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Australien - auf Traumpfaden durch das Sehnsuchtsland |
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"Down under"* liegt bei vielen Menschen hoch im Kurs. Denn Australien ist ein Kontinent der Sehnsucht – für Aktivurlauber, Entdecker und Aussteiger. Ein Stück Erde der Superlative und der Kontraste, das ständig in Bewegung ist. Ein überwältigendes Land der Weite, das den Besucher mit den unglaublichsten Farben verzaubert: vom satten Grün der Regenwälder, über das Kornblumenblau des Ozeans bis hin zum mystischen Rot der großen Wüsten und dem leuchtenden Gold des Grases im Outback*. (*Glossar siehe unten) |
| Insgesamt 17
Weltkulturerbestätten hat Australien vorzuweisen. Doch nur die
bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie der Ayers Rock*, das Great
Barrier Reef* oder die Oper in Sydney sind den meisten
Europäern geläufig. Wer kennt zum Beispiel Fraser
Island, die größte Sandinsel der Welt mit 40
Frischwasserseen? Oder die geheimen Plätze der Aborigines
– der australischen Ureinwohner –, wo jeder Fels,
jeder Baum und jedes noch so unscheinbare Tier eine oft
überlebenswichtige Bedeutung haben? Lassen Sie sich anstecken
von der „Sehnsucht Australien“, und folgen Sie uns
auf einer 9-tägigen Wanderung in die Traumzeit*-Welt, die
tiefe Einblicke in die Kultur der Aborigines gewährt. |
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![]() 9 Tage mit den australischen Ureinwohnern zu Fuß unterwegs: Unser go longlife!-Redakteur war live dabei! |
MARSCH IN DIE TRAUMZEIT-WELT Es ist verrückt: Die einen fahren Tausende von Meilen, um den Sonnenuntergang am Cable Beach bei Broome – dem wohl schönsten Strand Australiens – zu erleben. Sie sitzen auf Campingstühlen vor dem Allradfahrzeug, grillen und trinken Bier. Die anderen laufen im diffusen violetten Licht am Saum des Indischen Ozeans entlang und beeilen sich, dieses Postkartenidyll so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. In der Sprache der Goolarabooloo People* – der ursprünglichen Hüter des Strandes – heißt dieser faszinierende Ort „Minyirr“: Hier wurden die Aborigines von den allmächtigen Geisterwesen der Traumzeit, den Ahnen, ins Dasein gesungen. Zusammen mit dem Ayers Rock und dem Great Barrier Reef zählt Minyirr zu den drei bedeutendsten mythologischen Plätzen des Fünften Kontinents. Er ist auch heute noch Treffpunkt für geheimnisvolle und geheime Zeremonien. |
| Gestern
noch war man Tourist am Cable Beach, heute ist der feinsandige Strand
die erste Etappe des Marsches auf dem Lurujarri Trail, dem Weg der
Schöpferwesen. Dem Pfad, dessen Verlauf durch Lieder und
Erzählungen bestimmt wird. Dem Ort, an dem
„Bugarrigarra“ herrscht, die Traumzeit. Zusammen mit der Aborigines-Familie Roe, deren Oberhaupt Joseph als „Hüter der Gesetze“ fungiert, wird in den kommenden neun Tagen auf den Fußspuren der Ahnen gewandelt. Mit unterwegs: eine vierzigköpfige, bunt gemischte Gruppe aus aller Welt, darunter sowohl Fünfals auch Fünfundsiebzigjährige. Die Exkursion führt durch Mangrovensümpfe*, wo Krabben gefangen werden; es wird mit selbst gebauten Speeren gefischt, und wilder Honig gesammelt. Vor allem aber erfahren die Besucher, dass die Kultur der Aborigines von zwei Eigenschaften geprägt wird, die den Weißen ziemlich fremd geworden sind: Demut und Geschicklichkeit. |
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Die Poesie
des Wanderns Vorerst heißt es aber, das Gehen neu zu lernen. „Wenn wir gehen, dann folgen wir immer dem Vordermann. In die Spur des Vordermanns zu treten heißt, ihn zu kennen“, sagt Teresa Roe, die weise alte Frau der Goolarabooloo People. „Indem wir den Gang unseres Vordermanns imitieren, werden die Bewegungen von dreißig, vierzig Leuten zu einer einzigen Bewegung. So können wir auch längere Distanzen in einer großen Gruppe bewältigen, ohne jemanden zu verlieren.