AWIG e V.). |
| Nähe durch gemeinsamen Alltag | |
| Das
Konzept: Mehrere Menschen ziehen in eine geräumige Wohnung oder
ein
Haus, um sich gegenseitig im Alltag zu unterstützen. Jeder hat
sein
eigenes Zimmer oder auch Appartement, doch einige Wohnräume und
eine
Küche stehen allen zur Verfügung. Hier trifft man sich zum
Plaudern,
gemeinsamen Essen und Entspannen. Bei Pflegebedarf kommt ein ambulanter
Pflegedienst ins Haus. Die große menschliche Nähe innerhalb dieses Wohnmodells erfordert ein gutes Maß an Toleranz. Denn mit zunehmendem Alter pflegen viele Menschen Gewohnheiten, die nicht immer mit anderen harmonieren. Wenn sich überwiegend Gleichaltrige Zusammenfinden, besteht auch das Risiko der „Überalterung“: Die Wohngemeinschaft wird zunehmend hilfsbedürftig und verwandelt sich allmählich in eine Pflege-WG. Man sollte daher darauf achten, dass viele unterschiedliche Altersstufen vertreten sind. Allerdings gibt es seit den 90er Jahren auch Alten-Wohngemeinschaften, die speziell als Pflege-WGs angelegt sind, zum Beispiel für Demenzkranke. Meist lebt eine Gruppe von etwa acht Menschen zusammen, die von einem ambulanten Pflegeteam rund um die Uhr betreut wird. Jedes WG-Mitglied hat ein eigenes Zimmer und einen Mietvertrag. Angehörige und Nachbarn sind immer willkommen und können am Alltag teilnehmen. |
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Generationen-Wohnen |
| Zunehmender
Beliebtheit erfreuen sich generationsübergreifende
Hausgemeinschaften
mit eigenen Wohneinheiten für jede Altersgruppe in
unterschiedlicher
Größe. Diese Häuser unterscheiden sich von
normalen Wohnhäusern durch die gemeinschaftliche Projektplanung
einer Initiativgruppe, die oft schon Jahre vor dem Einzug beginnt. Ein
wichtiges Qualitätsmerkmal ist auch die barrierefreie Bauweise,
damit sich ältere Menschen mit Gehhilfen ebenso wie junge Eltern
mit Kinderwagen ungehindert im Haus bewegen können.
Gemeinschaftsräume laden zur Geselligkeit ein und werden von allen
gemeinsam finanziert. Hier finden Hausversammlungen, Feste und
Veranstaltungen statt. Angestrebt wird eine gute, aktive Nachbarschaft,
in der Alt und Jung sich gegenseitig helfen – auf freiwilliger
Basis. Bei Pflegebedarf werden ambulante Dienste hinzugezogen. Einige Hausgemeinschaften haben auch Pflegewohnungen integriert. Für die Finanzierung eines Hausprojektes bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an, die vom öffentlich geförderten Wohnungsbau bis zur privaten Eigentümergemeinschaft reichen. |
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| Tipps
für die Gründung eines Wohnprojekts: ● Erkundigen Sie sich nach Wohnprojekten in Ihrer Umgebung (s. Info-Kasten). ● Gibt es keine Projekte in der Nähe, finden Sie Gleichgesinnte über VHS-Kurse, Anzeigen o. Ä. - Wenn Sie als Gruppe ein Wohnprojekt gründen wollen, informieren Sie sich über bereits realisierte Wohnprojekte an anderen Orten und deren Erfahrungen. ● Klären und formulieren Sie präzise eigene Wohnvorstellungen und Zielsetzungen.- Lassen Sie sich so früh wie möglich in Sachen Rechtsformen und Finanzierungsmöglichkeiten beraten, z. B. bei den Regionalstellen des FGW (s. Info-Kasten), und wählen Sie dann eine Rechtsform. ● Konkretisieren Sie Ihr Konzept und Ihre Standortwünsche (wichtig: eine gute Infrastruktur). ● Planen Sie einen eventuellen Pflegebedarf im Alter mit ein, z. B. durch Kooperation mit Pflegeträgern. ● Klären Sie Ihre finanziellen Ressourcen und die Finanzierungsform des Projektes. ● Finden Sie Verbündete bei der Wohnungswirtschaft, der Kommune und Verbänden. ● Suchen Sie sich Kooperationspartner für die bauliche und wirtschaftliche Umsetzung. ● Professionelle Begleitung durch erfahrene Projektentwickler spart viel Zeit und Nerven. |
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Lebens-t-raum Gemeinschaft |
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Viele Wohnprojekte öffnen ihre
Gemeinschafseinrichtungen auch für andere Anwohner und Vereine und
beleben damit das Wohnumfeld. „Nicht selten bieten sie die
einzige
Chance, verwahrloste kulturhistorisch bedeutsame Orte zu erhalten und
damit den Quartieren wieder Leben einzuhauchen“, sagen die
„Wohnstrategen“, eine regionale Beratungsstelle für
gemeinschaftliches
Wohnen in Weimar. In Jahnishausen, einem Ortsteil von Riesa in Sachsen,
hat die Lebens-t-raum Gemeinschaft 2001 ein altes Rittergut ersteigert.
