Multitalent Haut
richtig schützen & pflegen

Mit Extratipps für Diabeteshaut



Die Berührungen und das Streicheln eines Menschen spüren. Die Umwelt wahrnehmen. Sonnenstrahlen und warmen Regen fühlen ... Die Haut vermittelt uns einen Großteil unserer Glücksgefühle.
Zudem hat sie zahlreiche Funktionen, die für unsere Gesundheit von enormer Bedeutung sind. Wichtig ist zu wissen, wie unsere Haut aufgebaut ist, was sie leistet, welche Pflege sie benötigt und was Hautveränderungen bedeuten können.



Schicht für Schicht unterschiedliche Funktionen

Das Zusammenspiel von drei Hautschichten – Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut – sorgt dafür, dass unsere äußere Hülle viele Funktionen gleichzeitig wahrnehmen kann. In ihrer gesamten Beschaffenheit ist die Haut also ein wahres Multitalent.


 Die Aufgaben der Haut:

 Sie wirkt wie eine Barriere des Körpers gegen Umwelteinflüsse,
schützt vor Kälte und Hitze, vor Krankheitserregern und Strahlung,
scheidet Schweiß (Kühlfunktion) und Stoffwechselprodukte aus,
speichert Nährstoffe und Wasser,
nimmt Wirkstoffe auf (z. B. Medikamente),
spürt Berührung, Druck, Wärme, Schmerz, etc.,
reguliert Kreislauf und Temperatur,
spiegelt das Gefühlsleben wider,
sendet Geruchsbotschaften aus,
repariert sich selbst bei Verletzungen.



Mit welchen typischen Zellen und Gewebestrukturen kann die Haut so viele Aufgaben erfüllen? Wie ist sie im Detail aufgebaut?

Die Oberhaut: Schutzschild des Körpers

Die äußerste Schicht, die Oberhaut oder Epidermis, ist in erster Linie für den Schutz zuständig. Sie besteht aus mehreren Lagen: Ihre oberste, aus abgestorbenem, verhorntem Gewebe, wird schnell „abgenutzt“. Die darunter liegende Basalschicht besteht aus lebenden Zellen, die sich unaufhörlich teilen. Auf diese Weise erneuern sich sämtliche Zellen der Oberhaut innerhalb von einem Monat. Wird die Haut verletzt, bildet die Basalschicht neue Zellen und verschließt die Wunde. Die unterste Schicht der Oberhaut enthält Pigmentzellen, die Melanin bilden. Dieser braune Farbstoff ist für die Hautfarbe und den Schutz vor Sonnenlicht verantwortlich.


Die Lederhaut: Elastizität und Gefühlszentrum

Der Name der zweiten Hautschicht verrät einiges über ihre Beschaffenheit – sie ist robust und doch elastisch. Die Lederhaut, auch Corium genannt, besteht aus zwei Lagen: Die obere enthält lockeres Bindegewebe, die untere besteht aus einem Netz elastischer Bindegewebsfasern. Sie sind es, die für die hohe Dehnbarkeit der Haut sorgen. Die Lederhaut ist mit einem verzweigten Geflecht von Blutgefäßen durchzogen, denn sie muss die gesamte, nicht durchblutete Oberhaut ebenfalls mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Hier liegen auch Tausende von Nervenfasern und -rezeptoren („Fühler“), die Reize wie Wärme, Kälte, Schmerz oder Druck an das Gehirn weiterleiten. In der Lederhaut befinden sich außerdem Schweiß- und Talgdrüsen, die wichtig für die Produktion des schützenden Fettfilms und somit für die Geschmeidigkeit der Haut sind.



Die Unterhaut: Wärme- und Energiespeicher

Die tiefste Schicht bildet die Unterhaut oder Subcutis. Sie besteht aus lockerem Bindegewebe, in das kleine Fettkissen eingelagert sind. Diese Fettschicht dient als Wärmeisolator, Nahrungsspeicher und Schutzpolster gegen Stöße. Die Unterhaut ist ebenfalls von Nervensträngen und Blutgefäßen durchzogen und auch mit Schweiß- und Talgdrüsen versehen.