“ Im warmen Sand des weitläufigen Cable Beach versucht allerdings erst einmal jeder für sich, den richtigen Rhythmus und die angemessene Geschwindigkeit zu finden – das ist schwierig genug. Der Mond hängt wie ein überdimensionaler Pingpongball über den Dünen, als der erste Lagerplatz erreicht ist. Es ist ein angenehmer Ort: friedlich, geschützt vor dem kühlen Ostwind – und schlangenfrei. Ganz automatisch tut man das, was in den nächsten Tagen zum Ritual wird: das Lagerfeuer in Gang bringen, essen, eine Tasse Tee schlürfen, in den Swag – eine äußerst praktische Kombination aus Luftmatratze und Schlafsack – kriechen und in den sternenklaren Himmel blicken, bis die Augen zufallen. Das rituelle Begehen des Lurujarri Trail ist eine überaus poetische Angelegenheit, folklorefrei, authentisch. Schon deshalb, weil der genaue Weg auf keiner Landkarte verzeichnet ist. Andererseits ist eine solche Wanderung durch Richtung und Geschwindigkeit reglementiert und wird von einer besonderen Logik diktiert. Schließlich stellt jede Stelle dieser Küstenlandschaft eine heilige, von den Ahnen erschaffene Stätte dar, die das individuelle und kollektive Leben der Goolarabooloo People bis heute bestimmt. |
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Relaxen am
Traumstrand Dabei wechseln sich Tradition und Moderne auf dem Lurujarri Trail ohne Übergang ab. Da sind Teresas Söhne und Enkel, die abends vor dem Küchenfahrzeug am Radio hängen und Aborigines-Footballstars anfeuern. Da ist Teresas Bruder, der am Lagerfeuer einen Fischspeer bemalt, Farbe aus roten und gelben Steinen herausreibt, einen Pinsel aus einem Halm schält, und dann – versunken in seine Muster und Zeichen – anfängt, in einer fremden Sprache zu singen. Da sind die Mädchen, die ihre weiten Trainingshosen hochkrempeln, um in den Mangrovenwäldern Stachelrochen zu jagen. Und da ist Joseph, der alle Fragen nur noch mit einem geheimnisvollen Lächeln beantwortet – ob und wann man Wissen vermittelt bekommt, ist in seiner Welt abhängig vom Geschlecht, der verwandtschaftlichen Beziehung und der Hautfarbe. Dass den Pfad zu gehen immer auch Spaß und Energie schöpfen bedeutet, zeigt sich in Barred Creek, einer schmalen, türkisfarbenen Bucht. Während die Männer „spanish flags“ – rötliche Fische mit gelben Streifen – und Engelbarsche harpunieren, relaxen die Frauen am Strand. Die Kinder suchen „witchetty grubs“: fette Maden, die in den Wurzeln von Akazienbüschen leben, sowie andere Leckerbissen, die der Busch bereithält. Kurz vor Sonnenuntergang trifft man sich bei einer Tasse Tee auf den Dünen – Alkohol ist auf dem Lurujarri Trail tabu. Die Luft ist wie Samt. Der Sonnenball verfärbt sich zu einem grandiosen Orange. Und versinkt in der Timor-See, mystisch, wunderschön. |
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Wir alle
sind Geister Dann steht wieder gemeinsames Marschieren auf dem Programm – an besonders heißen Tagen auch nachts. Tagsüber wird in ausgetrockneten Flussbetten oder auf purpurroten Klippen gerastet. Teresa und ihre Schwiegertochter Maggie singen die Gruppe in den Schlaf. Ihre Lieder handeln von Jandamurra, einem Aborigine-Rebellen, und von Vögeln hinter Gitterstäben. Die Tage und Nächte ziehen vorbei wie die zehntausend eigenartig geformten Felsen der Klippenlandschaft: Grate, Riffe, Terrassen. Die Lurujarri-Küste ist eine wunderbare Skulptur, für die sich die Natur ein paar Millionen Jahre Zeit genommen hat. Auf den Zacken thronen die Nester von Seeadlern. Draußen, im kornblumenblauen Wasser der Timor-See, ziehen Buckelwale vorbei. Kein Haus, kein Schild, kein Handy-Empfang, keine Plastiktüte lassen erahnen, dass je zuvor ein Mensch hiergewesen ist. Letzter Abend im Camp am Coulomb Point, das Feuer brennt. „Wir alle sind Geister“, unterbricht Joseph das Schweigen und lacht, rau und kehlig. „Wir müssen aus unseren Fehlern lernen und zusammen in die Zukunft gehen. Denn das Land und die Spiritualität sind für alle da, nicht nur für die Aborigines.“ Er macht eine Pause. „Wir können teilen.“ Danach herrscht wieder Schweigen. |
Nach dem Ausflug in die Traumzeit-Welt fällt die Rückkehr in die Zivilisation nicht leicht, doch ganz Australien lockt mit seinen Kontrasten, und auch die Metropolen lohnen den Besuch: |
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| MELBOURNE
