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Tiere als Therapeuten Wie sie unsere Lebensqualität verbessern |
| Sie haben Fell, Federn, Schnauze oder Schnabel und sind fabelhafte Therapeuten. Tiere besitzen einen Schlüssel für die menschliche Seele und öffnen damit manch verschlossene Türe. Mit ihrem liebevollen Charakter bringen sie Freude in den Alltag, reduzieren psychische Belastungen wie Stress oder Einsamkeit und können bei Krankheiten kleine Wunder vollbringen. |
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Bei
den meisten Menschen wirken Haustiere wie Medizin für die
Seele. Die freudige Begrüßung, der Stups mit der
feuchten Hundenase, das schnurrende Kätzchen, das um die Beine
streicht, das weiche Fell des Kaninchens, das fröhliche
Zwitschern des Vogels – all das löst
Glücksgefühle aus und streichelt die Psyche.
Und: Man ist für das Füttern und die Pflege der Tiere verantwortlich. Der Hund will zweimal am Tag Gassi gehen, die Katzentoilette muss täglich gereinigt und der Futternapf des Kanarienvogels einmal pro Woche heiß ausgewaschen werden. Diese kleinen Pflichten wirken sich günstig auf die Vitalität des Menschen aus, sie strukturieren den Tag und hindern den Besitzer daran, Trübsal zu blasen. Das kann die 67-jährige Katharina Obermeier nur bestätigen. Nachdem sie in Rente gegangen war und keine Beschäftigung mehr hatte, verstrich die Zeit lähmend langsam, ein Tag war wie der andere. „Ich wusste gar nicht, warum ich morgens aufstehen sollte. Ich hatte ja nichts zu tun!“ Dann schlug ihr eine Nachbarin vor, einen Hund aus dem Tierheim zu holen. Seitdem hat sich ihr Leben verändert. Zweimal am Tag macht sie mit dem Rüden Felix einen langen Spaziergang und hat dabei viele Menschen kennengelernt, die sie nun regelmäßig trifft. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Hund mein Leben so bereichert und mir so viele neue Freundschaften beschert.“ |
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![]() Kontaktknüpfer: „Mein Hund beginnt das Gespräch, nicht
ich.“
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Soziale
Eisbrecher Von neuen gesellschaftlichen Beziehungen berichten fast alle Hundebesitzer: Nach einer repräsentativen Umfrage kamen knapp 80 Prozent der Befragten durch einen Hund schon einmal ins Gespräch mit einem Unbekannten, bei jedem Zehnten führte dies sogar zu einer festen Partnerschaft. Es ist ein auffallendes Phänomen, dass Tierbesitzer viel mehr kommunikativen Umgang haben als tierlose Menschen. Am deutlichsten ist dies bei Hundebesitzern zu erkennen: Ein Hund wirkt wie ein zwischenmenschlicher Eisbrecher. Er sucht von sich aus und völlig unbefangen Kontakt – er tut das, was man sich selbst nicht traut. Aber auch Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen oder Vögel sorgen für soziale Kontakte, weil Menschen gerne über Tiere sprechen. Häufig ist das Tier das erste Thema beim Kennenlernen. In einer Befragung berichten 40 Prozent der Menschen mit Hund und 46 Prozent mit Katze von einem deutlichen Zuwachs an Sozialkontakten nach der Anschaffung des Tiers. |
![]() Depression adé: Haustiere wirken in schweren Zeiten wie ein Anker und halten ihre Besitzer davon ab, zu resignieren. |
Hilfe in
Krisen Durch Einsamkeit, finanzielle Probleme oder Ärger in der Familie geraten viele Menschen an ihre psychischen Grenzen. Doch das geliebte Haustier fängt die Betroffenen auf und bewahrt sie davor, aufzugeben. Tierbesitzer brauchen in schwierigen Situationen seltener therapeutische Hilfe. Auch der Verlust eines geliebten Menschen wird von Tierhaltern leichter verkraftet. Eine US-amerikanische Studie über Frauen, die kurz zuvor ihren Ehemann verloren hatten, zeigt, dass sich Witwen mit Haustier nach einiger Zeit gesünder, weniger depressiv und zufriedener fühlen als die Frauen ohne Tier. Sie sind besser imstande, mit dem Alleinsein fertig zu werden. Die tierlose Gruppe klagte über Kopfschmerzen, chronische Erkältungen, Verdauungsprobleme und Ängste. Ihr Medikamentenkonsum war viel höher, besonders bei Beruhigungsmitteln. Wie ist dieser positive Effekt zu erklären? Tiere trösten. Vor allem Hunde und Katzen sind begabt, die Stimmung ihres Halters zu spüren. Sie bemühen sich sogar aktiv, deren schlechte Gemütsverfassung aufzuhellen. Katzen streichen ihren traurigen Besitzern öfter ums Bein, maunzen und miauen ausgiebiger und helfen dadurch, aus der schlechten Stimmung herauszukommen. Hunde trösten noch offensichtlicher: Sie legen den Kopf auf den Schoß des Besitzers oder suchen verstärkt Körperkontakt. |
