Energetische Sanierung im Haus

Heizkosten sparen, Umwelt schonen!

Fachgerechte Sanierung zahlt sich aus und lässt Hitze, Kälte und Wind dort, wo sie ihren Ursprung haben: vor der Tür!

Beim Kauf eines neuen Autos oder eines Kühlschranks haben wir uns schon daran gewöhnt, den Energieverbrauch zu berücksichtigen. Beim eigenen Zuhause achten wir hingegen kaum darauf, wie viel des kostbaren Gutes „Energie“ benötigt wird oder gar verloren geht.
Geeignete Sanierungsmaßnahmen bringen ein Plus für die Umwelt und auf lange Sicht gesehen auch für den Geldbeutel. Zudem erwarten Experten, dass ein energiesparendes und fachgerecht saniertes Gebäude künftig klare Wettbewerbsvorteile gegenüber einem nicht sanierten Gebäude mit hohem Energieverbrauch haben wird. Haus- und Wohnungsbesitzer, die ihre Immobilie unter Umständen in den nächsten Jahren verkaufen oder vermieten wollen, werden deshalb wohl genauer überprüfen, wie viel Energie sie verbraucht. Und bei notwendigen Renovierungen oder der energetischen Sanierung wird häufiger als bisher die Frage gestellt, ob die baulichen Verbesserungen auch den Verbrauch von Energie senken können.


Dieses Thermogramm macht den Wärmeverlust eines Wohnhauses sichtbar: Gelbe Zonen: Bereiche, in denen Wärme nach außen gelangt und verloren geht. Lila Zonen: gut isolierte Flächen, die ein Pluspunkt für Umwelt und Geldbeutel sind.
Energieausweis zeigt uns den Verbrauch

Neumieter oder Käufer können in Zukunft auf den ersten Blick erkennen, wie viel Energie im Haus verbraucht wird und wie hoch die Heiz- und Warmwasserkosten sein werden: Ab dem 1. Juli 2008 wird der Energieausweis Pflicht beim Verkauf und bei der Neuvermietung von Wohngebäuden, die vor 1965 erbaut wurden. Ab 2009 müssen auch für alle neueren Wohnhäuser über 50 m² sowie für Wohnungen diese Angaben vorliegen. Der Energieausweis dient zukünftigen Nutzern jedoch lediglich als Information, für den Hauseigentümer entstehen daraus keinerlei Verpflichtungen, energetische Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.

Hausbesitzer können generell zwischen zwei Energieausweis-Möglichkeiten wählen: Der Verbrauchsausweis enthält Angaben zum Strom- und Wärmeverbrauch der vergangenen drei Jahre, ist relativ einfach zu erstellen und mit unter 50 Euro kostengünstig. Allerdings ist dieser nicht so aussagekräftig wie der Bedarfsausweis. Hier berechnet ein Fachmann den energetischen Zustand der Immobilie, indem er die Qualität der Fenster, Decken und Außenwände sowie der Heizungsanlage genau unter die Lupe nimmt. Je nach Größe und Aufwand zahlt der Ein- oder Zweifamilienhaus-Besitzer zwischen 100 und 500 Euro für diese Form des Energieausweises.



 Tipp:
Ab Oktober 2008 brauchen nicht modernisierte Gebäude mit weniger als 5 Wohneinheiten, die vor 1977 gebaut wurden, zwingend einen Bedarfsausweis. Hauseigentümer, die eine solche Immobilie besitzen, lassen am besten vor Oktober einen Verbrauchsausweis erstellen. Dieser ist dann 10 Jahre gültig. 


Keine Wahl hat man beim Neubau: Hier ist ein Bedarfsausweis nötig, da keine Verbrauchswerte vorliegen.


Einen Energieausweis erhalten Hauseigentümer
relativ unproblematisch, ohne dafür ein Amt oder
eine Behörde einschalten zu müssen. Beauftragt
werden Architekten, Ingenieure oder qualifizierte
Handwerker.

