Energieeffizienz im Haushalt

Strom sparen - Umwelt schonen




In vielen Haushalten verstecken sich heimliche Stromschlucker, und häufig wird erst bei der Jahresabrechnung festgestellt, dass der Stromverbrauch in die Höhe geschnellt ist. Nicht immer können Verbraucher auf Anhieb herausfinden, welche Geräte dafür verantwortlich sind. Wer sich aber genauer im Haushalt umsieht, entdeckt etwa rot leuchtende Bereitschaftslämpchen an Fernsehern, Adaptern und Ladegeräten – das alles kostet Geld und zwar rund um die Uhr. Denn auch wenn am Stromnetz hängende Geräte ausgeschaltet sind, können sie noch Strom verbrauchen.


Strom ist der teuerste und zugleich klimaunverträglichste Energieträger: Bei der Erzeugung von Strom aus fossilen Brennstoffen wird das schädliche Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Um eine Kilowattstunde (kWh) Strom zu erzeugen – zum Beispiel, um eine Ladung Wäsche zu waschen –, müssen circa 3 kWh Primärenergie wie Gas oder Kohle aufgewendet werden. Glaubt man aktuellen Prognosen, wird der Stromverbrauch der Haushalte in den nächsten Jahren stetig steigen. Am durchschnittlichen jährlichen Gesamtstromverbrauch in Deutschland sind die Haushalte mit fast einem Viertel beteiligt und liegen damit an zweiter Stelle der Verbrauchstabelle hinter der Industrie. Durch einen effizienteren Umgang mit Energie können Haushalte ihre Stromkosten bis auf die Hälfte reduzieren. Aus diesem Grund ist Umdenken angesagt – auch der Umwelt zuliebe.



Effizient Strom sparen

Nicht immer ist es damit getan, den Stromanbieter zu wechseln, wenn die Stromrechnung am Jahresende zu hoch ist. Oft sind es nämlich veraltete Elektrogeräte, Heizkessel oder ineffiziente Umwälzpumpen für Heizungen, die den Strombedarf in die Höhe treiben. Haushaltsgeräte verbrauchen bis zu 50 Prozent des Stroms im Haus, dazu gehören vor allem Kühlgeräte, Wasch- und Trockenmaschinen. Die Beleuchtung kann bis zu 12 Prozent des Stromverbrauchs für sich beanspruchen. Mittlerweile spielt auch die Informations- und Kommunikationstechnik eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Energieaufwand. Dabei kann man schon mit kleinen Tricks die versteckten Stromschlucker aufspüren und die Stromrechnung merklich senken. Und das geht sogar, ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen.


 Was heißt Energieeffizienz?

Wenn mit einem geringeren Einsatz oder Aufwand die gleiche Wirkung erreicht werden kann, spricht man von Effizienz. Verbraucht etwa ein Haushaltsgerät für eine bestimmte Leistung weniger Energie als ein anderes Modell mit vergleichbarer Ausstattung, dann spricht man von Energieeffizienz. 
 

Sparen Sie nicht am Anschaffungspreis: Moderne Waschmaschinen, Wäschetrockner oder Gefrierschränke benötigen in der Regel über die Hälfte weniger Strom als ihre älteren Kollegen!
Bei neuen Geräten nicht am Preis sparen

Die großen Haushaltsgeräte sind ungefähr für die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs eines Haushalts verantwortlich. Nicht selten gehört der Kühlschrank oder die Waschmaschine 10 bis 15 Jahre lang zum festen Inventar. Ein Grund mehr, bei einer bevorstehenden Neuanschaffung weniger auf den Kaufpreis zu achten und dafür den Schwerpunkt auf die Energieeffizienz zu legen. Denn moderne Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Geschirrspüler, Gefriertruhe oder Waschmaschine verbrauchen bis zu 60 Prozent weniger Energie als ihre Vorläufer aus den neunziger oder etwa achtziger Jahren. Mit effizienten Energiesparprogrammen erhält man mittlerweile auch bei geringeren Temperaturen reine Wäsche und sauberes Geschirr. Eigentlich gewinnt man sogar doppelt, denn die aktuellen Haushaltsgeräte sparen nicht nur Strom, sondern lohnen sich auch in puncto Wasserverbrauch.

Stromfresser „Stand-by“

Geräte, die durchgehend betriebsbereit bzw. stand-by gehalten werden, wie zum Beispiel Fernseher, Drucker, Modem und Router, Anrufbeantworter, Faxgerät oder Kaffeemaschine, verbrauchen ohne Unterbrechung 24 Stunden lang Energie. Genauso ist es mit dauerhaft angeschlossenen Netzteilen oder Geräten, die nicht komplett ausgeschaltet werden können. Sobald noch ein Lämpchen leuchtet oder beispielsweise ein Fernseher über die Fernbedienung eingeschaltet werden kann, entstehen so genannte Leerlaufverluste und damit unnötige Kosten. Dieser Non-Stop-Verbrauch summiert sich unter Umständen zu erheblichen Beträgen, je nachdem, wie viele Geräte über welchen Zeitraum betriebsbereit gehalten werden. Jährlich können auf diese Weise zwischen 80 und 100 Euro Kosten anfallen, bei einem angenommenen Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde.

