Überwintern in der Sonne des Südens




Südafrika, Thailand, Madeira und die Türkische Riviera – so unterschiedlich diese Reiseziele auch sein mögen, in einem Punkt gleichen sie sich. Denn hier geben Frühling und Sommer das ganze Jahr über den Ton an. Angenehme Temperaturen und üppige Vegetation bringen die sonnenhungrigen Seelen aus dem Norden schon innerhalb weniger Stunden zum Baumeln. Mitten in unserer kalten Jahreszeit stellt sich schnell jenes heitere und beschwingte Lebensgefühl ein, das Langzeitreisende suchen und lieben.




 Überwinterer haben nicht nur viel Zeit Südafrikas Sehenswürdigkeiten ausgiebig zu erleben, sondern auch Sonne und Strand zu genießen.
SÜDAFRIKA - EINE WELT IN EINEM LAND

Es ist Dezember, und doch lacht die Sonne vom Himmel. Während anderswo auf der Welt weiße Weihnachten gefeiert werden, kommen hier sogar die Bermuda-Shorts zum Einsatz.
Kein Zweifel: In Südafrika ist Frühling. Alles blüht. Keine schlechte Idee, hier für längere Zeit die Zelte aufzuschlagen. Denn das Land am Kap ist nicht nur eine landschaftliche Schatztruhe. Wie kaum eine andere Region in Afrika verfügt Südafrika auch über eine touristische Infrastruktur, die Komfort bis hin zum Luxus garantiert. Hinzu kommt das neue südafrikanische Lebensgefühl, das die alten Fesseln der Apartheid weit hinter sich gelassen hat.


Von der Küste in das Hinterland

Als Standorte für Überwinterer bieten sich die schmucken Städtchen an dem lang gezogenen Küstenstreifen an. Er dehnt sich entlang dem Indischen Ozean vom Greater St. Lucia Wetland Park im Nordosten bis hinunter zum Kap der Guten Hoffnung, wo Indischer und Atlantischer Ozean mit Wucht aufeinander prallen.
Von der Küste aus ergeben sich dann im Verlauf der folgenden Wochen und Monate vielfache Gelegenheiten, mit einem Mietwagen auch das hervorragend erschlossene Hinterland für sich zu entdecken. Beispielsweise die sich steil auftürmende Kette der Drakensberge oder die durch ihre herbe Schönheit begeisternde Steppenlandschaft der Großen Karoo Wüste. Und natürlich den Krüger-Nationalpark, in dem die „Big Five“ – afrikanische Elefanten, Büffel, Löwen, Leoparden und Breitmaulnashörner – sowie zahlreiche Vogel- und Reptilienarten zu beobachten sind.


Spektakulär ist die Straße der Wasserfälle, die 100 Kilometer durch eine atemberaubende Landschaft bis zu den Drakensbergen führt.

Reizvolle Gartenroute

Zum Glück ist der Zeitrahmen weit gespannt. Denn alle südafrikanischen Wege führen hin zur legendären „Garden Route“ zwischen Plettenberg Bay und Kapstadt. Entlang der historischen Straße präsentiert sich eine äußerst vielseitige Landschaft mit Gartencharakter. An der Küstenseite wechseln sich steile Klippenformationen mit endlosen Sandstränden ab. Voller Spannung schweift der Blick über die Wasseroberfläche auf der Suche nach Haien und Walen, die sich hier regelmäßig ein Stelldichein geben.


Kapstadt: Am „Ende der Welt“

Doch dann erhebt sich in der Ferne majestätisch der König aller Berge im südlichen Afrika: der Tafelberg. Flach überragt er „die schönste Stadt der Welt“, wie sich leicht von Kapstadt schwärmen lässt. Von der quirligen „Victoria & Alfred Waterfront“ aus, mit all ihren kulinarischen Verführungen, lässt er sich am besten bewundern. Nur ein Katzensprung ist es von hier aus in das malerische Kap-Weinbaugebiet, zu den berühmten Kirstenbosch Botanical Gardens oder hinüber zu Robben Island, der ehemaligen Gefängnisinsel vor der Atlantikküste Südafrikas. Kein Zweifel: für Langzeitreisende ist das Land am Kap eine der ersten Adressen.
 


Azurblaues Wasser und einsame Buchten locken
Langzeitreisende auf Ko Chang, die Elefanteninsel. Sie verdankt diesen Namen ihrer Form.
INSELVERGNÜGEN IN FERNOST

In Thailand wird sich niemand, der eine Langzeitreise plant, nur auf die großen Städte des Landes konzentrieren. Hier gilt das Hauptinteresse zweifellos den zahlreichen Inseln beiderseits der malayischen Halbinsel. Zum Beispiel der Insel Ko Chang im Golf von Thailand, der zweitgrößten Insel des Landes.
Am schönsten sind hier die langen Sandstrände entlang der Westküste, an denen die Dünung sanft ausläuft. An dieser Stelle sind in den letzten Jahren zahlreiche komfortable Resorts und Bungalowsiedlungen entstanden, in denen Langzeitgäste sich wohl fühlen können.