Den Grundstein für das generationsübergreifende Genossenschaftsprojekt legten sieben ältere Frauen. Heute leben und arbeiten dort 35 Menschen vom Kleinkind bis zur 71-Jährigen. Nach der Sanierung der Gebäude sollen es 75 Bewohner sein. Die Lebens-t-räumer ernähren sich aus eigenem Bio-Anbau. In der Alten Falknerei ist eine Büro- und Seminarorganisation untergebracht, und im Fachwerkhaus soll ein Betreuungsprojekt für alte Menschen entstehen. Auf dem Rittergut haben sich inzwischen kleine Gewerbebetriebe und Werkstätten angesiedelt. Eine heile Welt? Keineswegs: Alle gemeinschaftlichen Wohnprojekte erfordern ein hohes Maß an Engagement, Gemeinschaftsgeist und Bereitschaft, sich immer wieder mit anderen Auffassungen konstruktiv auseinander zu setzen. Manchmal muss ein externer Moderator die Wogen glätten. „Ich schätze diese Lebendigkeit“, sagt Marita Schneider. Die 65-Jährige lebt fast zwei Jahre auf dem Rittergut. „Hier wird man immer gefordert. Das hält total jung.“ |
![]() Interessenten und Investoren gesucht: Ingrid Gaupp nimmt die berühmten chinesischen Rundbauten zum Vorbild, um eine ideale Wohnform für das Alter zu schaffen. |
Chinatown
– von der Vision zur Realisation: Die berühmten Rundbauten der Hakka, einer Volksgruppe in Südchina, haben es Ingrid Gaupp angetan. Kreisförmig umschließen die mehrstöckigen Lehmbauten einen Innenhof, in dem sich das soziale Leben der Bewohner abspielt. Außen wie eine Burg, innen anheimelnd und kommunikativ – für die Münchner Geschäftsfrau ist dies eine ideale Wohnform im Alter. Sie möchte einen ähnlichen Gemeinschaftsbau in Deutschland errichten und sucht dafür noch weitere Interessenten und Investoren. Das Baumodell für einen ökologisch gestalteten Rundbau mit fünf Geschossen existiert schon: Im Erdgeschoss sind Büros und Gewerbeeinheiten eingeplant, ein kleines Hotel und ein Zentrum für chinesische Medizin sowie Pflegewohnungen. In den oberen Stockwerken liegen 150 barrierefreie Einzimmer- und einige Mehrzimmerwohnungen, die vom Innenhof über Aufzüge und breite Laubengänge zu erreichen sind. Unter dem Dach befinden sich auch für Außenstehende zugängliche Garküchen und Bistros, im begrünten Innenhof ein kleines Theater, ein Kreativraum und eine Schwitzhütte. In dem gemeinschaftlich verwalteten Wohnunternehmen sollen die Bewohner auch jenseits der Rente die Möglichkeit haben, in den Gewerbebetrieben mitzuarbeiten, „um ihre Rente aufzubessern und ihre Erfahrungen einzubringen“, sagt Ingrid Gaupp. Die Finanzierungsform und der Standort stehen noch nicht fest. Der Projektverein sucht Kooperationspartner. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.wohnprojekt-chinatown.de. |
| Ute
Krietenstein |
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![]() Lebens-t-raum Gemeinschaft Jahnishausen: Das Rittergut bietet mit seinem dazugehörigen Gelände Platz für mehr als 70 Menschen in allen Generationen. |
Infos
und Beratung zu Wohnprojekten: ● Forum Gemeinschaftliches Wohnen e. V. (FGW) Bundesvereinigung, Brehmstraße 1 A, 30173 Hannover Erstinformation per Post bei Einsendung eines frankierten Umschlags (0.55 ct) plus 3 Briefmarken à 0,55 ct (keine Wohnungsvermittlung) ● Vorgestellte Wohnprojekte - Alt-werden in Gemeinschaft (AWiG) e. V. Dresden, Tel. 0351 40 30 577, Herr Becke - WohnreWir Tremonia, Tel. 0231 45 89 40, Michael Urban - Lebens-t-raum Jahnishausen, Tel. 03525 51 78 51 - Wohnprojekt Chinatown, Tel. 089 44 84 31 6, Ingrid Gaupp ● Informationen über Wohnformen im Alter bei: Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), Köln, Tel. 0221 9 31 84 70 |
| Buchtipp:
● Ratgeber Leben und Wohnen im Alter, Stiftung Warentest in Kooperation mit KDA und Bertelsmann-Stiftung, 19,90 EUR |