Veränderungen der reifen Haut

Die Struktur der Hautschichten verändert sich im Laufe des Lebens. Das hängt damit zusammen, dass ab dem 40. Lebensjahr der Spiegel vieler Hormone (Östrogene, Progesteron, Wachstumshormon) im Körper auf natürliche Weise abnimmt. Die Haut wirkt nicht mehr so straff und rosig. Erste Fältchen bilden sich, da die Zellen weniger Flüssigkeit speichern. Zudem verläuft die Regeneration der Hautzellen langsamer, statt 27 dauert sie nun zwischen 40 und 60 Tagen. Aber nicht nur die Konzentration von Hormonen, auch die Menge anderer Körpersubstanzen ändert sich – und damit ändern sich auch weitere Eigenschaften der Haut: Der Hautfarbstoff Melanin wird in geringeren Mengen hergestellt, weshalb die reife Haut lichtempfindlicher ist. Mit Abnahme der kollagenen und elastischen Fasern verliert die Haut an Elastizität. Die Unterpolsterung nimmt ab, da weniger Fettkissen eingelagert sind. Die reife Haut wird insgesamt dünner, verletzlicher, anfälliger für Infektionen und heilt langsamer. Alle diese Veränderungen lassen sich nicht aufhalten, aber verlangsamen und zum Teil ausgleichen.


Generell gilt:
Vermeiden Sie hautschädigende Faktoren wie Rauchen, Schlafmangel, Stress und Unzufriedenheit – sie lassen die Haut schneller altern als nötig.




Die reife Haut richtig pflegen

Folgende Tipps helfen, Ihre Haut auf natürliche Weise elastisch und gesund zu halten:

Duschen ist ein Vergnügen für Körper und Seele. Ihre Haut dankt es Ihnen, wenn Sie zu häufiges, zu langes und zu heißes Duschen vermeiden. Die Faustregel lautet: maximal einmal pro Tag für 5 bis 10 Minuten.
Baden regeneriert und wirkt Stress entgegen. Einmal pro Woche bis zu 20 Minuten in der Badewanne zu liegen, ist empfehlenswert. Der Haut zuliebe sollte die Wassertemperatur 35-37° C nicht übersteigen. Schaumbäder trocknen sie besonders aus und sind nur bei fettiger Haut sinnvoll. Ein Ölbad hält die Haut geschmeidig und kann durch ätherische Zusätze entspannend oder anregend wirken. Danach nur vorsichtig trocken tupfen, um den Ölfilm nicht zu entfernen.
Verwenden Sie milde Waschlotionen und Cremes, die Feuchtigkeit und Fett enthalten. Auch zum Händewaschen rückfettende Waschprodukte gebrauchen.
Zur Reinigung der trockenen Gesichtshaut verwenden Sie am besten seifenfreie Produkte. Auf Gesichtswasser mit Alkohol sollten Sie lieber verzichten, da sie der Haut Feuchtigkeit entziehen. Cremen Sie Ihr Gesicht zwei Mal täglich mit fett- und feuchtigkeitshaltigen Cremes bzw. Lotionen ein.
Trinken Sie viel: Etwa zwei Liter Wasser, Früchtetee oder Saftschorle am Tag.
Nehmen Sie keine langen Sonnenbäder und verzichten Sie auf Besuche im Solarium.
Gönnen Sie Ihrer Haut viel frische Luft und ab und zu einen Saunabesuch. Beides regt die Durchblutung an.



Winterzeit – Hautpflegezeit

Die kalte Jahreszeit stellt für die Haut eine besondere Herausforderung dar: Trockene Heizungsluft, Kälte und Wind trocknen sie aus, machen sie spröde und rissig. Achten Sie ergänzend zur intensiven Hautpflege auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen (zwischen 40 und 60 Prozent). Stellen Sie dazu mit Wasser gefüllte Gefäße auf die Heizkörper. Ansonsten können Sie auch elektronische Verdunster, Ultraschall-Zerstäuber oder Verdampfer verwenden. Außerdem sind Zimmerpflanzen ideale Luftbefeuchter. Die Lippen brauchen eine zusätzliche Unterstützung durch spezielle Pflegeprodukte. Und: die Hände nicht vergessen. Den besten Schutz vor der kalten Winterluft bieten Handschuhe.  


Hauterscheinungen – was verbirgt sich dahinter?