| Tiere
verlängern das Leben Während wir Tiere streicheln, bauen sich Aggressionen ab und Stress wird besser bewältigt. Der Blutdruck reguliert sich zunehmend, es treten weniger Krankheiten auf, was seltenere Arztbesuche und weniger Medikamente bedeuten kann. Eine Untersuchung der Universität Buffalo beweist, dass der regelmäßige Umgang mit Hund und Katze bei Stress sogar besser wirkt als blutdrucksenkende ACE-Hemmer. Bei der Studie bekam eine Gruppe von gestressten Börsianern ein Haustier, die andere nicht. Schon nach einem halben Jahr hatten die Tierhalter keine Stress-Spitzen mehr – im Gegensatz zur Kontrollgruppe, bei der der Blutdruck in Extremsituationen trotz Medikamenten weiterhin in die Höhe schnellte. Fazit: Haustiere verringern das Herzinfarktrisiko und verlängern das Leben. Aber auch, wenn Menschen bereits erkrankt sind, helfen Tiere bei der Regeneration. Die amerikanische Biologin Dr. Erika Friedmann (Brooklyn College) stellte fest, dass ein Jahr nach einem Herzinfarkt noch 94 Prozent der Tierhalter lebten, aber nur 72 Prozent der Patienten ohne Tier. |
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![]() Wenn Therapeutin Evelyn Buchholz- Dassen ihren Therapiehund ins Pflegeheim mitbringt, geht für viele die Sonne auf. |
Tiergestützte
Therapie Wegen des rundum positiven Effekts auf den Menschen setzen immer mehr Ärzte auf die Heilkraft der Tiere. „Medikament“ Nummer eins ist der Hund, aber auch Katzen, Zierfische und andere Haustiere können therapeutisch wirkungsvoll sein. Sehr erfolgreich ist die tiergestützte Therapie nach einem Schlaganfall und bei altersbedingten Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer. Aber auch bei Depressionen, körperlichen Behinderungen oder spastischen Lähmungen ermöglichen Tiere kleine Sensationen. Evelyn Buchholz-Dassen betreut mit ihren Therapiehunden die Patienten eines Pflegeheims. Wie sieht nun eine Tiertherapie in der Praxis aus? Die Therapeutin berichtet: „Eine 73-jährige Patientin konnte durch einen Schlaganfall ihren rechten Arm nicht mehr bewegen. Nach einigen Monaten schien sich der Arm zu erholen, das Gefühl war zurückgekehrt. Trotzdem hing er schlaff an ihrem Körper herunter.“ Die Therapeutin vermutete eine Blockade und setzte den Therapiehund Jarvis ein. Das Tier sollte nun dafür sorgen, dass die Patientin den Arm wieder hebt. Und so stupste der Rüde die Hand an, drückte seine Schnauze darunter und forderte die Patientin auf, zu reagieren. Nur bei Erfolg bekam er ein Leckerli, wenn nicht, gab es kein Futter. Und siehe da – die Patientin tat dem Hund den Gefallen und hob den Arm. Die Reaktion des Hundes folgte sofort: aufgeregtes Schwanzwedeln, leuchtende Augen und freudiges Kauen seines hart erarbeiteten Leckerbissens. |
| Ein
Beispiel für Tiertherapie in der Pflege In der Dauerpflegestation providenzia (m&i-Fachklinik Bad Pyrmont) werden Hunde als Besuchsdienste und als Therapiehunde eingesetzt. So bringt die Therapeutin ihre Hunde zur Unterhaltung mit, zum Spielen, Streicheln, Kuscheln und zur Förderung der Kommunikation. Die speziell ausgebildeten Therapiehunde werden aber auch mehrmals wöchentlich in der Ergotherapie eingesetzt. Dabei werden mit den Senioren Bewegungsabläufe geübt: Arme und Beine heben, mit den Fingern greifen, festhalten, loslassen. Bewohner, die sonst wegen der großen Mühe selten umhergehen, führen den Therapiehund freiwillig und mit Freude spazieren. „Nur Tiere sind zu solchen Motivationsleistungen fähig“, sagt die Therapeutin. |
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Hunde in Seniorenheimen werden häufig in der Ergotherapie eingesetzt, auch Jarvis: Alle Patienten sitzen im Kreis, der Sheltirüde bringt einer alten Dame eine gelbe Quietschente. Sie streckt die Hand aus, greift mit den Fingern danach und hält fest – freiwillig, ohne Bitten und mit viel Freude. So reagiert jeder Bewohner, wenn der Therapiehund mit aufforderndem Blick sein Spielzeug abgibt. Mehr Spaß beim Trainieren der Beweglichkeit und beim Anspannen von Muskeln bringt keine andere Methode. Wichtig für die Therapietiere ist es übrigens, ihnen Auszeiten zuzugestehen und sie nicht mehr als zweimal wöchentlich bei den Therapien mit einzubinden. Die Tiere könnten ansonsten unter Stress geraten. |