Wo die Energie verloren geht

Ob Energieausweis oder nicht: Bevor ein Hausbesitzer sich Gedanken über die mögliche energetische Sanierung macht, sollte er in jedem Fall eine genaue Analyse des Gebäudes vornehmen. Bei vielen Häusern verbraucht die alte Heizungsanlage im Keller zu viel Öl oder Gas, bei anderen Immobilien entweicht die Wärme über die oberste Geschossdecke nach oben oder die nicht gedämmte Kellerdecke nach unten. Und bei vielen Häusern wird aus den alten, undichten Fenstern im wörtlichen Sinne nach außen geheizt.
Die richtigen Ansprechpartner für eine detaillierte Energiediagnose sind „Vor-Ort-Energieberater“ – speziell qualifizierte Architekten und Ingenieure. Auch Handwerker, die eine zusätzliche Ausbildung zum „Gebäudeenergieberater im Handwerk“ absolviert haben, sind sachkundig. Listen von zertifizierten Energieberatern gibt es zum Beispiel bei BAFA oder dena (siehe unten).

 Der "Heizungs-Check"

Ob die Heizungsanlage bei Ihnen zu Hause dem heutigen technischen Standard entspricht, können qualifizierte Heizungstechniker seit neuestem mit einem normierten „Heizungs-Check“ schnell und sicher überprüfen. Rund eine Stunde Zeit brauchen sie, um Heizkessel und Regler, Pumpen und Rohrleitungen bis zum Heizkörper zu testen und Ihnen sinnvolle Sanierungsmaßnahmen vorzuschlagen. Die Kosten des Heizungs-Checks betragen maximal 100 Euro. Weitere Informationen erfahren Sie u.a. bei der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft e.V. (VdZ). Tel. 0228 68 84 80, info@vdzev.de, www.vdzev.de.

Auch an Umwelt- und Klimaschutz denken

Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas werden uns nicht unendlich zur Verfügung stehen, der effiziente Umgang mit Energie ist deshalb eine wichtige Aufgabe. Darüber hinaus ist auch an die Folgen für Umwelt und Klima zu denken. So soll mit den Maßnahmen des integrierten Energie- und Klimaprogramms der Bundesregierung der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Wärmeversorgung von Gebäuden gesteigert werden: von heute gut 6 auf 14 Prozent im Jahr 2020. Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz wird voraussichtlich ab dem 1.1.2009 den Einsatz erneuerbarer Energien in Neubauten verbindlich vorschreiben.
Damit eine Heizungsanlage sowohl wirtschaftlich rentabel ist und zugleich dem Klimaschutz nützt, ist es für Sanierer daher sinnvoll, schon heute bestimmte Rahmenbedingungen zu beachten. Denn wer optimal saniert, kann den Energiebedarf um über 80 Prozent reduzieren und damit Energiepreissteigerungen gelassen entgegensehen. Zu den Heizungen, die das Klima nachhaltig schützen, gehören beispielsweise CO2-neutrale Holzheizungssysteme, die in den letzten Jahren immer komfortabler und umweltfreundlicher geworden sind. Mit thermischen Solaranlagen wird die Kraft der Sonne für die Warmwasserbereitung, z. B. für das Duschen, Waschen, Spülen oder Heizen verwendet. Und Wärmepumpensysteme nutzen die Umweltwärme der Luft, des Grundwassers oder des Erdreichs.


Geht die Rechnung auf?

Eine gut durchdachte Modernisierung des Hauses kostet natürlich Geld, und bei der Vorbereitung sollte der erforderliche Finanzbedarf genau ermittelt werden. Eine vollständige energetische Sanierung eines durchschnittlichen Einfamilienhauses kann 50.000 bis 70.000 Euro ausmachen, nach 15 bis 20 Jahren hat sich die Investition amortisiert. Das klingt zwar nach einer relativ langen Zeit, aber Energieberater raten dazu, an die so genannten „Sowieso-Kosten“ zu denken, d.h. an Kosten für ohnehin nötige Reparaturen wie die Generalüberholung der Fassade oder die Erneuerung der Fenster. Werden diese Kosten herausgerechnet, macht sich die energetische Sanierung in der Regel bereits nach zehn bis 15 Jahren bezahlt.