Abhängig vom Hauttyp, aber auch von der Lebensweise und vom Alter, kann sich unsere Haut verändern. Neben den natürlichen Altersveränderungen kann sie auch erkranken. Etwa 3.000 Hautkrankheiten sind derzeit bekannt. Ob Flecken, Rötungen oder Schuppen, immer stellt sich die Frage: Sind diese Erscheinungen harmlos oder gefährlich? Was ist zu tun?

Sommersprossen und Altersflecken

Hellhäutige, blonde und rothaarige Menschen haben häufig Sommersprossen. Das sind Pigmentflecken der obersten Hautschicht. Sie entstehen aufgrund genetischer Veränderungen, durch die sich das Hautpigment Melanin unregelmäßig verteilt. Bei Sonneneinstrahlung vermehren sie sich. Altersflecken sind ebenfalls Pigmentflecken der obersten Hautschicht, jedoch größer als Sommersprossen. Es handelt sich um braune Flecken an Handrücken und Unterarmen oder im Gesicht. Sie können nach dem 40. Lebensjahr auftreten und sind Folge langjähriger Lichteinwirkung. Sommersprossen und Altersflecken können zwar von manchen Betroffenen als störend empfunden werden, sind jedoch harmlos. Medikamente wie Antiallergika oder Antibiotika können ebenfalls Pigmentflecken hervorrufen.


Muttermale und Melanome

Fast jeder Mensch hat Muttermale. Anzahl und Art sind genetisch bedingt und individuell verschieden. Muttermale, auch Leberflecken genannt, sind zumeist gutartige Fehlbildungen der Haut. Sie können alle Hautschichten betreffen, bei der Geburt bereits vorhanden sein, sich erst im Alter entwickeln, größer werden oder sich im Laufe des Lebens zurückbilden. Wenn vermehrt neue Flecken auftreten, sich die Form verändert, sie größer, dunkler oder unregelmäßiger werden oder die Flecken anfangen zu jucken oder zu bluten, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Er muss abklären, ob das Mal weiterhin gutartig ist. Muttermale können sich verändern und zum Melanom, dem schwarzen Hautkrebs, werden. 

Wenn Sie viele Muttermale haben, schützen Sie Ihre Haut ganz besonders vor Sonnenstrahlung und lassen Sie sie regelmäßig bei einem Hautarzt kontrollieren.



Hautkrebs: Diagnostik ganz ohne Operation
 
Auf dem letzten Weltkongress für Dermatologie in Buenos Aires, Argentinien, an dem knapp 13.000 Forscher aus aller Welt teilnahmen, stellte eine Forschergruppe aus Bochum eine neue Methode zur Erkennung von schwarzem Hautkrebs vor und erhielt dafür eine Ehrung. Der Nachweis dieser Hauterkrankung erfolgt bisher in der Regel unter dem Mikroskop. Dazu wird ein verdächtiges Muttermal operativ entfernt und untersucht, ob es gut- oder bösartig ist. Um diesen Eingriff zu vermeiden, benutzen die Bochumer Ärzte eine spezielle Ultraschall- sowie Lasertechnik, den so genannten Nanosekundenlaser. Mit dessen Hilfe wird das Melanin in einem Muttermal für kurze Zeit zum Leuchten gebracht und ausgewertet. Ziel der Untersuchung ist es, das Leuchten von gutund bösartigen Muttermalen zu unterscheiden. Diese Methode, die bereits in Laborversuchen getestet wird, funktioniert mit hoher Genauigkeit.


Hautpflege von innen

Um Ihrer Haut zusätzlich zur äußeren Pflege noch etwas Gutes zu tun, achten Sie auf eine gesunde, vitaminreiche Ernährung. Wichtig ist vor allem das Vitamin A, enthalten in Gemüse, wie z. B. Karotten, und frischem Obst, da es für die Hautbildung zuständig ist. Denn wird die Haut von innen gut mit Nährstoffen versorgt, bleibt sie gesund und schön, damit Sie sich darin wohl fühlen – ein Leben lang.


Mineralien für schöne, gesunde Haut

Probieren Sie doch einfach einmal Schüßler-Salze aus! Diese basieren auf dem homöopathischen Prinzip und zeigen oft eine verblüffende Wirkung.