 Schon kleine Maßnahmen ermöglichen die erstaunliche Ersparnis von 75 Euro/Jahr:

Im Zweifelsfall einfach den Stecker ziehen.
Die betreffenden Geräte an eine schaltbare Steckdosenleiste anschließen.
Netzteile nach dem Ladevorgang vom Stromnetz trennen.
Geräte über Schaltuhren automatisch vom Netz trennen lassen.
   
 So sparen Sie zusätzlich Energie

Stellen Sie Ihren Kühlschrank nicht neben Wärmequellen (z. B. Herd) auf.
 Regelmäßiges Abtauen des Eisfaches hilft beim Stromsparen.
Nutzen Sie das gesamte Füllungsvermögen Ihrer Waschmaschine aus.
 Waschen Sie Ihre Wäsche nicht zu heiß. Hohe Waschtemperaturen über 40° sind nur bei stark verschmutzter Wäsche notwendig.
 Verzichten Sie auf Vorwaschprogramme.
 Schalten Sie Ihren Geschirrspüler erst dann ein, wenn er vollständig gefüllt ist.
Nutzen Sie, wenn möglich, Energiesparprogramme.
   

Das derzeit aktuelle Energie-Label: In der rechten Spalte oben ist die Energieeffizienzklasse des Gerätes ausgewiesen, hier A++ für sehr effizient, darunter der Energieverbrauch in Kilowattstunden. 
Wegweiser: EU-Label

Großgeräte für den Haushalt wie Waschmaschinen, Kühl- und Gefrierschränke müssen im Handel mit dem EU-Energie-Label ausgezeichnet sein. Es gibt dem Kunden Auskunft über den Energie- und Wasserverbrauch oder die Lautstärke eines Gerätes. Die Einteilung in verschiedene Energieeffizienzklassen von „A“ bis „G“ ermöglicht einen direkten Produktvergleich. Ein Gerät der Klasse „A“ hat den niedrigsten Energieverbrauch, eines der Klasse „G“ den höchsten.
Für Kühl- und Gefriergeräte – die größten Energiefresser im Haushalt – gibt es zusätzlich die Angaben „A+“ und „A++“, wenn sie außerordentlich wenig Strom benötigen. Achten Sie deshalb beim Neukauf gezielt auf das EU-Label und bevorzugen Sie Geräte der Energieeffizienzklasse „A++“, auch wenn sie etwas teurer sind.
Derzeit wird das EU-Label von der Europäischen Kommission überarbeitet und neu gestaltet. Es soll auch für Fernsehgeräte eingeführt werden und dem Verbraucher künftig noch genauere Informationen zum Energieverbrauch von Haushaltsgeräten liefern. Verbindlich wird das neue EU-Label ab Januar 2011.


Augen auf beim Kauf: Werfen Sie auch bei Unterhaltungselektronik einen Blick auf den Energieverbrauch. Kennzeichen wie der „Blaue Engel“ weisen Ihnen den Weg.
Weniger Leistung – mehr Effizienz

Für Geräte der Unterhaltungselektronik, der Informations- und Kommunikationstechnik sind ebenfalls diverse Kennzeichen oder „Labels“ gebräuchlich, die für die Kaufentscheidung hilfreich sind: Blauer Engel, Energy Star, TCO, TÜV ECOKreis und das EU-Eco-Label. Sie alle weisen auf besonders energieeffiziente Geräte hin, die auch unter ökologischen Gesichtspunkten (hinsichtlich Herstellung, Verbrauch und Entsorgung) als weniger problematisch gelten. Achten Sie bei der Neuanschaffung eines Gerätes immer auf einen niedrigen Verbrauch, sowohl im Stand-by-Modus als auch im Normalbetrieb.

Mehr Leistung kostet mehr Energie: Entscheiden Sie sich bei der Anschaffung eines PCs am besten nur für die Rechnerkapazität, die Sie wirklich benötigen.
Des Weiteren können Funktionen, die beim Kauf von Unterhaltungselektronik bereits voreingestellt sind, im Nachhinein entsprechend den realen Nutzungsansprüchen stromsparend verändert werden. Bei Fernsehgeräten beispielsweise sollte man die Einstellung bezüglich Kontrast und Helligkeit prüfen und sie bei Bedarf heruntersetzen. Auch beim Computer beginnt Stromsparen mit dem Kauf. Je mehr Leistung ein Rechner bieten muss, desto mehr Strom benötigt er. Wer hauptsächlich Texte verarbeitet, ist mit einem durchschnittlich ausgestatteten Laptop bestens bedient. Für grafisch und akustisch hochwertige Anwendungen benötigt man eine höhere Rechnerleistung und somit auch mehr Strom. Achten Sie auf jeden Fall immer auf die Angaben bezüglich der Energieeffizienz eines Computers. In der Regel sind Notebooks im Vergleich zum klassischen PC die sparsamere Lösung. Doch aufgepasst: Ist das Notebook über das Netzteil durchgehend mit dem Stromnetz verbunden, entstehen wiederum Leerlaufverluste, da das Netzteil permanent Energie zieht. Am besten auch hier entweder Stecker ziehen oder Steckdosenleiste ausschalten. Dann rechnet sich das Notebook auf jeden Fall.