Zuschüsse und niedrige Zinsen

Der Staat gewährt günstige Kredite und gibt sogar für einige Maßnahmen finanzielle Zuschüsse. Die niedrigsten Zinsen und höchste finanzielle Unterstützung bringt das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), bei dem die Wärmedämmung von Außenwänden, Dächern und Kellern sowie der Austausch von Fenstern und Heizung gefördert werden. Kreditnehmer werden von der KfW mit einem günstigen Zins von rund 2,5 Prozent effektiv bei 20 Jahren Laufzeit belohnt. Die Auszahlung erfolgt zu 100 Prozent, die Zinsbindung beträgt zehn Jahre. Ausgaben in Höhe von maximal 50.000 Euro kann der Hausbesitzer auf diesem Wege günstig finanzieren.
Wenn das Haus nach der Sanierung besonders wenig Energie verbraucht, zahlt die KfW Zuschüsse bis zu 12,5 Prozent der investierten Summe, d.h. der Staat übernimmt ein Achtel der Modernisierungskosten. Hausbesitzer, die mit dem Höchstbetrag von 50.000 Euro für die Sanierung ihres Eigenheims nicht auskommen, können weitere KfW Mittel über das Wohnraum-Modernisierungsprogramm erhalten. Dann sind die Zinsen zwar nicht so günstig, aber dafür ist die Kreditvergabe nicht an bestimmte Energiesparziele gebunden.
Selbst Hauseigentümer, die keinen Kredit benötigen, bekommen von der KfW Geld: Beim CO2-Gebäudesanierungsprogramm erhalten sie einen Zuschuss in Höhe von zehn Prozent der Investitionskosten, höchstens jedoch 5.000 Euro.


Anträge für Fördermittel müssen rechtzeitig gestellt werden

Neben der Förderung durch die KfW werden Energiesparer auch auf vielen anderen Wegen unterstützt. So gibt es zum Beispiel Zuschüsse für eine Energiesparberatung vor Ort in den Verbraucherzentralen. Für Investitionen in Solarkollektoren, Pelletskessel oder Wärmepumpen hält das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) finanzielle Hilfe bereit. Attraktiv sind darüber hinaus die Förderprogramme der Bundesländer oder einzelner Kommunen. Wer seine Heizung erneuert und den Anbieter wechselt, kann oft sogar mit Fördermitteln des neuen Energieversorgers rechnen.
Eines ist bei den meisten Förderprogrammen gleich: Der Antrag muss vor Beginn der Baumaßnahme gestellt werden; einen Rechtsanspruch auf Förderung gibt es allerdings nicht. Sind die Mittel ausgeschöpft, muss der Antragsteller auf das nächste Jahr warten.
Was Sie konkret bei der energetischen Sanierung an Heizungsanlage, Dämmung von Fassade, Decken und Böden oder bei den Fenstern verändern können, welche Kosten entstehen und wie hoch die Einsparungen sind, lesen Sie in der go longlife!-Ausgabe 5/2008.

 Übersicht über Fördermittel:

Welche staatlichen Zuschüsse oder günstigen Förderkredite es genau für die geplante Sanierung Ihres Hauses gibt, zeigt die Förderdatenbank der VdZ unter www.intelligent-heizen.info. Hier werden die staatlichen Fördermittel ganz individuell errechnet.
   
Wichtige Informationsquellen:

BINE-Informationsdienst, www.energiefoerderung.de, Förderhotline: 0228 9 23 79 14 l
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), www.bafa.de, Tel. 06196 90 82 62 l
co2online-Beratungsgesellschaft, www.co2online.de, Tel. 030 7 67 68 50 l
Deutsche Energieagentur (dena), www.dena.de, www.zukunft-haus.info
Kostenlose Energie-Hotline: 0800 0 73 67 34 l
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), www.naturdaemmstoffe.info, Tel. 03843 6 93 00 l
KfW Förderbank, www.kfw-foerderbank.de, Informationshotline der KfW: 01801 33 55 77 (Ortstarif)
VdZ Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft e.V., www.vdzev.de, Tel. 0228 6 88 48 -0 l
Verbraucherzentrale Bundesverband www.verbraucherzentrale-energieberatung.de, www.baufoerderer.de, Tel. 030 25 80 00 

Horst Peter Wickel
Ausgabe 2-3 / 2008
Fotos: mauritius