Nr. 1 Calcium fluoratum: strafft schlaffe Haut, wirkt Falten und rissiger Haut entgegen, stärkt die Haut und das Bindegewebe
Nr. 6 Kalium sulfuricum: fördert die Bildung neuer Haut- und Schleimhautzellen
Nr. 8 Natrium chloratum: bei rissiger, trockener und schuppiger Haut
Nr. 11 Silicea: baut das Bindegewebe, die Haut und Schleimhäute auf, lindert chronische Hautbeschwerden, wirkt Falten entgegen, stärkt die Haut und das Bindegewebe

Anwendung: Lassen Sie von den empfohlenen Mineralien mehrere Wochen 3 Tabletten über den Tag verteilt im Mund zergehen. Speziell für den Einsatz auf der Haut bieten sich Schüßler-Salben, -Cremes und -Lotionen an.



Extratipps für Diabeteshaut


Auch im Zusammenhang mit Erkrankungen, wie z. B. Diabetes, können Hautprobleme auftreten.

Warum Hautpflege bei Diabetes so wichtig ist

Neben gesunder Ernährung und ausreichend körperlicher Aktivität ist bei Diabetes die richtige Hautpflege besonders bedeutend. Die diabetische Haut produziert zu wenig Schweiß und Talg, speichert nicht genügend Fett und Feuchtigkeit – dadurch ist ihre natürliche Barrierefunktion gestört. Die Haut wird trocken oder rissig, sie spannt und juckt. Diese Beschwerden können sogar die Schleimhäute im Genitalbereich, insbesondere von Frauen, betreffen. Trockene Haut ist für die Betroffenen nicht nur ein kosmetisches Problem, sie birgt vor allem auch gesundheitliche Risiken. Ist die natürliche Schutzfunktion gestört, können durch winzige Verletzungen Erreger in die Haut eindringen und Ekzeme, Pilzinfektionen oder andere bakterielle Hautentzündungen hervorrufen. Da auch das Druckempfinden herabgesetzt ist, wird häufig übersehen, dass sich Druckstellen, Blasen oder Wunden an den Füßen entwickeln.


Die erhöhten Blutzuckerwerte führen bei Diabetikern durch häufiges Wasserlassen zu einem Wassermangel, der die Haut zusätzlich austrocknet. Die Spannung der Haut sinkt, die Fältchenbildung nimmt zu.


Die Haut geschmeidig machen

Die Basisbehandlung der diabetischen Haut hat zum Ziel, ihre Geschmeidigkeit zu verbessern. Dazu gehört neben der Reinigung mit milden, seifenfreien Waschemulsionen die anschließende Pflege mit einer reichhaltigen Körperlotion. Geeignet für eine solche Pflege sind fettreiche Präparate (Fettgehalt von mindestens 20 Prozent) mit einem Zusatz an feuchtigkeitsbindenden Substanzen, wie z. B. Harnstoff (Urea) oder Glycerin. Parfümfreie Produkte sind generell vorzuziehen, da die diabetische Haut aufgrund der gestörten Barrierefunktion eher zu Allergien neigt.


Poren „versiegeln“?

Durch das Eincremen wird der obersten Hautschicht Fett zugeführt, wobei es zu einem erwünschten teilweisen Porenverschluss kommt. Der Wasserverlust wird somit verringert und der Feuchtigkeitsgrad der Diabetiker-Haut erhöht. Eine Zeit lang hatte man vermutet, dass durch fettreiche Pflegecremes und die damit verbundene „Versiegelung“ der Poren möglicherweise die natürlichen Hautfunktionen wie Hautatmung und Wärmeregulation beeinträchtigt würden. Eine aktuelle Studie mit unterschiedlichen Pflegepräparaten hat nun jedoch gezeigt, dass diese Bedenken – selbst bei Anwendung von Vaseline – unbegründet sind.


ISBN
978-3-89189-083-7

 Buchtipps:

Alles klar mit Haut und Haar, Susanne Kehrbusch, Emu, 11,00 Euro
Ein kritischer Ratgeber zur Haut- und Haarpflege: Alles über Anwendung, Wirkung und Risiken verschiedener Substanzen.
Probleme mit der Haut. Vorbeugen – erkennen – heilen, Maria Treben, Ennsthaler, 11,00 Euro
Haut und Alter, Isaak Effendy und Martina Kerscher, Thieme, 29,95 Euro
Jünger aussehen – ganz natürlich. Facelifting-Übungen, Make-up und Ernährung, Diana Moran, Dorling Kindersley, 14,95 Euro


Karin Franke, Claudia Sarkady


Ausgabe 1 / 2008