- "DIE GROSSE ALTE DAME" Zum Beispiel Melbourne, die ewige Rivalin Sydneys, die stark durch Einwanderer aus Südeuropa – insbesondere die Griechen – geprägt ist. Noch heute ist dieser Einfluss überall in der Stadt präsent: die Restaurants, das Kulturleben, die Architektur – Melbourne kokettiert mit seiner geistigen Nähe zur Alten Welt und gibt sich wesentlich europäischer als Sydney. Eine Renaissance erleben derzeit die alten Hafenquartiere in den Docklands. Dort entsteht auf einer Fläche von 200 Hektar ein ganz neues Stadtviertel mit Hotels, Geschäften, Restaurants und Apartments. Die moderne Architektur in Quartieren wie New Quay und Waterfront City tritt hier in einen harten Gegensatz zu den fast 100 Jahre alten Lagerschuppen, die gastronomisch sowie für Kulturveranstaltungen genutzt werden. |
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HAMILTON
ISLAND - INSEL UNTER DEM WIND Wer seinen Besuch in Australien dagegen lieber unter Palmen ausklingen lassen möchte, darf sich Hamilton Island nicht entgehen lassen. Die Insel vor der Ostküste befindet sich im Besitz des Milliardärs Bob Oatley, der dort bislang mehr als dreihundert Millionen australische Dollar investierte. Neuestes Highlight ist das Resort „Qualia“, dessen 27 Pavillons neue Maßstäbe in der australischen Hotellerie setzen. Das Eiland ist Teil des Whitsunday Archipels, der an das Great Barrier Reef grenzt und insgesamt aus 74 Inseln besteht. Allesamt sind sie ertrunkene Vulkanberge und wurden ohne Ausnahme zu Nationalparks erklärt. Nur acht Inseln dürfen mit Hotels bestückt werden. |
| Franz-Michael
Braunschläger |
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| Hintergrundinfos
zum Lurujarri Trail: Der Lurujarri Trail ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Melbourne, das einen Einblick in die faszinierende Kultur der Aborigines ermöglicht. Auf einer neuntägigen Wanderung können Touristen eine Gruppe von Ureinwohnern auf ihrem Traumpfad durch die Kimberley Region in Westaustralien begleiten. Das Gepäck transportieren Geländewagen. Diese Initiative ist Teil eines Konzeptes von WAITOC (Western Australian Indigenous Tour Operators Committee), einer staatlichen Organisation, die australische Ureinwohner beim Einstieg und bei der Integration in die Touristikbranche unterstützt. Teilnahmegebühr (inkl. Verpflegung): 1200 australische Dollar. Die Wanderung findet im Mai oder Juni statt, denn dann herrschen ideale Temperaturen für eine solche Unternehmung: Tagsüber wird es nicht wärmer als 28°C, nachts nicht kälter als 20°C. Anmeldung für individuelle Teilnahme: Lurujarri Heritage Dreaming Trail, PO Box 3215, Broome, Western Australia, Tel. +61 8 91 92 29 59 oder: +61 8 91 92 33 37, Email: goolarabooloo@hotmail.com |
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| Weitere
Informationen: Einreise: Für Touristen aus Europa gilt seit 26.10.08 das Visumverfahren „eVisitor“. Mit einem eVisitor-Visum darf man während eines Jahres so oft wie gewünscht einreisen, bei einer maximalen Aufenthaltsdauer von drei Monaten pro Reise. Es kann kostenlos auf der Website der Einwanderungsbehörde beantragt werden. Anreise: Mit Qantas von Frankfurt aus über Singapur nach Perth, ab 1049 €, von dort aus nach Broome, ab 49 € Inneraustralische Flüge nach Melbourne und Hamilton Island mit verschiedenen Billig-Fluglinien ab 89 € Allgemeine Infos: Australisches Fremdenverkehrsamt, Neue Mainzer Str. 22, 60311 Frankfurt, Tel. 069 27 40 06 0, Fax: 069 27 40 06 40 |
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Glossar:
Aborigines
– die
australischen Ureinwohner Down
under – anderer Name für Australien Outback
– so bezeichnen Australier Regionen, die fernab der
Zivilisation liegen. Ayers
Rock – großer Inselberg aus Sandstein
in der zentralaustralischen Wüste im Bundes staat Northern
Territory. Great
Barrier Reef – das größte
Korallenriff der Erde vor der Ostküste
Australiens, das im Jahre 1981 von der UNESCO zum Weltnaturerbe
erklärt
wurde. Traumzeit
– bezeichnet in der Mythologie der
Aborigines die Zeit
der Schöpfung. Die Traumzeit-Legenden bilden ihre
Schöpfungsgeschichte.
Goolarabooloo
People – ein in Broome ansässiger
Aborigines-Stamm. Mangroven
– Bäume oder Sträucher, die in seichtem,
schlammigem Salz- oder Brackwasser gedeihen. |
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| Ausgabe 1/09 Fotos: Michael Braunschläger, Tourism Austrailia, mauritius, Qualia/Hamilton Island Enterprises |
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| Weitere Artikel zu ähnlichen Themen: www.golonglife.de/2004_04/ueberwintern.htm www.golonglife.de/2009_02/Verlosung.html |