Regenwald und Wasserbüffel

Für Unternehmungslustige lässt sich von hier aus leicht die ländliche Umgebung erschließen. Der Weg führt entlang der Küste bis hinein in die Flusstäler, in denen schon bald der feuchtgrüne Regenwald beginnt. Interessant ist auch die Ostseite der Insel. Hier lebt die Mehrzahl der einheimischen Bevölkerung, die noch auf herkömmliche Weise mit dem Wasserbüffel ihre Felder bestellt.
Umgeben ist Ko Chang von 51 kleinen Nachbarinseln, die vor gut 25 Jahren zum Nationalpark erklärt wurden. Sie können – wenn auch nicht ganz einfach – mit Fährbooten erreicht werden. Kein wirkliches Problem für einen Langzeiturlauber …

 

Bunte Fischerboote ... liebevoll gedeckte Tische ... kein Touristenrummel: Gerade in
der ruhigen Wintersaison lässt sich die Gastfreundschaft der Türken ausgiebig genießen.
TÜRKISCHE RIVIERA: KULINARISCHE GENÜSSE UND LUST AUF MEER

Salzig riecht auch die Luft an der Türkischen Riviera, die sich zu einem der beliebtesten Langzeit-Ziele entwickelt hat. Ein milchiger Mond und Millionen Sterne glänzen über einem Freiluftrestaurant im Hafen von Antalya. Auf voll beladenen Servierwagen kommt eine ganze Armee Mezeler angerollt. Mezeler, die verführerischen Vorspeisen, die vielen kleinen Sünden, die so viel Lust und Laune machen: in Kräuter gebetteter Oktopussalat, zarte Fischfilets, Lammfleischstückchen, Teigtaschen, Pasten – alles reichlich mit Knoblauch angerichtet, alles traumhaft köstlich …

Dass Antalya eine lebhafte Großstadt ist, spürt man im Hafenrestaurant nicht. Das Geschäftsleben spielt sich auf einer höheren Etage ab – auf einem Felsplateau, das gut 20 Meter über dem Wasserspiegel liegt. Unten an der Hafenpromenade reihen sich Restaurants, Cafés und Fischerkneipen aneinander, Boote schaukeln sanft im Wasser, und im Schatten alter Bäume, unter rot blühendem Hibiskus, herrscht lockere Ferienatmosphäre.


Jenseits des Strandlebens

Links und rechts der Küstenautobahn: zwei Welten. Auf der einen Seite die Buchten, die Pinienwälder, das Mittelmeer, die Hotels und Ferienclubs. Auf der anderen Seite: das weite Hinterland mit Feldern, Plantagen und Gewächshäusern. Oder die Dörfer und Kleinstädte, die mit ihren verwinkelten Gassen und spitzen Minaretten noch vieles von der alten osmanischen Kultur des Landes bewahrt haben.
Fernab vom Tourismus zieht sich auch der Lykische Wanderweg – eine 530 Kilometer lange Strecke von Fethiye bis Antalya. Vor einigen tausend Jahren reisten hier noch Kamelkarawanen, voll bepackt mit Handelsgütern. Heute ist er wohl einer der faszinierendsten Wanderwege der Welt und ein Höhepunkt für Naturliebhaber. Der Weg führt entlang der Südküste durch verschlafene Fischerdörfer mit kleinen Pensionen und gemütlichen Restaurants, vorbei an Häfen und über Berge.
 
MADEIRA - ES GRÜNT SO GRÜN

 „Bei uns“, erzählt Bergführer Roberto gestenreich, „regnet es oft.“ Aber: wer auf die 58 mal 23 Kilometer kleine „Blumeninsel“ reist, erwartet eine üppige Blütenpracht. Und die kann sich nur mit Wasser entfalten. Wohin man schaut, leuchten rote Weihnachtssterne, blaue Liebesblumen, Fackellilien und die schnabelförmigen Strelitzien aus dem satten Grün hervor. Meist jedoch, sagt Roberto, zögen die dunklen Wolken schnell vorüber. „Denn auf Madeira vergeht kein Tag ohne Sonnenschein.“

Weihnachts- und Neujahrsstimmung

Bei einem Langzeiturlaub im Winter muss man auf Madeira natürlich nicht auf das Weihnachtsfest verzichten. In der Hauptstadt Funchal wartet auf einer breiten Allee ein Weihnachtsmarkt, der keine Wünsche offen lässt. Eine riesige, liebevoll arrangierte Krippe, Gruppen von Weihnachtsengeln in Beeten von roten Weihnachtssternen und nicht zuletzt kulinarische Köstlichkeiten aus der heimischen Küche lassen auch bei warmen Temperaturen Weihnachtsstimmung aufkommen, die sich in den prachtvoll ausgeschmückten Kirchen noch steigert. Und dann zum Jahreswechsel das unbeschreibliche Feuerwerk – eines der größten in Europa – bei dem sich die ganze Stadt in eine leuchtend glitzernde Pracht einhüllt.
  Helmut Bissinger
 

go longlife! Ausgabe 4-5/08
Fotos: Helmut Bissinger, Kultur- und Tourismusministerium Ankara, South African Tourism, jupiter images