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Zeitlos schön - Schönheit ist keine Frage des Alters |
Jeder Lebensabschnitt hat seine ganz besondere, ihm eigene Schönheit – unser Äußeres ist dabei stets Spiegel unserer Lebensführung und geistigen Grundhaltung. Das faszinierende Bild jugendlicher Makellosigkeit ist vergleichbar mit einem vom Leben noch unbeschriebenen weißen Blatt. Im Laufe der Lebensjahre formen wir so achtsam, wie wir mit uns umgehen, Gesichtszüge und Körper. Eine positive Lebenseinstellung, verbunden mit der Ausprägung ideeller und geistiger Werte, Bewegung, gesunde Ernährung und mentale Fitness schaffen eine Schönheit, die von innen kommt und nach außen strahlt. Attraktivität – ein Mythos unter der Lupe Schön oder nicht schön – diese Entscheidung fällt das Gehirn. Die Mechanismen, nach denen wir Attraktivität instinktiv beurteilen, sind uralt und werden vom Unterbewusstsein gesteuert. Eine gesunde Haut und gepflegtes Haar etwa sind wichtige Faktoren, die wir automatisch als Zeichen von Gesundheit interpretieren. Das ist sowohl für Partnersuche und soziale Anerkennung entscheidend als auch ganz allgemein für unser Empfinden von Attraktivität. Dazu kommt die Wahrnehmung der Körpergestalt in ihren Proportionen und Bewegungen – alles Faktoren, die wir durch typbetonte Kleidung und einen bewussten Umgang mit unserem Körper, gesunde Ernährung und einen guten Fitnesslevel positiv steuern können. Schönheit im Wandel der Zeit Schönheitsideale haben sich durch die Jahrtausende stets gewandelt. In den frühen Zeiten der Menschheitsgeschichte ging es in erster Linie um die Erhaltung der Art. Ein kräftiger Mann signalisierte, dass er in der Lage war zu versorgen, und galt daher als attraktiv. Dies spielt für Frauen im 21. Jahrhundert immer noch eine Rolle. Die Vorliebe für Männer mit ausgeprägter Kinnpartie und der damit vermuteten Durchsetzungsfähigkeit rührt daher. Die Frau war früher schön, wenn sie sichtlich prädestiniert zum Gebären möglichst zahlreicher Kinder war – auch heute taxiert ein Mann in den ersten Momenten des Kennenlernens unbewusst die Hüften einer Frau aus eben diesem Grund – auch wenn er noch gar nicht an Nachwuchs denkt. Die Venus von Willendorf ist uns aus dieser Epoche vor 35.000 Jahren als bewusst übersteigert dargestelltes Frauenideal erhalten geblieben. Die Schönheitsideale der Renaissance und des Barock zeigen sich als Reaktionen auf die vergeistigte Haltung des Mittelalters, die die Form des Körpers bewusst verbarg. Die Renaissance entdeckte die Formen und das Körperbewusstsein der Antike wieder – ein schlanker, wohlproportionierter Körper war gefragt und kam durch figurbetonte Kleidung zur Geltung. Das Barock als Zeitalter zur Schau getragener Lebensfülle lässt das Mittelalter noch ein Stück weiter zurück und treibt mit prächtigen Farben, ausladenden Formen und sinnlichen Stoffen bunte Blüten. |
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| Im 20. Jahrhundert wechselte die Idealvorstellung von Schönheit mehrmals. Die androgynen 20er-Jahre lösten das weiblich runde Biedermeier ab. Die Nachkriegszeit wollte dann all die Entbehrungen des Kriegsjahrzehnts vergessen machen – der wohlgenährte Typ war bei beiden Geschlechtern gefragt. Ab 1960 formten dann in zunehmendem Maße die Medien unser Idealbild des Menschen. Was wir im täglichen Leben auf Plakaten, in Zeitschriften, in Film und Fernsehen betrachten, wird zum Vorbild für Figur und Kleidung. Der Idealtyp wechselte mehrmals. Die Twiggy der 60er-Jahre war Auslöser für das Streben einer ganzen Generation von Frauen nach einem extrem schlanken Körper. Die 90er wurden von einem ganz anderen Frauentyp dominiert – runde Formen waren wieder gefragt, und die Welt sehnte sich nach einem Ideal, dem man sich annähern konnte. Bis heute unterliegt das sich uns präsentierende Bild von Schönheit einem ständigen Wandel. | |