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Tiere
als Therapeuten ... Pferde eignen sich für die physiotherapeutische Behandlung von verschiedenen Erkrankungen. Die bekannteste Methode ist die Hippotherapie, die besonders bei Patienten mit spastischen Lähmungen, Multipler Sklerose, verschiedenen körperlichen Behinderungen oder nach Schlaganfällen eingesetzt wird. Die sanften rhythmischen Bewegungen des Tieres übertragen sich auf den Reiter, speziell auf Becken und Rumpf. So werden Muskeln trainiert, die der Patient sonst nicht benutzt. Schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische, also zu stark gespannte, geben nach. Hunde sind besonders für die Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Magersucht geeignet. Sehr erfolgreich ist die hundegestützte Therapie auch in den Bereichen, in denen keine oder nur minimale Verbalkommunikation möglich ist (Sprachstörungen, Sprachbarrieren, Autismus). Hunde fordern den Menschen dazu auf, mit ihnen zu spielen, sie zu füttern und mit ihnen zu toben, und sind dann vor Freude ganz aus dem Häuschen. Sie sind grundehrlich und können nicht betrügen. Dies bewirkt, dass zwischen Hund und Patient offener interagiert wird. |
| Lamas,
die seit mehreren
Jahren auch in Deutschland gehalten werden, sind sehr freundliche und
neugierige Tiere. Im Gegensatz zum Hund nähern sie sich dem
Menschen
vorsichtig und langsam, drängen sich in keiner Weise auf. Sie
eignen
sich besonders für Menschen mit einem gestörten
Körpergefühl, bei
psychischen Erkrankungen, Suchtkranken, Traumatisierung oder
Verhaltensauffälligkeit. Delfine haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten. In Gegenwart von behinderten Menschen verhalten sie sich extrem behutsam. Eine Delfintherapie ist besonders geeignet für Kinder mit mentalen und körperlichen Behinderungen (z. B. Down-Syndrom, Autismus, geistige oder körperliche Behinderung). Es wird vermutet, dass die Ortungswellen der Tiere die menschlichen Gehirnwellen stimulieren. |
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Kleine Wunder bei Demenz Auch bei Demenzpatienten können Tiere den direkten Weg ins Herz finden und somit gesundheitliche Probleme mildern. Demenzkranke verlieren im fortgeschrittenen Stadium ihr Sprachvermögen, sie können die Worte nicht mehr sprechen, reden in einer Fantasiesprache und verstummen irgendwann. „Ich hatte einen Demenz-Patienten, der schon seit drei Monaten nicht mehr gesprochen hat“, erzählt die Tiertherapeutin Buchholz-Dassen. Als er den Hund streicheln durfte, traten Tränen in seine Augen, dann sagte er: „Große Freude habe ich heute.“ |
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| Tierbesuchsdienste:
„Tiere helfen Menschen e. V.“ bietet kostenlose Tierbesuchsdienste für Altersheime an. Der Verein arbeitet ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Wer selbst ein Haustier hat, kann beim Besuchsdienst gerne mithelfen. Tiere helfen Menschen e.V., c/o Graham Ford, Münchener Str. 14, 97204 Höchberg, Tel. 0931 4 04 21 20. |
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| Adressen:
Hier wird Tiertherapie angeboten: providenzia m&i-Fachklinik Bad
Pyrmont, Auf der Schanze 3, 31812 Bad Pyrmont, Tel. 05281 62 10 22 02, www.fachklinik-bad-pyrmont.de Itzel-Sanatorium
(für Demenzkranke), Julius-Vorster-Str. 10, 53227
Bonn-Oberkassel, Tel. 0228 97 05-0, www.augustinum-sanatorien.de/html/itzel_sanatorium.htm KWA Stift Rottal (Wohnpflege), Max
Köhler Straße 3, 94086 Bad Griesbach, Tel. 08532
87-0, www.kwa.de Medical Park, Bad Rodach, Kurring 16,
96476 Bad Rodach, Tel. 09564 93-0, www.medical-park.de |
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Buchtipps: Heilende Haustiere, Dr.
Marty Becker, Riva Verlag, 22 € Tiere als therapeutische
Begleiter, Dr. Carola Otterstedt, Kosmos Verlag,
19,90 € |
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Myriam F. Goetz |
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| go longlife! Ausgabe 1/2009 Fotos: IVH, mauritius, jupiter images, Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft, Erlebnistherapie.com, m&i Fachklinik Bad Pyrmont, premium |
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