 Automatische Rollläden statt Klimaanlagen
 
Klimaanlagen sind nicht nur teuer in der Anschaffung, sie fressen auch jede Menge Strom. Die sparsamere Alternative sind Rollläden. Mit ihnen lässt sich auch im Sommer ein angenehmes Raumklima schaffen. Besonders komfortabel wird der Sonnenschutz mit einer Rollladenautomationslösung. Mit Hilfe von Sonnensensoren und gezielter Zeitschaltung werden die Räume auch dann vor Sonneneinstrahlung geschützt, wenn die Bewohner nicht zuhause sind.
 
Die Leuchtmittel der Zukunft

Es gibt keinen Raum, in dem nicht mindestens eine Lampe installiert ist. Bis zu 12 Prozent der Haushaltsenergie wird für die Beleuchtung benötigt. Die gute alte Glühlampe hat dabei jedoch bald ausgedient, denn lediglich fünf bis zehn Prozent ihrer elektrischen Energie wird in Licht umgewandelt, der Rest geht als ungenutzte Wärme verloren. Etwa 1.000 Betriebsstunden leistet eine Glühlampe, bevor ihr Glühdraht durchbrennt. Energiesparlampen hingegen spenden bis zu 10.000 Stunden Licht und nahezu gleiche Helligkeit für weniger Energiekosten. Vom Anschaffungspreis her sind sie zwar noch recht teuer, doch über die Einsparung bei den Stromkosten können sich Energiesparlampen sehr wohl rechnen.

Dennoch stellen sie bislang noch nicht die ultimative Lösung dar. Kritisiert wird immer wieder, dass diese Lampen größtenteils nicht dimmbar sind, ihre Helligkeit mit der Zeit abnimmt, häufiges Schalten die Lebensdauer verkürzt und dass sie ein paar Minuten brauchen, um ihre ganze Helligkeit zu erreichen. Größtes Manko der Energiesparlampen: Ihr Sockel ist nicht gegen Elektrosmog abgeschirmt, und sie müssen nach Gebrauch – wegen ihres Quecksilbergehalts – als Sondermüll entsorgt werden. Alternativ bieten sich Halogenlampen (z. B. Niedervolt- und Netzspannungshalogenlampen) als Beleuchtungsmittel an. Ähnlich wie herkömmliche Glühlampen verbreiten sie ein angenehm warmes Licht.

Immerhin verbrauchen sie bis zu 30 Prozent weniger Strom als eine Glühlampe und haben eine fast doppelt so lange Betriebsdauer.
Leuchtstofflampen halten mindestens so lange wie Energiesparlampen und zeichnen sich durch einen sehr niedrigen Energieverbrauch aus.

Das Nonplusultra allerdings sind Leuchtdioden (LEDs, Light Emitting Diodes oder lichtemittierende Dioden). Sie sind mit einer Lebensdauer von mehr als 50.000 Stunden das Leuchtmittel der Zukunft. Noch sind LEDs nicht hell genug, um einen großen Raum komplett auszuleuchten. Auch ihr Preis macht sie eher zum Luxusartikel. Sobald sie jedoch serienmäßig produziert werden, darin sind sich die Experten einig, erobern sie den Beleuchtungsmarkt.


Verantwortung übernehmen

Wer im Haushalt bewusst mit Energie umgeht, schont nicht nur seinen Geldbeutel, sondern entlastet auch die Umwelt. Stromsparen bedeutet, die Ressourcen unserer Erde zu schonen und weniger Treibhausgase sowie Kohlendioxid zu produzieren, die auch für den Klimawandel verantwortlich sind. Wenn jeder in seinem persönlichen Umfeld mit einem verantwortlichen Energieverbrauch beginnt, bringt das den Umweltschutz erheblich voran.

 Hier können Sie sich informieren:

 Die Deutsche Energie-Agentur (dena) bietet im Rahmen der „Initiative Energieeffizienz“ Informationen zur Energieeffizienz:
www.initiative-energieeffizienz.de und www.stromeffizienz.de.
 Bund der Energieverbraucher: www.energieverbraucher.de.
 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: www.bmu.de.

 Vergleichsrechner für Stromanbieter finden Sie unter:
www.stromanbieter-kosten-vergleich.de,
www.tarif-vergleich.de/Stromanbieter oder
www.stromrechner.com.

 Buchtipps:
 Wegweiser – Energiesparen im Haushalt, Claudia Hilgers, Beuth Verlag, 14,80 €
 Strom sparen im Haushalt, Trends, Einsparpotenziale und neue Instrumente für eine nachhaltige Energiewirtschaft, Corinna Fischer, Oekom Verlag, 39,90 €
 Einfach Energie sparen, Ute Goerke, Haufe Verlag, 14,95 €

Daniela Trauthwein
go longlife!-Ausgabe 2-3/09

Fotos: Miele, mauritius, jupiter images, Philips