| Andere
Länder – andere Ideale In anderen Kulturen gelten andere Gesetzmäßigkeiten – auch für Schönheit. Während etwa in Afrika der Busen einer Frau keinerlei Sexappeal hat, zählt hier ein möglichst üppiger Po. In China gelten besonders kleine Füße bei Frauen als attraktiv – was bis in die 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts durch das Einbinden der Füße erzwungen wurde. Schönheitsidealen blind zu folgen, birgt Gefahren für Körper und Geist – auch in unserer Zeit. |
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Die
Perspektive verändert sich Es gibt auch positive Impulse, die gerade heute von den Medien ausgehen. So entdeckt die Werbung mehr und mehr die aufgrund der sich verändernden Altersstruktur unserer Gesellschaft immer wichtiger werdende Gruppe der Menschen ab 50. Faltencremes mit dem Gesicht 25-jähriger Models zu bewerben, ist nicht glaubwürdig. Und so lächeln heute gutaussehende Menschen reiferen Alters von Plakatwänden und aus Zeitschriften und beweisen, dass Schönsein auch ab 50 möglich ist. Für die Kampagne Pro-Age der Hautpflegemarke Dove fotografierte Annie Leibovitz Anfang 2008 Frauen zwischen 54 und 63 Jahren – nackt zu sehen in Werbespots und auf Großplakaten. Der Blick auf unverhüllte Frauen aus dem wirklichen Leben war für den Betrachter ungewohnt und zeigte auf plakative Weise ein ganz neues Bild von zeitloser Schönheit. Auch in Filmen sind heute Frauen in dieser Altersgruppe gefragt – und das nicht nur in der „Mutti“-Rolle. Iris Berben, Senta Berger und Hannelore Elsner prägen in Deutschland ein neues Bild der Frau ab 50. Selbstbewusst, gepflegt, sexy – und das wirkt mehr und mehr auch auf deutlich jüngere Männer attraktiv. Diese Frauen gehen bewusst mit sich und ihrem Körper und Geist um. Sie sind gelassen gegenüber ständig wechselnden Modetrends und Schönheitsidealen. Sie haben sich gefunden und wissen, was sie wollen. Es findet derzeit eine Änderung des Blickwinkels statt, der sich scheinbar erst einmal auf weiblicher Seite abzeichnet. Denn der Mann ab 50 war weniger mit wandelnden Schönheitsidealen konfrontiert. Sich abzeichnende Fältchen oder graue Schläfen machten ihn eher interessant. Den Karriereknick, den Schauspielerinnen ab 45 erleben, kennen Stars wie Robert Redford, George Clooney oder Sean Connery nicht. Im Zuge des weiblichen Bewusstseinswandels wird allerdings auch der Mann seine Positionen und das Umgehen mit dem Thema Älterwerden – attraktiv sein und bleiben – überdenken müssen. Um heute als Partner interessant zu sein, sind auch bei ihm Attribute wie ein gepflegtes Äußeres, eine interessante weltoffene Persönlichkeit, Lebenslust und geistig-seelische Entwicklung gefragt. Schöne Aussichten Das neu entstehende universelle Bild der Schönheit lässt uns dem Älterwerden gelassen gegenübertreten. Wir erleben Schönsein als etwas Individuelles, das mit zunehmender Lebenserfahrung wächst. Für jüngere Menschen entsteht so eine neue Perspektive. Leben, Liebe, Lust, Abenteuer und Schönheit hören nicht irgendwann in der Mitte des Lebens plötzlich auf. Wenn Schönheit auch als Zeichen wachsender Persönlichkeit und charismatischer Ausstrahlung begriffen wird, schwindet der Zwang, ständig wechselnden Idealbildern der Medien gleichen zu wollen. Wir haben ein ganzes langes Leben Zeit. Zeit, zu genießen. Zeit, uns wohl und schön zu fühlen – in uns und mit uns. |
Robert Schwidurski
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| go longlife! Ausgabe 4-5/08 Fotos: FAVoriteRED, jupiter images, mauritius |